Olympische Winterspiele in Peking Menschenrechtler bezweifeln Meinungsfreiheit für Athleten – und kritisieren das IOC

Die Olympioniken in Peking sollen sich frei äußern dürfen. Doch vor der chinesischen Gesetzeswillkür würde das IOC sie nicht ausreichend schützen, kritisieren Aktivisten. Der Verband mache sich so zum Komplizen Chinas.
Die Olympischen Winterspiele 2022 finden in Peking statt

Die Olympischen Winterspiele 2022 finden in Peking statt

Foto: David J. Phillip / dpa

Gut zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Winterspiele in Peking (4. bis 22. Februar) haben Menschenrechtsaktivisten das Internationale Olympische Komitee (IOC) für den mangelhaften Schutz der Athletinnen und Athleten vor den chinesischen Zensurgesetzen kritisiert.

Bei einem Briefing der Organisation »Human Rights Watch« forderte Rob Koehler, Generaldirektor der Athletenvereinigung Global Athlete, den Dachverband dazu auf, deutlich zu kommunizieren, wie Athletinnen und Athleten geschützt werden sollen. Anfragen dazu seien in den vergangenen Tagen unbeantwortet geblieben. »Schweigen ist Komplizenschaft«, kritisierte Koehler.

Angst vor Gesetzeswillkür

In den Statuten des IOC sei davon die Rede, dass Meinungsäußerungen mit »geltendem Recht« im Einklang stehen müssten – in China könnten kritische Worte aber schnell zu Straftaten werden. »Die chinesischen Gesetze sind sehr vage«, sagte Human Rights Watch-Forscherin Yaqiu Wang. So könnten etwa die Straftatbestände »Provokation von Unruhen« oder »Anstiftung zum Umsturz« auf unliebsame Kritiker angewandt werden.

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Die USA würden ihre Olympioniken aufgrund von Sicherheitsbedenken bereits gegen Fragen abschirmen, sagte der amerikanische Skilangläufer Noah Hoffman: »Das macht mich wütend. Ich habe Angst um ihre Sicherheit, wenn sie nach China gehen.«

China werden international immer wieder Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Der autoritär geführte Staat steht unter anderem wegen seines Umgangs mit der muslimischen Minderheit der Uiguren sowie seiner Politik gegenüber Hongkong, Taiwan und Tibet in der Kritik. In der Sportwelt hatte zuletzt der Fall Peng Shuai für Aufsehen gesorgt: Die Tennisspielerin hatte in sozialen Medien ein sexuelles Verhältnis zu einem ehemaligen hohen Regierungsbeamten öffentlich gemacht, schrieb von einem Missbrauch und war im Anschluss mehrere Wochen aus der Öffentlichkeit verschwunden.

Das IOC hatte vor den Spielen in China bekräftigt, dass Sportlerinnen und Sportler in ihrer Meinungsfreiheit nicht eingeschränkt seien, sollten sie sich in Interviews oder in den sozialen Medien zum Gastgeberland äußern wollen. Die umstrittene Regel 50 der Olympischen Charta hatte dies vormals verboten, war aber bereits vor den Sommerspielen 2021 in Tokio gelockert worden. Weiterhin untersagt sind politische Äußerungen während der offiziellen Zeremonien, während der Wettkämpfe und im Olympischen Dorf.

cev/ap