Olympische Spiele Das war Tag sieben in Tokio

Bronze, Silber – und die Aussicht auf Gold. Der siebte Wettkampftag war aus deutscher Sicht ein Erfolg. Und: Der erste Leichtathletik-Olympiasieger von Tokio heißt Selemon Barega. Der Olympia-Überblick.
Selemon Barega aus Äthiopien freut sich über das erste Leichtathletik-Gold bei diesen Spielen

Selemon Barega aus Äthiopien freut sich über das erste Leichtathletik-Gold bei diesen Spielen

Foto:

Ryan Pierse / Getty Images

Am siebten Wettkampftag ist die deutsche Medaillensammlung gewachsen. Das Edelmetall des Ruder-Achters glänzt silber, das von Slalomkanute Hannes Aigner bronze – ebenso das von Dimitrij Ovtcharov, der in seiner fesselnden Tischtennis-Partie vier Matchbälle abwehren konnte.

Gold könnte es für Tennisprofi Alexander Zverev geben. Dem Deutschen gelang im Halbfinale ein Überraschungserfolg gegen die serbische Nummer eins der Welt, Novak Djokovic.

Getrübt war die Stimmung hingegen bei Kugelstoßerin Christina Schwanitz und bei Hochspringer Mateusz Przybylko.

Das erste Leichtathletik-Gold ging nach Äthiopien; die Olympia-Premiere im BMX-Fahren wird von schweren Stürzen überschattet – und der US-Schwimmer Murphy äußert Dopingvorwürfe.

Fotostrecke

Alle Goldmedaillen des siebten Wettkampftags

Foto: CHARLY TRIBALLEAU / AFP

Völlig ausgepumpt zu Ruder-Silber

Nach neun Jahren wollte der Deutschland-Achter wieder Gold bei Olympia holen, doch nach längerer Zeit der Dominanz reicht es für das Paradeboot im Olympiafinale nicht. Für den Deutschen Ruderverband ist Silber ein weiterer Rückschlag. Zuvor hatten lediglich die Leichtgewichts-Doppelzweier Jonathan Rommelmann und Jason Osborne am Donnerstag Silber gewonnen. Gold-Hoffnung Oliver Zeidler war im Einer-Halbfinale überraschend gescheitert, gewann heute immerhin sein B-Finale.

Freude, Frust und eine Überraschung am ersten Leichtathletik-Tag

Die deutschen Diskuswerfer Daniel Jasinski und Clemens Prüfer sind ins Finale eingezogen, Hochspringer Mateusz Przybylko ist hingegen ausgeschieden. Besonders groß fiel der Frust bei Christina Schwanitz aus. Die Ex-Weltmeisterin verpasste – anders als Sara Gambetta – das Kugelstoß-Finale.

Der erste Leichtathletik-Olympiasieger von Tokio heißt Selemon Barega – und das ist eine Überraschung. Der erst 21-jährige Äthiopier hatte bei rund 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit auf der letzten Runde die größten Kraftreserven und spurtete über 10.000 Meter Weltmeister und Topfavorit Joshua Cheptegei (Uganda) davon und gewann nach 27:43,22 Minuten Gold. Weltrekordler Cheptegei (27:43,63) musste sich mit Silber zufriedengeben, Bronze ging an Jacob Kiplimo (27:43,88) und damit ebenfalls an Uganda.

Die Tränen, die niemand sehen soll

Alexander Zverev hat Olympiasilber sicher. Deutschlands bester Tennisspieler gewann das Halbfinale gegen den serbischen Weltranglistenersten Novak Djokovic in 2:03 Stunden 1:6, 6:3, 6:1. Die Tränen, die er vergossen hatte, habe hoffentlich niemand gesehen, sagte er danach. Damit tritt er am Sonntag als Favorit im Endspiel gegen den russischen Überraschungsfinalisten Karen Chatschanow an und kann sich zum ersten deutschen Olympiasieger im Herren-Einzel küren. Die zuvor letzte olympische Einzelmedaille holte Tommy Haas mit Silber vor 21 Jahren.

