Zum Start der Spanienrundfahrt Jumbos Angriff

Das Radsportteam Jumbo-Visma will die Allmacht von Team Ineos brechen, Toptransfer Tom Dumoulin soll dabei helfen. Bei der Vuelta setzt die Mannschaft aber auf einen ehemaligen Skispringer.

Primoz Roglic (M.) soll bei der Vuelta den Angriff von Jumbo-Visma auf Branchenprimus Inoes anführen
Tim de Waele/ Getty Images

Primoz Roglic (M.) soll bei der Vuelta den Angriff von Jumbo-Visma auf Branchenprimus Inoes anführen

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Primoz Roglic muss Verständnis haben. Und das hat er natürlich auch, genauso wie Steven Kruijswijk, das zumindest sagt ihr Chef. "Wir haben ausgiebig mit unseren Anführern Primoz und Steven gesprochen", erklärte Richard Plugge, Teamchef von Jumbo-Visma, der niederländischen Tageszeitung "Telegraaf": "Beide erkennen, dass die Verpflichtung von Tom Dumoulin eine Verstärkung ist."

Mit dem "Schmetterling von Maastricht", wie Dumoulin genannt wird, kommt zur neuen Saison einer der besten Rundfahrer der Welt. 2017 gewann er die Giro d'Italia, 2018 wurde er in Italien und bei der Tour de France Zweiter. Das Vorstellungsvideo, das den Transfer offiziell macht, geriet dann aber doch etwas pathetisch. "Wir haben einen Traum - das größte Radrennen der Welt zu gewinnen", hieß es da: "Willkommen, Tom. Gemeinsam verfolgen wir unseren Traum."

Die Betonung liegt auf gemeinsam. Denn mit Roglic und Kruijswijk hat Jumbo-Visma bereits zwei sehr gute Klassementspezialisten, die große Rundfahrten gewinnen könnten. In diesem Jahr wurde Roglic Dritter bei der Giro, Kruijswijk Dritter bei der Tour. Mit Dumoulin könnten sie ab 2020 ein wattstarkes Trio bilden - vorausgesetzt, keiner fühlt sich degradiert.

"Wir können jetzt das stärkstmögliche Team zusammenstellen, um gegen eine Mannschaft wie Ineos zu kämpfen", sagte Teamchef Plugge mit Blick auf die Briten, die fünfmal hintereinander die Frankreichrundfahrt gewonnen haben. Doch bis zur nächsten Tour ist es noch fast ein Jahr hin, die Saison ist noch nicht einmal vorbei. Mit der am Samstag beginnenden Vuelta a España steht noch die letzte Grand Tour des Jahres auf dem Programm - ohne Dumoulin, der nach der Tour de France auch die Spanienrundfahrt verletzt verpassen wird, aber mit Kruijswijk und Roglic.

"Es ist nicht nur unser Ziel, die Tour zu gewinnen", sagte Plugge. "Beginnend mit der Vuelta zielen wir bei allen Grand Tours auf den Gesamtsieg." Im Idealfall soll also im September der Vuelta-Sieg eine neue Ära im niederländischen Radsport begründen. Ein Ziel, von dem die Mannschaft zu Beginn des Jahrzehnts nur hätte träumen können. Damals hieß sie noch Team Rabobank. Der Sponsor zog sich nach dem Dopingfall Armstrong zurück. Später übernahmen die niederländische Lottogesellschaft und die Supermarktkette Jumbo die Lizenz.

Das Budget ist groß, aber nicht groß genug

Kruijswijk fuhr schon zu Rabobank-Zeiten für das Team, Roglic und weitere Fahrer wie Sprinter Dylan Groenewegen oder die vielversprechenden Klassikerspezialisten Wout van Aert und Mike Teunissen wurden erst nach und nach verpflichtet. So stellte sich Jumbo-Visma ein Topteam zusammen, das bei der Tour vier Etappen gewann und mit Kruijswijk auf das Podium fuhr.

