Radsportverband soll Proben selbst ausgewertet haben Wada ermittelt offenbar gegen britische Anti-Doping-Agentur

Die britischen Radsportler dominierten bei den Olympischen Spielen 2012. Die britische Anti-Doping-Agentur soll dem Verband damals erlaubt haben, Dopingproben selbst auszuwerten. Die Weltagentur ist alarmiert.
Bradley Wiggins gewann bei den Olympischen Sommerspielen 2012 die Goldmedaille im Einzelzeitfahren

Bradley Wiggins gewann bei den Olympischen Sommerspielen 2012 die Goldmedaille im Einzelzeitfahren

Foto: CHRISTOPHE ENA/ AFP

Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada hat Ermittlungen gegen die britische Anti-Doping-Agentur Ukad aufgenommen. Das berichten die Zeitung »Mail on Sunday « und die »BBC «. Im Mittelpunkt der Vorwürfe steht dabei der erfolgreiche britische Radsportverband, dem die Ukad vor den Olympischen Spielen 2012 erlaubt haben soll, Dopingproben der Athletinnen und Athleten in privaten Laboren selbst auszuwerten. Zuvor soll eine Dopingprobe von 2010 einen erhöhten Nandrolonwert aufgewiesen haben.

»Wir haben unsere unabhängige Ermittlungsabteilung gebeten, diese Angelegenheit weiter zu untersuchen und die Ukad zu kontaktieren, um weitere Informationen zu erhalten«, sagte ein Wada-Sprecher der »Mail on Sunday«. Jede Behauptung, dass ein nationaler Verband seine Sportler »privat in einem nicht akkreditierten Labor auf verbotene Substanzen testen lässt, sollte gründlich untersucht werden«.

Die Ukad versicherte auf Anfrage der Zeitung, die Wada bei der Aufklärung der Vorwürfe zu unterstützen. »Wir arbeiten mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) zusammen, um Behauptungen im Zusammenhang mit privaten Tests zu untersuchen, die British Cycling im Jahr 2011 durchgeführt hat«, sagte ein Sprecher der Agentur.

Britische Radsportler dominierten bei Olympia

Der Verband British Cycling war bei den Sommerspielen 2012 in London mitverantwortlich für das beste Ergebnis britischer Olympiasportler. Von den insgesamt 65 Medaillen gewannen die Radsportler zwölf, acht davon in Gold. Als Teamarzt fungierte damals Richard Freeman, der Mitte März in einem Dopingprozess um eine ominöse Testosteron-Bestellung schuldig gesprochen wurde.

Freeman hatte sich in 18 von 22 Anklagepunkten schuldig bekannt, blieb aber bei seiner Behauptung bezüglich der vorgesehenen Verwendung der mit Testosteron versetzten Gels. Er habe die Mittel für Shane Sutton bestellt. Der einstige Sportdirektor des Verbandes und Trainer des Teams Sky, heute Ineos, leide unter Erektionsstörungen. Sutton hatte das bestritten.

»Das Gericht hat festgestellt, dass Dr. Freeman das Testogel in dem Glauben oder Wissen bestellt und empfangen hat, dass es einem Athleten zur Steigerung der Leistung verabreicht wird«, hieß es vonseiten des Gerichts. Für wen Freeman das Gel bestellt hat, ist aber weiter unklar.

mjm/sid/Reuters
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