Turnstar Simone Biles »Ich hätte schon lange vor Tokio aufhören sollen«

Mehrere Goldmedaillen waren von ihr erwartet worden, doch bei Olympia sagte Simone Biles die meisten Turnstarts ab und sprach über mentale Probleme. Nun sagt sie, dass die Teilnahme generell ein Fehler gewesen sei.
Simone Biles im Ariake Gymnastics Centre von Tokio

Simone Biles im Ariake Gymnastics Centre von Tokio

Foto: DYLAN MARTINEZ / REUTERS

Turn-Superstar Simone Biles hätte nach eigenen Angaben aufgrund ihrer psychischen Probleme nicht an den Olympischen Spielen in Tokio teilnehmen sollen. »Wenn man sich ansieht, was ich in den letzten sieben Jahren alles durchgemacht habe, hätte ich nie wieder zu einem Olympiateam gehören dürfen«, sagte Biles dem »New York Magazine «: »Ich hätte schon lange vor Tokio aufhören sollen.«

Biles hatte bei den Spielen in Tokio den ersten Wettkamp der Mannschaft nach einem misslungenen Sprung abgebrochen und anschließend über mentale Probleme gesprochen. In der Folge sagte sie weitere Starts ab. Statt den anvisierten sechs Goldmedaillen holte sie eine silberne und eine bronzene.

Unmittelbar nach ihrem Ausstieg aus dem Teamwettkampf hatte sie unter Tränen gesagt: »Ich habe mir nicht mehr vertraut. Ich war so nervös. Das kenne ich nicht von mir.« Nun sagte Biles in dem Interview, dass der Skandal um den ehemaligen Mannschaftsarzt Larry Nassar bei ihr als Opfer von sexueller Gewalt einen hohen emotionalen Tribut gefordert habe.

Der 58-jährige Nassar verbüßt eine lebenslange Haftstrafe, nachdem er sich Ende 2017 und Anfang 2018 schuldig bekannt hatte, Frauen und Mädchen sexuell missbraucht zu haben, während er als Sportmediziner bei USA Gymnastics und der Michigan State University (MSU) gearbeitet hatte.

»Es war zu viel. Aber ich wollte nicht zulassen, dass er mir etwas wegnimmt, für das ich hart gearbeitet habe, seit ich sechs Jahre alt war«, sagte Biles: »Also habe ich das so lange verdrängt, wie mein Geist und mein Körper es mir erlaubten.«

Biles hoffe nun, dazu beitragen zu können, das Stigma rund um psychische Gesundheit zu beseitigen. »Daran werde ich wahrscheinlich 20 Jahre lange arbeiten. Es ist ein ständiger Prozess«, sagte sie.

bka/sid
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