Deutsche Olympiabewerbung 2032 Viel Tamtam, wenig Aussichten

Nordrhein-Westfalen bereitet eine mögliche deutsche Olympiabewerbung für die Sommerspiele 2032 vor. Dabei gibt es im IOC ganz andere Pläne: Brisbane oder Doha haben deutlich bessere Chancen.
Die olympischen Ringe

Die olympischen Ringe

Foto: Lukas Schulze / DPA

Der Sportvermarkter Michael Mronz (FDP) trommelt gerade laut für die potenzielle Olympiabewerbung Nordrhein-Westfalens für die Sommerspiele 2032 (Erfahren Sie hier mehr über die Hintergründe der Initiative ). Am Montag machte sein PR-Tross in Berlin Station. Mit dabei: Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) und fast alle Oberbürgermeister der am Projekt NRW2032 beteiligten Großstädte.

Inhaltlich gab es auf dieser sogenannten Dialogveranstaltung zwar nichts Neues, ein belastbares Finanzkonzept soll laut Mronz frühestens in "sechs bis acht Monaten" vorliegen. Doch Lobbyarbeit im politischen Berlin kann nie schaden. Denn Geld für Infrastrukturprojekte muss aus der Hauptstadt kommen. "Wir haben Großes vor in NRW", sagte Laschet, "da gibt es Konsens über Parteigrenzen hinweg." Die Wettkampfstätten sollen auf 14 Kommunen verteilt werden.

Sportvermarkter Michael Mronz (links) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei der Dialogveranstaltung in Berlin am Montag

Sportvermarkter Michael Mronz (links) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bei der Dialogveranstaltung in Berlin am Montag

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Fabian Sommer / DPA

Noch ist nicht klar, ob es überhaupt eine NRW-Bewerbung für 2032 geben wird. Denn nur eine Institution entscheidet national darüber: der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB).

Die hauptamtliche DOSB-Führung, Vorstandsvorsitzende Veronika Rücker und Leistungssportchef Dirk Schimmelpfennig, hörten sich einmal mehr an, was die NRW-Vertreter zu sagen hatten. Allerdings haben Rücker und Schimmelpfennig derzeit drängendere Probleme zu bewältigen und waren vor allem wegen Verhandlungen über den neuen Bundeshaushalt in Berlin.

Zuletzt gab es nur gescheiterte deutsche Bewerbungen

Der DOSB und sein Vorgänger, das NOK, haben zuletzt nur olympische Desaster erlebt: In München und Hamburg beerdigten die Steuerzahler in Volksentscheiden die Olympiabewerbungen 2022 (Winter, München) und 2024 (Sommer, Hamburg). Zuvor hatten München (für 2018) und Leipzig (für 2004) ebenso empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Für Berlin gab es im September 1993 auf der Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) nur neun Stimmen. Sydney wurde dann zum Olympiagastgeber 2000 gekürt. Danach tagte ein Untersuchungsausschuss, der Landesrechnungshof rügte eine "Unkultur im Umgang mit öffentlichen Mitteln". Mehr als 25 Millionen Euro waren weitgehend ohne Ausschreibungen und ohne jedes Controlling verpulvert worden. Ähnlich lief das später in Leipzig.

Warum ist es gerade jetzt wichtig, an diese gescheiterten Bewerbungen zu erinnern? Zum einen, weil der organisierte Sport diese Skandale nie aufgearbeitet hat. Zum anderen, weil das Bundesinnenministerium (BMI), das auch zuständig für den Sport ist, damit beginnt, ein nationales Konzept für Großveranstaltungen zu erstellen. Andere führende demokratische Sportnationen haben das schon lange, etwa Kanada. Entstanden ist das aus der bitteren Last der milliardenschweren Schulden, die die Sommerspiele 1976 in Montreal hinterlassen hatten.

Im Bundeshaushalt für 2019 war für dieses Konzept ein Etatposten von einer Million Euro eingestellt worden. Nachdem die Sportabteilung des BMI eine Ausschreibung bis spätestens Juni 2019 versprochen hatte, ist jetzt alles anders. Nach Informationen des SPIEGEL wurde die Wirtschaftsberatungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) im Rahmen bestehender Mandate mit der Erstellung eines Grobkonzepts für das eigentliche Konzept beauftragt. Derlei Beratungsmandate stehen seit einiger Zeit in der Diskussion.

PwC entwirft Vorkonzept für Großveranstaltungen

Die ersten Mitglieder des Sportausschusses im Bundestag sowie führende Verbandsfunktionäre haben Einladungen für Interviews mit PwC erhalten. Auf Grundlage derartiger Interviews soll PwC, das im Olympiabewerbungsbusiness keine Top-Kompetenz aufweist, dem BMI bis Ende des Jahres ein Vorkonzept liefern. Es geht offenbar um eine niedrige sechsstellige Summe. 2020 soll dann erneut eine Million für die Erstellung des eigentlichen Konzepts in den Haushalt eingestellt werden.

