Paralympics in Tokio Auf diese Sportlerinnen und Sportler sollten Sie achten

Die Paralympischen Spiele beginnen in Tokio. Mit dabei: zahlreiche außergewöhnliche Athletinnen und Athleten, die oft aufwühlende Schicksale erlitten und Herausragendes geleistet haben. Eine Auswahl.
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Zahra Nemati, Bogenschießen, Iran

Die 36-jährige Nemati hat ihre dritte Olympia-Goldmedaille in Serie im Blick. Als sie 2012 in London erstmals Olympiasiegerin wurde, hatte sie Historisches geleistet: Es war der erste Sieg einer Iranerin bei Paralymics oder Olympia. Vier Jahre später in Rio war sie die Fahnenträgerin ihres Landes – bei den Olympischen Spielen, an denen sie neben ihrem Paralympics-Start ebenfalls teilnahm. Dort wurde sie 33. Bevor Nemati sich 2004 bei einem Autounfall eine Wirbelsäulenverletzung zugezogen hatte, hatte sie übrigens Taekwondo betrieben.

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Irmgard Bensusan, Sprint, Deutschland

Die 30 Jahre alte Bensusan will nach drei Silbermedaillen bei den Paralympischen Spielen in Rio de Janeiro nun endlich auch Gold holen. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht: Bensusan ist amtierende Weltmeisterin. Geboren wurde sie in Südafrika. Weil ihre Nervenschädigung im Knie, die sie sich 2009 bei einem Sturz zugezogen hatte, in ihrem Heimatland nicht als Behinderung anerkannt wurde, wechselte Bensusan, die eine deutsche Mutter hat, in den deutschen Verband. Sie litt nach ihrem Sturz an Depressionen, die sie in diesem Jahr öffentlich machte.

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Liu Yutong, Para-Badminton, China

Zweifache Weltmeisterin ist Liu bereits, nun soll bei ihrem Debüt in Tokio auch noch eine Paralympische Goldmedaille dazukommen. Auf dem Weg zu diesem Ziel hat sie fachkundige Unterstützung: Der olympische Silbermedaillengewinner im Badminton von 1996, Dong Jiong, trainiert sie seit vielen Jahren. Lui hatte ihre Beine mit vier Jahren bei einem Autounfall verloren, früher hatte zunächst mit Tischtennis begonnen, später stieg sie aber auf Badminton um.

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Natalia Partyka, Tischtennis, Polen

Wenn man über erfolgreiche Tischtennisspielerinnen spricht, führt kein Weg an der 31-jährigen Polin vorbei. Seit 20 Jahren ist sie in der Spitzengruppe, gewann Gold in Athen, Peking, London und Rio de Janeiro, dazu noch diverse andere Titel bei anderen Wettbewerben. 2008 in Peking hatte sie auch an den Olympischen Spielen teilgenommen. Bei ihrem Debüt 2000 in Sydney war sie mit elf Jahren zur jüngsten Paralympics-Teilnehmerin der Geschichte geworden. Sie ist die aktuelle Weltranglistenerste in ihrer Klasse.

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Niko Kappel, Kugelstoßen, Deutschland

Niko Kappel wird der »Außenminister des DBS« (Deutscher Behindertensportverband) genannt – einerseits wegen seines Mandats als Athletensprecher, andererseits wegen seiner politischen Tätigkeit: Er sitzt für die CDU im Gemeinderat seines Geburtsorts Welzheim in Baden-Württemberg. Der 26-Jährige reist als amtierender Olympiasieger nach Tokio, bei der WM 2019 in Dubai holte er Silber. Kappel hatte sich im vergangenen Jahr deutlich für eine Verschiebung der Paralympics ausgesprochen.

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Markus Rehm, Weitspringer, Deutschland

Er wird wegen seiner Prothese der »Bladejumper« genannt und gilt als Goldmedaillen-Garantie im deutschen Paralympics-Team. Rehm kämpfte lange Zeit – am Ende erfolglos – um einen Start bei den Olympischen Spielen und zeigte sich enttäuscht über die Absage, die er letztlich vom Sportgerichtshof kassierte. Rehm will in Tokio seinen in diesem Jahr aufgestellten Rekord von 8,62 Metern verbessern. Übrigens: Mit dieser Weite wäre er Olympiasieger geworden. Der Grieche Miltiadis Tentoglou war 8,41 Meter weit gesprungen.

