Niederländischer Radsportstar »Immer wieder müde« – Ex-Girosieger Dumoulin kündigt Karriereende an

Weltmeister, Sieger des Giro d'Italia: Tom Dumoulin ist der größte Star des niederländischen Radsports. Aber seine Karriere beendet er vorzeitig – wegen zu großer Erschöpfung.
Radstar Tom Dumoulin

Radstar Tom Dumoulin

Foto: ANP / IMAGO

»Mein Körper hat sich immer wieder müde angefühlt und fühlt sich immer noch müde an«: Der niederländische Radstar Tom Dumoulin hat überraschend seinen Rücktritt zum Jahresende erklärt. Der 31-Jährige, Giro-Sieger und Zeitfahrweltmeister von 2017, leidet nach eigenen Angaben unter anhaltender körperlicher Erschöpfung.

Bereits Anfang 2021 hatte der Profi vom Team Jumbo Visma wegen mentaler Probleme eine Auszeit genommen. Nach seiner Rückkehr hatte er zum zweiten Mal Olympiasilber im Zeitfahren.

»Sobald die Trainingsbelastung höher wurde, habe ich unter Ermüdung und Verletzung gelitten, anstatt mich zu verbessern. Seit einiger Zeit existiert ein Missverhältnis zwischen meiner 100-prozentigen Hingabe, allem, was ich für diesen Sport opfere, und dem, was ich zurückerhalte«, teilte er in einem Statement mit.

Zeitfahr-Weltmeister Tom Dumoulin

Zeitfahr-Weltmeister Tom Dumoulin

Foto: Tim De Waele / Getty Images

Mit seinem Team will Dumoulin, erster und einziger niederländischer Sieger einer großen Landesrundfahrt seit dem Tour-Triumph von Joep Zoetemelk 1980, nun einen Plan für die kommenden Monate erstellen. Ein großes Ziel seien weiter die Weltmeisterschaften in Australien im September.

»Ein Schatten meiner selbst«

Auf die Pause im vergangenen Jahr nahm Dumoulin in seinem Statement noch einmal Bezug. »Ich war Ende 2020, Anfang 2021 ein Schatten meiner selbst und musste mir über meine Zukunft klar werden«, schrieb er: »Ich habe mich entschieden, meine Karriere fortzusetzen, einerseits weil ich eine große Leidenschaft für das Radfahren empfinde, andererseits, weil Olympia so lange in meinem Fokus stand.«

Als er im Januar 2021 seine Auszeit bekannt gab, zeigte sich Dumoulin immens niedergeschlagen. »Ich habe es jedem recht machen wollen, wollte, dass mein Team, meine Teamkollegen, die Sponsoren, meine Familie glücklich sind. Dabei habe ich mich selbst etwas vergessen«, sagte er damals. »Die Frage, was ich selbst will, ob ich überhaupt noch Radprofi sein will, hat sich mir in den letzten Monaten immer wieder gestellt, und ich habe keine Zeit dafür gefunden, sie zu beantworten.«

Dumoulin hatte 2011 als Profi debütiert, bei großen Landesrundfahrten gewann er neun Etappen und beendete Tour, Giro sowie Vuelta jeweils unter den Top 10. Sein bestes Ergebnis bei der Frankreich-Rundfahrt war Platz zwei (2018).

Im Dunstkreis der Dopingermittlungen in der sogenannten Operation Aderlass um den deutschen Mediziner Mark Schmidt war 2020 auch der Name Dumoulins aufgetaucht.  Es kam aber nie zu einem konkreten Verdacht.

aha/sid
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