Betrug im Sport Russland entlässt Chef der nationalen Antidopingagentur

Jurij Ganus ist nicht mehr Direktor der russischen Antidopingagentur Rusada. Mit seinem Kampf für sauberen Sport hatte er immer wieder für Unmut bei den eigenen Funktionären und Politikern gesorgt.
Jurij Ganus bei einer Pressekonferenz im Januar 2019

Jurij Ganus bei einer Pressekonferenz im Januar 2019

Foto: Shamil Zhumatov / REUTERS

Russland hat den Chef seiner nationalen Antidopingagentur (Rusada) Jurij Ganus entlassen. Das haben das nationale olympische und das paralympische Komitee, gemeinsam Gründer der Rusada, in einer Sitzung am Freitag beschlossen. Grund seien demnach bei einer außerordentlichen Prüfung festgestellte "erhebliche Unregelmäßigkeiten bei finanziellen und wirtschaftlichen Aktivitäten". Unter anderem soll er Urlaube als Geschäftsreisen getarnt und abgerechnet und Ausgaben von insgesamt 1,5 Millionen Dollar nicht nachvollziehbar erklärt haben. Ganus dementiert die Vorwürfe.

Russland wird von einem Skandal um staatlich gefördertes Dopingsystem erschüttert. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) hat das Land für vier Jahre für internationale Großwettkämpfe wie Olympische Spiele und Weltmeisterschaften gesperrt. Nur Sportler, die sich unabhängigen Kontrollen unterziehen, sollen als neutrale Athleten zugelassen werden. Gegen das Urteil legte Russland Berufung beim Internationalen Sportgerichtshof Cas ein. Die Anhörung dazu steht noch aus.

Die Rusada war im Zuge der Ermittlungen im November 2015 von der Wada suspendiert worden. 2017 wurde Ganus zum Generaldirektor ernannt. Die Neubesetzung war eine der Bedingungen der Wada für die Wiedereinsetzung der Rusada gewesen. Seither sorgte Ganus immer wieder für Unmut bei den eigenen Funktionären und Politikern: Mal wandte er sich per Video direkt an Präsident Wladimir Putin, um für die Wada Zugang zu einem Dopingkontrolllabor in Moskau zu fordern, mal verlangte er öffentlich den Rücktritt des gesamten russischen Leichtathletik-Trainerstabs.

Dem SPIEGEL sagte Ganus im Oktober, Russland habe womöglich noch Anfang 2019 Daten von Dopingkontrolltests aus jenem Moskauer Labor vor der Übergabe manipuliert, zu dem Wada-Experten zunächst der Zugang verwehrt wurde - obwohl dies die Bedingung dafür war, die Rusada vorläufig wieder zuzulassen. Russlands Sportminister bestritt die Vorwürfe, machte stattdessen technische Probleme verantwortlich. Im Januar entzog die Wada dem Moskauer Antidopinglabor erneut vorläufig die Zulassung.

sak/Reuters/sid
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