Dass die Planung über die Zeit von Roglic, Kruijswijk und Dumoulin hinausgeht, zeigen die Transfers, die nach dem Dumoulin-Coup bekanntgegeben wurden. 13 Fahrer, alle jünger als 20 Jahre, verpflichtete Jumbo-Visma für sein neues Entwicklungsteam, aus dem die Stars der Zukunft es zu den Profis schaffen sollen. Ab 2020 geht die Jugendmannschaft an den Start.

So vielversprechend die Entwicklung ist, die finanziellen Mittel bleiben begrenzt. Zwar hat der Chef der Supermarktkette Jumbo im "Telegraaf" angekündigt, das Budget des Teams werde im kommenden Jahr auf 20 Millionen Euro angehoben, doch er selbst weiß: "Damit sind wir immer noch weit entfernt von den finanzstärksten Mannschaften der WorldTour." 20 Millionen Euro sind zwar mehr, als die meisten Teams ausgeben können, aber lediglich die Hälfte von dem, was Branchenprimus Ineos zur Verfügung haben soll.

Roglic kam erst mit 22 Jahren zum Radsport

Dennoch will Jumbo-Visma den Radsport-Riesen angreifen. Ein Sieg bei der Vuelta wäre ein Stoß ins Jagdhorn. Die besten Chancen darauf dürfte Roglic haben. Er war nicht bei der Tour de France am Start und ist ausgeruhter als Kollege Kruijswijk. Wahrscheinlich werden sich die Niederländer also auf den Slowenen als Kapitän konzentrieren.

Roglic hat eine ungewöhnliche Karriere hinter sich. Als seine Leistungen als Skispringer in Folge eines Sturzes auf der Schanze von Planica stagnierten, wand er sich im Alter von 22 Jahren dem Radsport zu. Durch seine Statur, sein geringes Gewicht und eine hohe Sauerstoffaufnahme brachte er ideale Voraussetzungen mit, um ein ausgezeichneter Bergfahrer zu werden. Eine Stärke, die ihn angesichts der sieben schweren Gebirgsetappen bei der Vuelta zum Mitfavoriten macht. Gleich am ersten Tag könnte er nach dem Mannschaftszeitfahren das Maillot Rojo übernehmen, in der Disziplin ist Jumbo-Visma stark, auch dank des Deutschen Tony Martin.

Primoz Roglic feiert seinen Etappensieg bei der Giro - als wäre eine Landung beim Skisprung
Justin Setterfield/ Getty Images

Primoz Roglic feiert seinen Etappensieg bei der Giro - als wäre eine Landung beim Skisprung

Seine Siege bejubelt Roglic mit einem Telemark, dem Ausfallschritt bei der Landung im Skispringen. Ob er ihn in Madrid setzen kann, hängt auch von der Konkurrenz ab. Das spanische Movistar-Team ist bei seinem Heimrennen mit Nairo Quintana und Giro-Sieger Richard Carapaz stark aufgestellt, auch Astana mit Jakob Fuglsang könnte aufs Podium fahren. Team Ineos dagegen bringt mit dem Niederländer Wout Poels und dem Briten Tao Geoghegan Hart zwei Außenseiter an den Start.

Für Roglic könnte die Vuelta in Abwesenheit von Dumoulin eine Chance sein, sich noch mal zu profilieren. Im kommenden Jahr gehen sie dann auf Ineos-Jagd.



