Wegen Coronaentwicklung Olympische Spiele in Tokio finden ohne Zuschauer statt

In Japan steigen die Corona-Infektionszahlen, das hat nun Folgen für die Olympischen Spiele: Zuschauer, auch einheimische, sind bei den Wettbewerben in Tokio nicht zugelassen. Das gab es noch nie.
Das leere Olympiastadion in Tokio

Das leere Olympiastadion in Tokio

Foto: imago sport / imago images/wolf-sportfoto

Die Olympischen Spiele in Tokio werden auch ohne einheimische Zuschauer ausgetragen. Dies gaben die japanischen Gastgeber nach Beratungen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) am Donnerstag bekannt. Die Spiele in Tokio (23. Juli bis 8. August) werden damit die ersten, die für Sportfans nur am Fernseher stattfinden. »Wir hatten keine andere Wahl«, sagte Organisationschefin Seiko Hashimoto.

Ein paar Ausnahmen soll es aber geben: Anders als in der Olympia-Stadt Tokio dürfen an einigen anderen Austragungsorten der Sommerspiele in Japan einheimische Zuschauer in die Arenen. So sollen unter anderem im Miyagi-Fußballstadion in Rifu Fans auf den Tribünen zugelassen werden, wie die Organisatoren mitteilten. In der Arena trägt die deutsche Olympia-Auswahl von Trainer Stefan Kuntz ihr drittes Vorrundenspiel gegen die Elfenbeinküste und möglicherweise auch ein Viertelfinale aus.

Die Entscheidung über die konkrete Zahl der Zuschauer treffen die regionalen Behörden. Zuletzt hatten die Olympia-Macher auf bis zu 10.000 Zuschauer pro Arena gehofft, wenn dabei nicht mehr als die Hälfte der Plätze belegt ist. Erlaubt werden sollen Zuschauer auch bei einigen Wettbewerben in Fukushima, Ibaraki und Shizuoka.

In Tokio und drei Nachbarpräfekturen wurden Zuschauer dagegen wegen der Verhängung des Coronanotstandes komplett ausgeschlossen.

Zuvor hatte Japans Premierminister Yoshihide Suga einen vierten Notstand für Tokio während der Spiele angekündigt, der bis mindestens 22. August gelten soll. Grund sind gut zwei Wochen vor Beginn der Spiele erneut ansteigende Infektionszahlen durch das Coronavirus.

Wegen der Pandemie-Entwicklung waren im März bereits ausländische Zuschauer von den Spielen ausgeschlossen worden. Im Juni war dann eine Obergrenze von 10.000 Fans oder der Hälfte der Kapazität für die Wettkämpfe festgelegt worden. Nun werden gar keine Zuschauer zugelassen.

Bach in Tokio angekommen

Mit dem Notstand will die Regierung vor allem verhindern, dass Restaurants und Bars Alkohol ausschenken. Auch Karaokeevents sollen unterbunden werden, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die Bürger sollen möglichst zu Hause bleiben. Kritiker befürchten, dass die Spiele zu einem Superspreader-Event werden könnten. Japans Olympia-Macher und das IOC hatten immer wieder gesagt, dass alles »sicher« ablaufen werde.

IOC-Präsident Thomas Bach war am Donnerstag in der Olympiastadt eingetroffen und begab sich in eine dreitägige Quarantäne in einem Fünfsternehotel in der Innenstadt. Man werde Verantwortung beweisen und »alle Maßnahmen unterstützen, die für sichere Spiele für Japans Bevölkerung und die Teilnehmer nötig sind«, so Bach zu Beginn der Beratungen über die Zuschauerfrage.

Am Tag seiner Ankunft meldete die Stadtverwaltung von Tokio 896 neue Infektionsfälle. Damit liegt die Zahl der Neuinfektionen seit nunmehr 19 Tagen jeweils über dem Wert des gleichen Tages der Vorwoche.

ara/ptz/dpa/Reuters/sid
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