Ende der Paralympics Zum Schluss schlägt die Zensur noch einmal zu

Die Paralympics sind mit einer stimmungsvollen Schlussfeier zu Ende gegangen. Aber auch am Schlusstag zeigte sich, warum der Ausrichter China so umstritten ist.
Andrew Parsons bei der Schlussfeier der Paralympics

Andrew Parsons bei der Schlussfeier der Paralympics

Foto: PETER CZIBORRA / REUTERS

Überschattet von Ukrainekrieg und Coronapandemie sind die Paralympischen Winterspiele in Peking mit einer symbolträchtigen Abschlusszeremonie zu Ende gegangen. In seiner Rede lobte der Präsident des Internationalen Paralympischen Komitees, Andrew Parsons, die »glänzenden Leistungen der Sportler in schwierigsten Zeiten«.

Er dankte den chinesischen Organisatoren für »atemberaubende, sichere und spektakuläre Spiele«. Gastgeber China habe »Maßstäbe für alle zukünftigen Winterspiele gesetzt« und sei nun »ein paralympisches Wintersport-Powerhouse«, sagte Parsons.

Der Paralympics-Chef, der bei der Eröffnung der Spiele seiner Empörung über den Ukrainekrieg Luft gemacht hatte, gab sich zum Abschluss eher zurückhaltend. In seiner Rede im Nationalstadion Chinas erwähnte der IPC-Präsident den Ukrainekrieg nicht ausdrücklich.

Übersetzer umschifft das Wort Frieden

Die Sportlerinnen und Sportler bezeichnete er als »Champions des Friedens, deren Taten mehr als Worte sagten«. Die Spiele hätten Hoffnung geschürt auf »Inklusion, auf Harmonie und vor allem auf Frieden«. Die Menschheit wolle »in einer Welt des Dialogs leben«.

Die Schlussfeier in Peking

Die Schlussfeier in Peking

Foto: PETER CZIBORRA / REUTERS

Trotz der wenigen politischen Anspielungen wurde seine Rede in der Übersetzung des Staatsfernsehens wie bei der Eröffnung wieder zensiert, indem umschrieben sowie das Wort »Frieden« vermieden wurde. Statt »in schwierigsten Zeiten« sagte der Übersetzer, die Sportler selbst hätten »Schwierigkeiten überwunden«, was eher auf persönliche Anstrengungen abzielt. »Hoffnung auf Frieden« wurde mit »Hoffnungen, eine große Familie zu werden« übersetzt.

Die Formulierung »Champions des Friedens« fehlte völlig. Das passt dazu, dass Staatsmedien in China Wörter wie »Krieg« in der Ukraine oder »Invasion« vermeiden und wie in Russland nur von »spezieller Militäroperation« sprechen.

19 Medaillen für Deutschland

Die deutschen Teilnehmenden feierten ihr unerwartet starkes Abschneiden, nachdem sie mit 19 Medaillen so viele wie vor vier Jahren in Pyeongchang in Südkorea geholt hatten, wenn auch weniger Gold. Im Medaillenspiegel erreichte Deutschland Platz sieben.

Wegen der russischen Invasion in die Ukraine und dem eingeschränkten Leben in der hermetisch abgeriegelten Coronablase war die Stimmung während der Spiele zeitweise gedrückt. Nach heftigen Kontroversen waren die Mannschaften aus Russland und Belarus vorher ausgeschlossen worden.

Fahnenträgerin Leonie Walter bei der Schlussfeier

Fahnenträgerin Leonie Walter bei der Schlussfeier

Foto: Jens Büttner / dpa

Die erst 18-jährige Goldmedaillengewinnerin im Biathlon, Leonie Walter, trug mit ihrem Guide Pirmin Strecker die deutsche Fahne ins Stadion. Unter den ersten Athleten, die ins Stadion einzogen, waren auch zwei Mannschaftsmitglieder der Ukraine, die die gelb-blaue ukrainische Fahne schwenkten.

Das chinesische Team repräsentierte die dreifache Goldmedaillengewinnerin im Skilanglauf, Yang Hongqiong. China führt mit großem Vorsprung den Medaillenspiegel an – obwohl es zuvor nur eine einzige Medaille im Curling geholt hatte.

Wie schon bei Olympia im Februar und 2008 bei den Sommerspielen in Peking arrangierte der chinesische Starregisseur Zhang Yimou nach der Eröffnung auch die Schlusszeremonie. Die Feier fand auf einem bildschirmähnlichen Stadionboden aus LED-Lampen statt. Auf eine 55 Meter große Fläche wurde ein gigantischer Plattenspieler projiziert.

aha/dpa
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