Im BMI gibt es seit wenigen Wochen ein Referat Sportgroßveranstaltungen, geleitet von Annegret Korff. Durch dieses Referat werden nun auch bereits akquirierte Großveranstaltungen wie die Nordische Ski-WM 2021 und die Fußball-EM 2024 betreut. Bevor dieses nationale Konzept nicht vorliegt, wird es keinen formalen Beschluss für eine erneute Olympiabewerbung geben.

Sportvermarkter Michael Mronz stellte am Montag das Konzept für die Initiative in NRW vor

Sportvermarkter Michael Mronz stellte am Montag das Konzept für die Initiative in NRW vor

Foto: Fabian Sommer / DPA

Wobei die neuen Bewerbungsregeln des IOC Interessenten wie NRW - anders als bisher - erlauben, Gespräche mit der IOC-Spitze aufzunehmen. So waren Laschet, Mronz und Rücker Anfang des Jahres in Lausanne beim IOC-Präsidenten Thomas Bach (FDP).

Bach hat ebenfalls empfindliche Schlappen mit Olympiabewerbern einstecken müssen. Das Nein für Hamburg 2024 zählte dazu. Auch in der Schweiz gingen in seiner Amtszeit zwei Referenden für die Winterspiele 2026 verloren. Nachdem für die Sommerspiele 2024 nur die Interessenten Paris und Los Angeles übrig geblieben waren, vergab das IOC 2017 zwei Spiele in einem historisch einmaligen Doppelpack: Paris 2024 und Los Angeles 2028.

Zunächst propagierte Bach eine Lösung mit Nord- und Südkorea

Derzeit ermuntert Bach in aller Welt Nationen, sich zu bewerben. Es geht besonders um die Sommerspiele 2032. Nachdem er mehr als ein Jahr lang die Idee gemeinsamer Spiele in Nord- und Südkorea propagierte und sich mehrmals mit den Koreanern traf, kristallisiert sich nun ein Favorit heraus: Australien mit Brisbane und dem Bundesstaat Queensland.

An der dortigen Goldcoast fand im Mai ein olympischer Gipfel statt. Die Australier bekräftigten ihre Olympia-Absichten und waren kürzlich ebenfalls in Lausanne. Und der australische NOK-Präsident John Coates ist der wichtigste IOC-Mann an Bachs Seite, ein Multifunktionär alter Schule, auch Präsident des Welt-Sportgerichtshofs Cas und derzeit Boss der IOC-Kommission für die Sommerspiele 2020. Coates zählt zu den wenigen echten Freunden Bachs. Olympia 2032 in Queensland wäre eine Art Abschiedsgeschenk für ihn.

IOC-Präsident Thomas Bach: Dass er ein Deutscher ist, ist kein Wettbewerbsvorteil für den DOSB

IOC-Präsident Thomas Bach: Dass er ein Deutscher ist, ist kein Wettbewerbsvorteil für den DOSB

Foto: Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa

In olympischen Zirkeln gilt die Sache quasi als abgemacht. Vergangene Woche, am Rande der Vollversammlung aller Nationalen Olympiakomitees in Doha, war es auf den Kongressfluren wieder so zu hören: Die Sommerspiele 2032 finden wohl in Australien statt. Zwischenzeitlich hielt sich gar das Gerücht, das IOC könne schon 2020 darüber entscheiden - und nicht erst 2025, ginge es nach alten Regeln.

Allerdings war Bach immer flexibel. Insofern wundert es nicht, dass Scheich Saoud Al Thani, einer der wichtigsten Sportfunktionäre Katars und bis vor wenigen Wochen Botschafter in Deutschland, Gesprächspartnern erzählt, Bach ermuntere Katar immer wieder, sich erneut für Sommerspiele zu bewerben. Zweimal war Katar bislang angetreten (für 2016 und 2020), zweimal hatte das damalige IOC-Exekutivmitglied Bach nach SPIEGEL-Informationen intern für Doha Partei ergriffen. Zweimal aber sortierte die IOC-Führung Doha in der Vorrunde aus.

Mit derlei Rivalen kann sich NRW 2032 nicht messen. Es wird aber auch keinen offenen Wettbewerb mehr geben, wie es seit Anfang der Neunzigerjahre üblich war. Das IOC hat seine Regeln geändert. Im Grunde wird alles in der Führung in Lausanne entschieden. Dass dort mit Bach ein Deutscher regiert, ein bekennendes FDP-Mitglied wie NRW-Frontmann Mronz, ist kein Wettbewerbsvorteil.

Bach ermuntert die Deutschen natürlich, das ist sein Job. Denn er muss dem Milliardenkonzern IOC die Umsätze und Olympiagastgeber sichern.

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