Streit um Sportförderung »Wenig Ahnung« – Ruder-Weltmeister Zeidler attackiert Verbandsspitze

Sportlich wurden die Europameisterschaften in München für den deutschen Ruderverband zur Enttäuschung, doch auch abseits des Wassers gab es einige Misstöne. Oliver Zeidlers Kritik an der Führung fiel vernichtend aus.
Oliver Zeidler auf der Regattastrecke in München

Oliver Zeidler auf der Regattastrecke in München

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Alexander Hassenstein / Getty Images

Ruder-Weltmeister Oliver Zeidler hat nach den Europameisterschaften in München die sportliche Führung im Deutschen Ruderverband mit harten Worten attackiert.

»Wenn man nach meiner Kritik an der Professionalität im Leistungsrudersport einfach sagt, dass man nicht weiß, worüber man spricht, dann ist das auch so ein Indiz dafür, dass einerseits der deutsche Sportdirektor vom Sport wirklich wenig Ahnung hat und zweitens unsere beiden Leitungspositionen im Rudersport eigentlich überhaupt keine Ahnung haben, was bei unseren Stützpunkten abgeht«, sagte Zeidler.

Zeidler verpasste eine Medaille – 50 Jahre nach dem Olympiasieg seines Großvaters

Bei der enttäuschenden EM hatte der Deutsche Ruderverband in den olympischen Bootsklassen nur Bronze durch die erst 20-jährige Alexandra Föster im Einer gewonnen. Der als Topfavorit gestartete Zeidler lag im Finale bis kurz vor dem Ziel noch in Führung, wurde dann jedoch noch von drei Konkurrenten überholt und wurde nur Vierter. Damit verpasste es der gebürtige Dachauer, 50 Jahre nach seinem Großvater Hans-Johann Färber, der bei den Olympischen Spielen 1972 triumphiert hatte, ebenfalls Gold auf der Regattastrecke zu holen.

Schon vor den Titelkämpfen hatte Zeidler Kritik geübt. »Wir haben aber auch im Deutschen Ruderverband niemanden, der diese Ahnung hat vom Leistungssport. Es wird Zeit, dass da jetzt Verantwortung übernommen wird«, hatte er gesagt. Bundestrainerin Brigitte Bielig hält die harsche Kritik für überzogen.

»In Teilen hat er recht, aber insbesondere den Vorwurf der Unprofessionalität halte ich für viel zu hart. Mit seiner Art der Kritik macht er uns als Verband das Leben nicht leichter«, hatte sie gesagt. In Oberschleißheim kündigte sie »individuelle Gespräche« mit Zeidler an. »Ich denke, wir werden uns auf einem guten Weg wieder finden«, sagte sie – bevor Zeidler seine neue Kritik äußerte.

Zeidler machte ein Kommunikationsproblem aus. Wenn man mit den Athleten nicht rede, baue man auch keine Beziehung zu diesen auf. »Ich habe die Wahrheit gesagt. Ich muss sagen, die Reaktion von unserer Bundestrainerin und unserem Sportdirektor, einfach gegen sämtliche Argumente von mir Nein zu sagen, ist halt einfach kein Umgang mit Kritik, die ich geäußert habe«, sagte er.

ara/dpa
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