Olympische Spiele Kanutin Funk gewinnt erste deutsche Goldmedaille

Am vierten Wettkampftag hat das deutsche Olympia-Team zum ersten Mal Gold geholt: Slalom-Kanutin Ricarda Funk war im 25-Stangen-Parcours die Schnellste. Sie ist im Hochwassergebiet Bad Neuenahr-Ahrweiler geboren.
Ricarda Funk

Ricarda Funk

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CHARLY TRIBALLEAU / AFP

Ricarda Funk sprang nach ihrem Gold-Coup mit ihrem Trainerteam ins Wasser und konnte ihr Glück kaum fassen. Nach ihrer konzentrierten Fahrt durch den Wildwasserkanal von Tokio ist die 29 Jahre alte Sportsoldatin am Ziel angelangt. Funk rauschte am Dienstag im Kajak-Einer Slalom zur olympischen Goldmedaille und feierte nach vielen Rückschlägen den größten Erfolg ihrer Karriere. »Ich kann es einfach nicht glauben, ich kann es einfach nicht glauben«, sagte Funk im Ziel.

Die in Bad Neuenahr-Ahrweiler geborene Funk siegte im 25-Stangen-Parcours im Kasai Canoe Slalom Centre 1,13 Sekunden vor Titelverteidigerin Maialen Chourraut aus Spanien und der großen Favoritin Jessica Fox (Australien, +1,23 Sekunden).

Für den Deutschen Kanu-Verband (DKV) ist es die zweite Slalom-Medaille bei diesen Sommerspielen, nachdem sich Sideris Tasiadis am Montag Bronze gesichert hatte .

Funk musste in ihrer Karriere viele Rückschläge einstecken. 2016 hatte sie Olympia verpasst. Bei Weltmeisterschaften wurde sie Zweite und Dritte im Einzel, nur für den Sieg hatte es nicht gereicht. Bis zu ihrem perfekten Tag in Tokio. Funk schlängelte sich mit Kraft und Eleganz durch die Tore und zeigte keine Nerven.

Das war im Halbfinale noch anders. Da hatte sie sich als einzige Finalistin zwei Stabberührungen geleistet. Dennoch kam sie nach den Patzern an den Toren 4 und 12 dank ihrer Schnelligkeit als Drittbeste ins Finale. Das gab Zuversicht.

In Rio hatte sie noch zusehen müssen, obwohl sie 2016 sogar Weltcup-Gesamtsiegerin war. Nun bangte sie lange um die Tokio-Spiele. »Ich habe mir sehr lange sehr viele Sorgen gemacht, ob das Ganze hier stattfinden wird. Ich habe mich nicht vier – in dem Fall fünf – Jahre darauf vorbereitet, sondern ein ganzes Sportlerleben lang.« Unterstützung fand sie immer in der Familie.

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»Ich wollte lieber eine typische Mädchensportart«

Mit Papa Thorsten saß sie als kleines Kind das erste Mal im Boot: »Ich kann mich daran erinnern, dass wir auf dem Rhein gefahren sind. Wir sagten: Die Wellen von den Schiffen sind wie Kindergeburtstag, wir wollen da ein bissel mehr erleben.« Die Liebe zum Kanuslalom kam erst später. »Anfangs dachte ich, das ist was für Jungs. Ich wollte lieber eine typische Mädchensportart machen wie Reiten oder Tanzen.« Bei ihrem ersten Wettkampf wurde sie Letzte. »Danach habe ich mir gesagt: Nie wieder.« Erst mit 14 entschied sie sich komplett für das Kanu und gab das Tanzen in einer Karnevalsgruppe auf.

Ihre Leichtigkeit – gerade beim Tanz auf den Wellen – ist geblieben. Was nicht nur an ihren 53 Kilogramm Körpergewicht liegt. Im Feld der Weltklasseathletinnen ist sie mit die Leichteste, doch sie hat enorme Kräfte am Paddel. »Es ist natürlich cool, wenn man so ein Kraft-Last-Verhältnis hat. Das ist bei dieser Sportart auch ein Vorteil. Manchmal macht es einfach Spaß, wenn man ein paar Leute ärgern kann.« Zwar könnten sich die robusten Kanutinnen »manchmal besser durch die Wellen boxen, aber ich bekomme das Boot einfach besser vorwärtsbewegt«.

krä/sid
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