Winterspiele in Peking Rodel-Olympiasieger Loch lehnt es ab, »Athleten den Schwarzen Peter zuzuschieben«

Rodel-Olympiasieger Loch würde einen diplomatischen Boykott der Winterspiele in Peking begrüßen. Einige Länder haben bereits angekündigt, keine politischen Vertreter zu entsenden. Die EU hat noch keine gemeinsame Linie gefunden.
Felix Loch auf der Bahn Innsbruck (Archivbild)

Felix Loch auf der Bahn Innsbruck (Archivbild)

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Alexander Hassenstein / Getty Images

Der dreimalige Rodel-Olympiasieger Felix Loch würde einen diplomatischen Boykott der Olympischen Winterspiele in Peking nach Vorbild der USA oder Großbritanniens begrüßen. Nur ein solcher diplomatischer Boykott sei aber sinnvoll, betonte der 32-Jährige in den ARD-Tagesthemen – ein Boykott durch die Sportlerinnen und Sportler hingegen nicht.

Er sei dagegen, »uns Athleten den Schwarzen Peter zuzuschieben und zu sagen, ihr müsst einen Boykott machen, damit sich dort was ändert«, sagte Loch. Viele Athleten hätten »nur einmal die Chance, zu Olympia zu fahren«, diese Chance dürfe man ihnen nicht nehmen.

Die Vergabe der Spiele nach Peking sei schon vor Jahren ein Fehler gewesen. Schon zuvor habe man gesehen, »dass sich nichts verändert beim Thema Menschenrechte« und auch beim Thema Medienfreiheit. Deswegen sei es von vornherein klar gewesen, »dass das ein bisschen schwierig« werde. »Und was wir jetzt mit Corona noch erleben, macht die ganze Sache nicht einfacher«, fügte er hinzu.

EU ringt um gemeinsame Haltung – Uno-Generalsekretär dabei

Drei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking ringt die EU weiter um eine gemeinsame Haltung zu einem diplomatischen Boykott. Es sei unverändert so, dass die Abstimmung innerhalb der Europäischen Union in dieser Frage noch laufe, sagte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Donnerstag in Berlin. »Dieser Prozess ist in jeder Hinsicht noch nicht abgeschlossen.« Das Thema könnte auch am Freitag beim EU-Außenministertreffen im französischen Brest eine Rolle spielen.

Die USA haben schon vor Wochen angekündigt, keine offiziellen Vertreter zu den Spielen vom 4. bis 20. Februar nach China zu entsenden. Australien, Kanada, Großbritannien und Neuseeland schlossen sich an. Hintergrund ist vor allem die Menschenrechtslage in dem bevölkerungsreichsten Land der Welt. Die Führung in Peking steht wegen ihres Umgangs mit den muslimischen Uiguren in der Provinz Xinjiang und den Tibetern in der Kritik, aber auch wegen der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong oder Drohungen gegen Taiwan.

Uno-Generalsekretär António Guterres wird dagegen zur Eröffnungsfeier nach Peking reisen. Das kündigte der Portugiese am Donnerstag in New York an. »Zunächst einmal sind die Olympischen Spiele ein äußerst wichtiges Ereignis, und es ist ein Event, das die Rolle des Sports symbolisiert, Menschen zusammenzubringen und den Frieden zu fördern«, sagte Guterres. Er beabsichtige daher »ohne politische Dimension« bei der Eröffnungsfeier am 4. Februar anwesend zu sein, »mit der Botschaft, dass Olympische Spiele ein Instrument für den Frieden in der Welt sein müssen«.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Innenministerin Nancy Faeser (SPD) haben bereits Ende Dezember angekündigt, dass sie nicht zu den Spielen nach Peking reisen werden. Beide machten aber deutlich, dass es sich dabei um ihre persönlichen Entscheidungen handelt, die nichts mit der politischen Grundsatzentscheidung über einen diplomatischen Boykott zu tun haben. Scholz beantwortete die Frage, ob er sich persönlich schon für oder gegen eine Reise entschieden habe, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte nicht.

ara/sid/dpa
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