Über 5000 Meter Caster Semenya verpasst Olympia-Qualifikation um 22 Sekunden

Weil sie wegen der umstrittenen »Testosteron-Regel« in ihrer Paradedisziplin nicht antreten darf, wich die Olympiasiegerin Caster Semenya auf die Langstrecke aus – scheiterte aber erneut an der Olympia-Norm.
Caster Semenya bei ihrem ersten Qualifikationsversuch über 5000 Meter in Pretoria

Caster Semenya bei ihrem ersten Qualifikationsversuch über 5000 Meter in Pretoria

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Christiaan Kotze / AP

Die zweimalige 800-Meter-Olympiasiegerin Casta Semenya hat die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio verpasst. Semenya lief die 5000 Meter im südafrikanischen Durban in 15:32,15 Minuten – und verfehlte die Olympianorm dabei um 22,15 Sekunden. Sie verbesserte sich dabei im Vergleich zu ihrem vorherigen Versuch in Pretoria im vergangenen Monat, den sie nach 15:52,28 Minuten beendet hatte.

Die Paradedisziplin der Mittelstreckenspezialistin sind die 800 Meter, Semenya darf jedoch wegen der sogenannten »Testosteron-Regel« an internationalen Laufwettbewerben zwischen 400 und einer Meile nur starten, wenn sie ihren Testosteronspiegel durch die Einnahme von Medikamenten unter einen Grenzwert drückt – Semenya hatte mehrfach betont, keine Medikamente nehmen zu wollen. Daraufhin war sie auf andere Distanzen ausgewichen.

Schweiz muss Menschenrechtsgericht Antworten zum Fall geben

Das Schweizer Bundesgericht hatte die umstrittene Regel des Leichtathletik-Weltverbandes – heute World Athletics – zum Testosteronlimit für Mittelstreckenläuferinnen mit intersexuellen Anlagen im vergangenen Jahr bestätigt. Für den Verband gehört Semenya zu den »biologisch männlichen Athleten mit weiblichen Geschlechtsidentitäten«.

Semenya hatte im Februar angekündigt, vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Die 30-jährige Südafrikanerin wirft der Schweiz Verstöße gegen den Schutz vor Diskriminierung und herabwürdigender Behandlung sowie Missachtung ihres Privatlebens vor. Auch die Rechte der Leichtathletin auf fairen Prozess und wirksame Beschwerde seien nicht geachtet worden. Das Straßburger Gericht teilte Mitte Mai mit , die Schweiz sei Anfang des Monats über Semenyas Beschwerde informiert worden. Der Fall werde demnach vorrangig behandelt.

ngo/Reuters
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