insgesamt 4 Beiträge
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Seite 1
spon_3708724 24.08.2019
1. Wenn ich Gift in Kekse mische sind auch Kekse tötlich
Das scheint mir so die Argumentation zu sein. Die e-Zigarette selber ist ganz sicher nicht tötlich. Was aber gefährlich sein kann ist ein Wirkstoff wie THC oder Aromen auf die jemand allergisch reagiert. Immerhin inhaliert man den Dampf sehr tief und die Wirkstoffe gehen in der Lunge gut ins Blut über. Also muss man hier wohl eher den schuldigen suchen. Welchen Stoff haben sich die Betroffenen in ihr Liquid gemischt? Warum sind bisher nur Menschen in den USA betroffen? Und man MUSS das in ein Verhältnis setzen zu den Gefahren, die man sich durch Rauchen aussetzt. In der gleichen Zeit wo in den USA einige hundert Menschen durch E-Zigaretten krank wurden (mutmaßlich durch gefährliche/illegale Beigaben im Liquid) sind tausende ernsthaft krank geworden durch völlig legale Zigaretten und hunderte sind durch COPD oder Krebs als Folge des Rauchens gestorben.
staublungenmessias 24.08.2019
2. Carapaz nicht am Start
Es ist seit einigen Tagen bekannt, dass Richard Carapaz wegen einer Schulterverletzung nach Trainingssturz nicht teilnehmen kann. Außerdem - mich stören die vielen Rechtschreib- und Grammatikfehler bei SPON - hier z.B: es muss 'er wandte sich dem Sport zu', nicht 'er wand sich zu'.
indigohh 24.08.2019
3. Thema verfehlt?
Zitat von spon_3708724Das scheint mir so die Argumentation zu sein. Die e-Zigarette selber ist ganz sicher nicht tötlich. Was aber gefährlich sein kann ist ein Wirkstoff wie THC oder Aromen auf die jemand allergisch reagiert. Immerhin inhaliert man den Dampf sehr tief und die Wirkstoffe gehen in der Lunge gut ins Blut über. Also muss man hier wohl eher den schuldigen suchen. Welchen Stoff haben sich die Betroffenen in ihr Liquid gemischt? Warum sind bisher nur Menschen in den USA betroffen? Und man MUSS das in ein Verhältnis setzen zu den Gefahren, die man sich durch Rauchen aussetzt. In der gleichen Zeit wo in den USA einige hundert Menschen durch E-Zigaretten krank wurden (mutmaßlich durch gefährliche/illegale Beigaben im Liquid) sind tausende ernsthaft krank geworden durch völlig legale Zigaretten und hunderte sind durch COPD oder Krebs als Folge des Rauchens gestorben.
...hier geht es um Radsport.
Prussia Culé 24.08.2019
4. Tour-Kader 2020
Es wird interessant sein, wie Jumbo-Visma den Tour-Kader aufstellt. Für die vergangene Tour hatte man für Kapitän Kruijswijk mit Bennett und De Plus nur 2 echte Helfer für Bergetappen. Grøndahl Jansen ist eher ein Klassikerfahrer, Theunissen war Groenewegens Lead-Out-Man und Martin und Van Aert waren für das Teamzeitfahren bzw. letzterer für hügelige Etappen da. ----- Bei aller Stärke von Roglic, Dumoulin und Kruijswijk brauchen sie ebenso Helfer. Am ehesten wären das wieder Laurens De Plus und George Bennett, oder Antwan Toelhoek - das wären schon mal 5 Fahrer in einem 8er Aufgebot. Falls man nicht auf Groenewegen verzichten möchte, bräuchte er mindestens einen Fahrer, der ihn durch das Sprintfinale pilotieren müsste. Es sei denn man sagt ihm, dass man ihn zwar zur Tour mitnehmen werde, er dann aber in den Sprints auf sich allein gestellt sei - so wie es eigentlich Team Sunweb mit Michael Matthews vorhatte, bevor klar war, dass Dumoulin die Tour nicht fahren könne. Was fehlt? Fahrer, die man im Flachen und in einem möglichen Teamzeitfahren braucht. Martin, Van Aert oder Van Emden. ----- Ein starkes Siegerteam hat Jumbo-Visma schon. Das schwierige wird sein, die Balance in den Kader zu finden - will man nur Gelb oder auch Etappensiege im Sprint?
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