NRW-Blamage bei Bewerbung 2032 Das große Blame Game (Olympia-Version)

Nach dem Debakel um die Olympia-Bewerbung Nordrhein-Westfalens für 2032 werden jetzt die Schuldigen gesucht. DOSB-Boss Alfons Hörmann schiebt den Schwarzen Peter dem IOC und Bewerbungschef Michael Mronz zu.
Möglicher Olympia-Austragungsort Borussia-Park Mönchengladbach: Woran hat es gelegen, dass NRW im Kampf um die Ausrichtung der Spiele 2032 unterlegen ist?

Möglicher Olympia-Austragungsort Borussia-Park Mönchengladbach: Woran hat es gelegen, dass NRW im Kampf um die Ausrichtung der Spiele 2032 unterlegen ist?

Foto: taranchic / Getty Images

Auf einer kurzfristig angesetzten virtuellen Pressekonferenz hat die Führung des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) ein weiteres bemerkenswertes Kapitel in der Posse zur frühzeitig gescheiterten deutschen Olympiabewerbung 2032 geschrieben. Nach dem Debakel aus der Vorwoche geht jetzt die Suche nach den Verantwortlichen los. Der DOSB hat aus seiner Sicht schon mal klargemacht: Er ist es nicht.

Die Initiative Rhein Ruhr, mit der sich Nordrhein-Westfalen um die Austragung der Spiele bemühen wollte, war in der vergangenen Woche düpiert worden, als sich das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) am 24. Februar auf Brisbane als klaren Favoriten für 2032 festgelegt hatte.

Damit war die deutsche Bewerbung praktisch vom Tisch. Die endgültige Entscheidung für die Sommerspiele 2032 im australischen Bundesstaat Queensland werde das IOC in wenigen Monaten treffen, ist DOSB-Präsident Alfons Hörmann sicher.

Transparenz-Offensive des DOSB

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

DOSB-Präsident Alfons Hörmann

Foto: DPA

Nachdem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und Olympia-Initiator Michael Mronz (FDP) vor drei Tagen vor der Presse behauptet hatten, der DOSB habe die Bewerbung quasi durch Untätigkeit verdaddelt und sei nicht über die IOC-Vorhaben informiert gewesen, entschieden sich DOSB-Vorstandschefin Veronika Rücker und Hörmann für eine in der Geschichte des deutschen Sports ungewöhnliche Transparenz-Offensive – vorausgesetzt, alle Informationen ihrer 28 Seiten umfassenden Präsentation stimmen. Das Führungsduo warf sowohl dem IOC als auch Mronz mehrfach »Falschaussagen« vor.

CSU-Parteimitglied Hörmann hatte am Montagmorgen mit CDU-Parteichef Laschet telefoniert. Die beiden einigten sich im 45-minütigen Gespräch auf ein Vorgehen, um diese sportpolitische Bankrotterklärung zu überstehen und das Gesicht zu wahren. Hörmann formulierte es so: »Es ist in dem Telefonat klar geworden, dass der Ministerpräsident nennenswerte Informationen seitens Rhein Ruhr City nicht vorliegen hatte.« Die Rolle des Buhmanns werde er nicht akzeptieren, sagte Hörmann. Die bekam dadurch Mronz als Verantwortlicher der deutschen Bewerbung zugeschoben – denn es ist klar, wer dafür verantwortlich ist, dass Laschet nicht zufriedenstellend informiert war.

Schon Anfang Januar, nach einer Videokonferenz von IOC, DOSB und NRW 2032, sei absehbar gewesen, dass der Prozess für die Vergabe der Spiele 2032 sich beschleunige. International war ohnehin lange klar, dass Brisbane, unterstützt vom australischen IOC-Vizepräsidenten und Bach-Vertrauten John Coates, die Poleposition hatte.

Sämtliche Termine waren kommuniziert

Im Januar gab es, so DOSB, weitere Termine mit dem IOC und mit der Bewerbungsinitiative. In Frankfurt am Main fand auch ein ganztägiger Workshop von DOSB und der Mronz-Abordnung statt, in dem Finanzierungsfragen besprochen wurden, die Mronz einige Wochen zuvor einem kleinen Kreis von Verantwortlichen aus dem Bundesinnenministerium und der Bundespolitik vorgestellt hatte. Beim Workshop sei es zudem um den Ablauf der Bürgerbefragung und die Einschätzung der internationalen Lage gegangen. Sämtliche Termine seien jederzeit, davor und danach, zwischen Mronz und DOSB kommuniziert worden.

