Eiskunstlauf bei Olympia Rätselraten um möglichen Dopingfall von Kamila Walijewa

Russland gewann den Teamwettbewerb im Eiskunstlauf souverän, doch Gold lässt weiter auf sich warten. Grund ist ein mögliches Dopingvergehen – im Mittelpunkt soll ausgerechnet der 15 Jahre alte Star des Teams stehen.
Kamila Walijewa am Donnerstag im Training

Kamila Walijewa am Donnerstag im Training

Foto: TOBY MELVILLE / REUTERS

Die russischen Eiskunstläufer warten weiter auf ihre Goldmedaille aus dem Teamwettbewerb. Grund ist mehreren internationalen Medienberichten zufolge offenbar ein Dopingfall im Team. Eine Bestätigung der Berichte von offizieller Seite gab es auch am Donnerstag nicht. Das IOC sprach zunächst lediglich von »offenen Rechtsfragen«, man werde sich an »Spekulationen« nicht beteiligen.

Im Mittelpunkt der Berichterstattung steht mit der 15-jährigen Kamila Walijewa ausgerechnet der Star des Teams. Walijewa hatte am Montag im Wettkampf als erste Frau bei Olympischen Spielen Vierfachsprünge gezeigt und damit wesentlichen Anteil am Gold-Erfolg.

Walijewa im Wettkampf

Walijewa im Wettkampf

Foto: PHIL NOBLE / REUTERS

Den Medienberichten zufolge soll die 15-Jährige bereits vor den Spielen positiv auf den Wirkstoff Trimetazidin getestet worden sein. Zunächst hatte das Onlineportal »insidethegames« und der britische »Guardian« über den Fall berichtet, auch die russischen Zeitungen Kommersant und RBC nannten eigene Quellen. Demnach soll Walijewa eine »geringe Menge« des Medikaments nachgewiesen worden sein. Walijewa lehnte es am Donnerstag ab, den Reportern vor Ort Fragen zu beantworten.

Den Medienberichten nach wurde die betreffende Dopingprobe schon im Dezember entnommen, als sich Walijewa noch in Russland aufhielt. Der positive Befund wurde offenbar jedoch erst entdeckt, nachdem sie mit ihrem Team die Goldmedaille gewonnen hatte.

Substanz tauchte schon mehrfach im Spitzensport auf

Der betreffende Wirkstoff Trimetazidin wird zur Behandlung von Angina pectoris eingesetzt – einer Art von Brustschmerzen, die durch eine verminderte Durchblutung des Herzens gekennzeichnet sind. Trimetazidin ist von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) bereits seit 2014 als Stimulans verboten, weil es unter anderem die Ausdauer steigern kann.

Ob Walijewa gesundheitliche Probleme hat oder hatte, war zunächst unklar. Das Mittel hatte auch in der Vergangenheit allerdings schon mehrfach Schlagzeilen im Spitzensport gemacht. Unter anderem war bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang bei der russischen Bobfahrerin Nadeschda Sergejewa dieselbe Substanz entdeckt worden. Auch der chinesische Schwimmstar Sun Yang war 2014 wegen des Einsatzes des verbotenen Mittels gesperrt worden.

Das russische Eiskunstlaufteam bei der Siegerehrung

Das russische Eiskunstlaufteam bei der Siegerehrung

Foto: Grigory Sysoev / imago images/SNA

Wenn eine Erkrankung den Einsatz eines bestimmten Medikaments notwendig macht, das aber auf der Verbotsliste steht, können Sportler bei der Welt-Anti-Doping-Agentur auch eine medizinische Ausnahmegenehmigung (TUE)  beantragen. In diesem Prozess muss auch geprüft werden, ob es äquivalente Medikamente gibt, die keine verbotenen Substanzen enthalten. Gibt es gerade in Fällen von chronischen Krankheiten wie Asthma oder Diabetes keine Alternativen, kann auch eine TUE erteilt werden, um im Fall einer Kontrolle nicht wegen der verbotenen Substanz als Dopingfall zu gelten.

Von der Wada gab es zunächst keine Bestätigung für den Vorfall in Peking. Walijewa wird nach den Regeln des Welt-Anti-Doping-Codes als »geschützte Person« geführt, da sie zum Zeitpunkt des möglichen Verstoßes noch nicht das 16. Lebensjahr erreicht hätte. Sie könnte damit nicht offiziell identifiziert werden, wenn sie sich eines Verstoßes gegen Anti-Doping-Bestimmungen schuldig gemacht haben sollte.

Das russische Team hatte sich am Montag deutlich vor den USA und Japan durchgesetzt. Es startet in Peking unter dem Namen des Russischen Olympischen Komitees (ROC), Flagge und Nationalhymne sind wie bei den Sommerspielen von Tokio 2021 verboten. Russische Teilnehmende dürfen unter bestimmten Voraussetzungen als »neutrale Athleten« starten. Russland war wegen des massiven Dopingskandals bei den heimischen Winterspielen 2014 in Sotschi gesperrt worden.

Die 15-jährige Walijewa gilt auch für den Einzelwettbewerb (ab Dienstag) als Favoritin. Laut einem Statement des russischen Verbands ist sie bisher nicht vom Wettbewerb ausgeschlossen.

ara/AP/Reuters
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