Fide-Präsident Dworkowitsch Ein Russe bleibt der mächtigste Mann im Schach

Weltverbandschef Arkadi Dworkowitsch war Teil der russischen Regierung. Seit Beginn von Putins Krieg gegen die Ukraine gibt es Kritik. Trotzdem wurde er nun wiedergewählt – und setzte sich gegen einen Ukrainer durch.
Fide-Präsident Arkadi Dworkowitsch

Fide-Präsident Arkadi Dworkowitsch

Foto: Evgenia Novozhenina / REUTERS

Arkadi Dworkowitsch bleibt Präsident des Schach-Weltverbandes Fide. Der 50 Jahre alte Russe, der von 2000 bis 2018 der russischen Regierung angehörte, wurde am Sonntag im indischen Chennai mit einer klaren Mehrheit von 157:16 Stimmen für vier weitere Jahre im Amt bestätigt.

Dworkowitsch gilt als umstritten. Ihm wird eine Nähe zu Russlands politischer Elite nachgesagt. Von Mai 2012 bis 2018 war er einer der stellvertretenden Ministerpräsidenten in der Regierung, zuvor Berater des damaligen russischen Präsidenten Dmitrij Medwedew. Damit gehörte Dworkowitsch zum Machtzirkel von Wladimir Putin.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Deutsche Schachbund (DSB) hatte sich für einen Neuanfang beim Weltverband und die Kandidatur des Ukrainers Andrej Baryschpolez starkgemacht. Der 31 Jahre alte Großmeister stehe »glaubwürdig für einen Neuanfang bei der Fide. Das Zurückdrängen russischer Einflussnahme im internationalen Schach sowie eine transparente und offene Verbandsführung sind Anliegen, die unsere volle Unterstützung finden«, hatte DSB-Präsident Ullrich Krause gesagt.

»Du bist verantwortlich für den Aufbau der russischen Kriegsmaschinerie.«

Der ukrainische Gegenkandidat Andrej Baryschpolez über Arkadij Dworkowitsch

Dworkowitschs Ablösung war aber nur von wenigen Verbänden gefordert worden. Neben der Ukraine und Deutschland kamen solche Stimmen unter anderen noch aus Skandinavien und dem Baltikum. Der englische Verband hatte Dworkowitsch im April zum Rücktritt aufgefordert .

Gegenkandidat Baryschpolets hatte vor der Wahl am Sonntag auf die »enormen Verbindungen« seines Kontrahenten zur russischen Regierung hingewiesen. »Du bist verantwortlich für den Aufbau der russischen Kriegsmaschinerie«, sagte er zu Dworkowitsch. Der wehrte sich gegen die Vorwürfe. Er habe »eine starke Position zu den tragischen Ereignissen in der Ukraine eingenommen«, erwiderte Dworkowitsch.

Kremlsprecher nennt die Wahl eine »sehr gute Nachricht«

Tatsächlich hatte er im März im Interview mit der US-Nachrichtenseite »Mother Jones« Russlands Invasion als Krieg bezeichnet, was in Russland eine Straftat ist, und Mitleid mit der ukrainischen Zivilbevölkerung gezeigt. Nach einer heftigen Reaktion des Kreml  schien Dworkowitsch jedoch zurückzurudern. Im Aufsichtsrat des russischen Schachverbandes sitzt er noch immer gemeinsam mit Kremlsprecher Dmitri Peskow und Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

Peskow bezeichnete die Wiederwahl Dworkowitschs laut russischen Medien als »sehr gute Nachricht«. Dworkowitsch kandidierte zusammen mit dem indischen Ex-Weltmeister Viswanathan Anand, der nun sein Stellvertreter ist.

Sport ist in Putins Russland Teil der Propaganda . Das zeigte auch die Aussage des russischen Verbandschefs Andrej Filatow. Der »brillante Sieg« Dworkowitschs sei ein Beweis, »dass Russland in der Welt nicht isoliert ist«, sagte Filatow.

»Soft Power« für Russland

Kritik an Dworkowitsch gab es zuletzt auch von Peter Heine Nielsen, Cheftrainer des norwegischen Schachkönigs Magnus Carlsen. Nielsen schrieb im April, dass auch Dworkowitsch »Soft Power« für sein Heimatland ausübe und fordert ein Umdenken: »Schach muss sich von Russland unabhängig machen, in unserem eigenen Interesse und aus moralischer Verpflichtung.«

Dworkowitsch (l.) mit Ministerpräsident Dmitrij Medwedew (M.) und Präsident Wladimir Putin bei den Winterspielen in Sotchi 2014

Dworkowitsch (l.) mit Ministerpräsident Dmitrij Medwedew (M.) und Präsident Wladimir Putin bei den Winterspielen in Sotchi 2014

Foto: MIKHAIL KLIMENTYEV/ AFP

Nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine hatte die Fide die 44. Schach-Olympiade von Russland ins indische Chennai verlegt und russische Teams davon ausgeschlossen. Russische Schachspieler dürfen nur noch unter der Flagge der Fide antreten. Zudem wurde der frühere WM-Herausforderer Sergej Karjakin wegen Unterstützung für die russische Invasion für sechs Monate gesperrt.

mey/dpa/sid
Mehr lesen über Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.