Am 17. Februar, eine Woche vor dem IOC-Beschluss, habe Mronz mit dem IOC einen Termin für einen weiteren Video-Call am 26. Februar vereinbart, der DOSB sollte auch teilnehmen. Doch am 24. Februar, angeblich eine Stunde vor der Pressekonferenz von Bach, soll das IOC Mronz mitgeteilt haben, der DOSB habe bestätigt, keinen weiteren intensiven Dialog über die Bewerbung führen zu können. Hörmann sagt, das stimme nicht.

Beim IOC habe der DOSB sogar hinterlegt, gegebenenfalls schnell tätig zu werden und sich ohne Beschluss einer Mitgliederversammlung um staatliche Garantien zu bemühen, um in Verhandlungen über die Spiele 2032 zu bleiben. Mronz gab am Montagmittag die Erklärung heraus: »Es gab für uns keinerlei belastbare Faktenlage oder gar Datums-Perspektiven für eine Entscheidung des IOC im Februar, die irgendeine Änderung unseres Arbeitsprogramms oder eine Mitteilung an unsere Partner notwendig gemacht hätten.« Ein Hin und Her.

Auch weiter mit Mronz zusammenarbeiten

Aber gibt es Konsequenzen? Nein, wie fast immer in der Sportfamilie. Hörmann kündigte an, weiter mit Mronz zusammenzuarbeiten, obwohl dieser den DOSB noch am Mittwoch bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Laschet der Untätigkeit geziehen und somit bloßgestellt hatte. Nun stellte der DOSB im Gegenzug Mronz bloß und präsentierte Dokumente, die den Eindruck erwecken, der Chef der Rhein-Ruhr-Bewerbung habe vor einem Monat noch geglaubt und geplant, das IOC werde die Entscheidung über die Sommerspiele 2032 erst in zwei Jahren fällen.

Den Schwarzen Peter schob Hörmann darüber hinaus zwei Frauen zu: Der im IOC für Olympiabewerbungen zuständigen Ressortleiterin und der Norwegerin Kristin Kloster Aasen, Chefin der IOC-Kommission für künftige Sommerspiele, die erklärt hatte, der DOSB habe im Februar entscheidende Signale zugunsten von Rhein-Ruhr vermissen lassen. Was Hörmann wiederum energisch dementiert.

Rücker erwähnte darüber hinaus zwar mehrfach die merkwürdige Rolle von IOC-Vizepräsident und Brisbane-Lobbyist Coates. Zu einer deutlichen Kritik an dem Australier aber konnte auch sie sich nicht durchringen. Bach, enger sportpolitischer Freund von Coates, wurde von Hörmann dagegen nur gelobt: »Hochrangiger als mit dem IOC-Präsidenten können wir international nicht vertreten sein.«

Wie soll es weitergehen? Laschet und Mronz hatten angekündigt, einfach weiter auf 2032 und überhaupt auf Spiele in den »Dreißigerjahren« zu setzen, wie Laschet formulierte. Für 2032 ist der Zug abgefahren, machte Hörmann mehrfach deutlich.

Laschet hat aber auch kein Problem mit 2036, wie er in der Vorwoche mitteilte. Zum hundertjährigen Jubiläum der Nazi-Spiele 1936 in Garmisch-Partenkirchen und Berlin sagte Hörmann: »Es fehlt mir noch die Vorstellungskraft und die Fantasie, wie man erfolgreiche Olympische Spiele 2036 durchführen könnte.« Eine neuerliche Bewerbung für Winterspiele, die im IOC gewissermaßen auf dem goldenen Tablett serviert würden, schloss der DOSB-Präsident nicht aus. Also Sommer oder Winter? »Ob, wann und wo und mit welchem Konzept gilt es in aller Ruhe im deutschen Sport zu überlegen. Selbstverständlich ohne Vorfestlegung.«