Ukraine gewinnt sieben Medaillen zum Start der Paralympics Siege für den Frieden

Dem Krieg in der Ukraine entkamen viele aus der ukrainischen Delegation nur knapp. Jetzt führt die Auswahl bei den Paralympics den Medaillenspiegel an. Es gab Tränen und Grüße in die Heimat.
Grigori Wowtschinski auf dem Weg zu Gold

Grigori Wowtschinski auf dem Weg zu Gold

Foto: ISSEI KATO / REUTERS

Die ukrainischen Athletinnen und Athleten haben am ersten Tag der Winter-Paralympics in Peking sieben Medaillen gewonnen, darunter dreimal Gold, und sich an die Spitze des Medaillenspiegels gesetzt.

Grigori Wowtschinski schossen im Ziel sofort die Tränen in die Augen. Aufgelöst nahm der Ukrainer nach seinem Goldlauf die Glückwünsche seiner geschlagenen Konkurrenten entgegen, dann stürzte sich der 33-Jährige in einen Interview-Marathon. Zuvor hatte der meistgefragte Athlet von Zhangjiakou im Biathlon-Sprint der stehenden Klasse die erste von drei Goldmedaillen für sein Heimatland gewonnen.

»Meine Goldmedaille ist für den Frieden in der Ukraine, für die Menschen in der Ukraine und für eine Welt ohne Krieg«, sagte Wowtschinski dem Sport-Informations-Dienst. Seit über einer Woche tobt in seiner Heimat ein Angriffskrieg Russlands. Viele der 20 ukrainischen Athletinnen und Athleten in Peking entkamen dem Krieg nur knapp.

»Ich denke jederzeit an den Krieg«, gab Wowtschinski zu, dann verschwand eine Träne unter seiner aufgeweichten Maske. »Es sterben viele Menschen, es ist eine Katastrophe. Bitte stoppt diesen Krieg«, sagte er. Seine Familie sei sicher, versicherte der viermalige Paralympics-Teilnehmer, der unweit der schwer umkämpften Stadt Cherson aufgewachsen ist.

Mit 20 Athletinnen und Athleten tritt die Ukraine in Peking an

Mit 20 Athletinnen und Athleten tritt die Ukraine in Peking an

Foto: Lintao Zhang / Getty Images

Wowtschinskis Sieg läutete einen Triumphzug der Ukrainer ein. Oxana Schyschkowa fuhr nur wenig später in der Sehbehinderten-Klasse der Frauen allen davon, Witali Lukianenko, Olexandr Kasik und Dmitro Suiarko sorgten bei den Männern mit einem Dreifachsieg für den Abschluss des ersten Wettkampftags der Winterspiele in China.

»Ich möchte diese Medaille den Leuten widmen, die unsere Städte schützen«, sagte Lukianenko.

In der paralympischen Bewegung erhält die Delegation der Ukraine viel Unterstützung. Nach ihrer Ankunft wurde der ukrainische Bus unter Polizeischutz in die Dörfer gebracht, bei der Eröffnungsfeier am Freitag zeigte unter anderem das deutsche Team seine Solidarität, indem die Athleten ihre Mützen abzogen und das Peace-Zeichen in die Luft streckten.

»Das ist so wichtig für die Ukraine und für mich, vielen Dank«, sagte Wowtschinski. Die Ukrainer selbst hatten vor dem Einlaufen ins Nationalstadion von Peking ein Banner mit der Aufschrift »Stoppt den Krieg! Frieden für die Ukraine« gezeigt. Einige der Delegationsmitglieder hatten dabei Tränen in den Augen, dazu stimmten sie ukrainische Lieder an.

»Wir verstehen nicht, was gerade passiert«, sagte Wowtschinski, der immer wieder von Teammitgliedern anderer Nationen geherzt wurde.

Russische und belarussische Athletinnen und Athleten wurden in dieser Woche vom Internationalen Paralympischen Komitee wegen der Invasion, für die Belarus ein wichtiger Schauplatz war, von den Spielen ausgeschlossen.

jan/sid
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