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Jessica Long, Schwimmen, USA

Long, die keine Unterschenkel mehr hat, ist ein Star der paralympischen Schwimmszene und gilt als beste Schwimmerin mit Behinderung der Geschichte. Bei ihrem Debüt 2004 in Athen gewann sie im Alter von nur 12 Jahren drei Goldmedaillen und stellte danach viele Weltrekorde auf. In vier Paralympics holte sie 13 Siege, feierte 23 Medaillen insgesamt und ist damit eine der erfolgreichsten Athletinnen der Paralympischen Spielen. Long war als Tatiana Olegovna Kirillova in Russland geboren worden, wurde aber mit 13 Monaten aus einem Waisenhaus von einer US-amerikanischen Familie adoptiert. Ihre Lebensgeschichte wurde in diesem Jahr einer breiteren Öffentlichkeit bekannt: Sie war Thema einer Toyota-Werbung beim Super Bowl 2021.

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David Smith, Boccia, Großbritannien

An David Smith hätte der große Boule-Freund Konrad Adenauer mutmaßlich seine Freude gehabt: Der Brite ist nämlich ein herausragender Bocciaspieler und startet in Tokio bei seinen vierten Paralympischen Spielen. In Rio wurde er Olympiasieger, insgesamt hat er vier Medaillen gewinnen können. Ebenfalls bemerkenswert ist seine unglaubliche Siegesserie: Von 2004 bis 2016 war er bei Landeswettbewerben in England und Großbritannien nicht besiegt worden, stellte mehr als zwei Dutzend Landesrekorde auf. Seit 2016 konzentriert er sich auf seine internationale Karriere. Smith hat einen Abschluss in Raumfahrttechnik.

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Oksana Masters, Handbike, USA

Masters, die mit Fehlbildungen an den Schienbeinen geboren wurde, ist ein Multitalent. Bei den Paralympischen Winterspielen hat sie 2018 in Pyeongchang bereits zwei Goldmedaillen im Skilanglauf gewonnen, bei den Sommerspielen 2012 zudem Bronze im Rudern. Ihr Ziel ist es, in den exklusiven Klub der Sommer-Winter-Sieger zu kommen. Allerdings versucht sie es nicht wieder im Ruderboot, sondern mit dem Handbike. Masters hatte vor ihrer Adoption bis zu ihrem siebten Lebensjahr in einem ukrainischen Waisenhaus in der Nähe eines Atomkraftwerks gelebt. Laut dem britischen »Guardian« sind einige ihrer Behinderungen auf eine Strahlenvergiftung zurückzuführen.

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Shingo Kunieda, Rollstuhltennis, Japan

Wegen eines Rückenmarktumors sitzt Kunieda seit seinem neunten Lebensjahr im Rollstuhl. In Tokio, seiner Heimatstadt, wurde er als Kapitän der größten japanischen Paralympics-Delegation der Geschichte ausgewählt. Der dreimalige Goldmedaillengewinner (zweimal Bronze) hofft auf Inspiration für die Bevölkerung: »Ich hoffe, dass viele Kinder in Japan, unabhängig davon, ob sie eine Behinderung haben oder nicht, die unendlichen Möglichkeiten der Menschheit spüren können, indem sie Parasport sehen.«

Foto: Toru Hanai / Getty Images for International Paralympic Committee
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Anna Normann, Schießen, Schweden

Normann ist Angehörige der schwedischen Armee und verletzte sich bei einem Trainingsunfall, als sie ihren Knöchel brach. Sie hatte eine Radiostation hinaufklettern wollen, fiel herunter, der Fuß war aber noch in der Treppe eingeklemmt. Trotz fünf Operationen konnte sie die Funktion des Gelenks nicht wiederherstellen. Während ihrer Arbeit bei der Luftwaffe hatte sie übrigens geholfen, den Luftraum während der Olympischen Spiele 2012 in London zu sichern. Seit ihrem Para-Debüt 2018 und hofft nun bei ihren ersten Paralympics auf eine Medaille. Die Chancen stehen nicht schlecht: Beim World Para Shooting Sport Grand Prix im Juli hatte sie dreimal Gold geholt.

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