Ovtcharov macht es wieder dramatisch

Wie schon bei seiner Halbfinalniederlage bot Dimitrij Ovtcharov eine spannende Partie. Der deutsche Tischtennisprofi hat das »kleine Finale« im Einzel nach sieben Sätzen gegen Lin Yun-ju aus Taiwan für sich entschieden damit zum zweiten Mal in seiner Karriere Olympiabronze gewonnen. Insgesamt war es für Ovtcharov die fünfte Olympiamedaille nach Silber (2008) und zweimal Bronze (2012, 2016) mit dem deutschen Team.

  • Lesen Sie hier mehr über Dimitrij Ovtcharov und seine Achterbahn der Gefühle: Das glückliche Ende

Mit Bronze enden historische Tage für den Deutschen Kanuverband

Slalomkanute Hannes Aigner hat für das beste deutsche Abschneiden seit 49 Jahren gesorgt. Der 32-Jährige paddelte im Einer-Kajak zu Olympiabronze.

  • Lesen Sie hier mehr über den Mann, der mit Krämpfen ins Ziel paddelte: Der Grenzgänger

Kurz und knapp

Schon vor dem Spiel gegen die Niederlande stand der Einzug ins Viertelfinale für die deutschen Hockey-Herren fest – dafür sorgte das 4:4 zwischen Südafrika und Kanada. Wenig später stand das Team von Bundestrainer Kais al Saadi selbst auf dem Platz und gewann 3:1 gegen starke Niederländer. Die Tore erzielten Niklas Wellen (10. Minute), Constantin Staib (41.) und Timm Herzbruch (54.). Im Viertelfinale wartet nun Argentinien.

Sie hätten es womöglich auch allein geschafft, doch nun haben die deutschen Hockey-Männer etwas früher Gewissheit: Durch das 4:4 zwischen Südafrika und Kanada ist die Mannschaft von Bundestrainer Kais al Saadi unabhängig vom Ausgang der Partie gegen Vizeweltmeister Niederlande am Freitagabend (Ortszeit) nicht mehr von den ersten vier Plätzen der Vorrundengruppe B zu verdrängen und damit im Viertelfinale.

Eine gefährliche Premiere: Zwei schwere Stürze haben die ersten olympischen BMX-Rennen überschattet. In den Halbfinal-Läufen verletzten sich Rio-Olympiasieger Connor Fields aus den USA und die Australierin Saya Sakakibara schwer.

Ein Topteam besiegt, die K.-o.-Phase im Blick: Angeführt von einem überragenden Torhüter-Gespann haben die deutschen Handballer Kurs auf das olympische Viertelfinale genommen. Die Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason bezwang den EM-Dritten Norwegen mit 28:23 (14:11) und feierte ihren zweiten Sieg im vierten Spiel.

Andreas Wolff hielt in der ersten Halbzeit (fast) alles

Andreas Wolff hielt in der ersten Halbzeit (fast) alles

Foto: Swen Pförtner / dpa

Der französische Judo-Star Teddy Riner ist bei seinem womöglich letzten großen Auftritt gestürzt worden. Der Schwergewichts-Rekordweltmeister unterlag im Viertelfinale des olympischen Turniers dem Weltranglistenersten Tamerlan Baschajew und verpasste durch seine erste Niederlage bei einer großen Meisterschaft seit elf Jahren und die erste bei Olympia seit 2008 sein drittes Gold.

Doping-Diskussionen haben nach dem Olympiafinale über 200 Meter Rücken für Aufsehen gesorgt. Der amerikanische Silber-Gewinner Ryan Murphy äußerte Zweifel an der Sauberkeit in seinem Sport. »Es ist das ganze Jahr über eine große mentale Belastung für mich zu wissen, dass ich in einem Rennen schwimme, das wahrscheinlich nicht sauber ist, und das ist es auch«, sagte der 26-Jährige zum Thema Doping-Sorgen.

mas/dpa/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.