Partie gegen Niemann nach einem Zug aufgegeben Schachweltmeister Carlsen sorgt für nächsten Eklat

Der Skandal um Magnus Carlsen und Hans Niemann geht in die nächste Runde: Bei einer Onlinepartie stieg der Schachweltmeister nach einem Zug aus. Eine Expertin spricht von einer »Hexenjagd« gegen Niemann.
Magnus Carlsen am Schachbrett: Eklat auch online

Magnus Carlsen am Schachbrett: Eklat auch online

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YOSHUA ARIAS / EPA

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen löste einen Eklat aus, als er Anfang September nach einer überraschenden Niederlage gegen den 19 Jahre alten Hans Niemann plötzlich aus einem Turnier ausstieg, ohne Erklärung. Über Niemann ergossen sich im Internet Betrugsvorwürfe, ohne Beweise. Nun schaute die Schach-Welt mit Spannung auf das erneute Aufeinandertreffen der beiden bei einem Online-Turnier – und wurde Zeuge des nächsten Eklats.

Niemann mit den weißen Figuren zog seinen Bauern zu Beginn der Schnellschachpartie auf d4. Carlsen machte einen Springerzug, Niemann antwortete mit der nächsten Bauernbewegung – und Carlsen gab einfach auf und kappte dann offenbar auch seine Videoverbindung. Wie in einem Clip zu sehen ist, blickt Niemann genervt in seine Kamera.

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Die Reaktionen auf Carlsens Verhalten fallen überrascht und kritisch aus. Großmeister Péter Lékó sagte in einer Übertragung der Partie, er sei »sprachlos«. Und der britische Großmeister David Howell kommentierte: »Es sind einfach bizarre, bizarre Zeiten.«

Als Carlsen sich Anfang September nach der unerwarteten Niederlage gegen Niemann überraschend aus dem Präsenzturnier in St. Louis verabschiedet hatte, hatte er sich nicht öffentlich zu seinen Beweggründen geäußert. Im Internet aber kochten, angeheizt durch Streamer-Star und Großmeister Hikaru Nakamura die Spekulationen hoch, Niemann habe wohl betrogen . Beweise dafür gibt es nicht. Niemann hat stets versichert, nicht betrogen zu haben. Experten gehen anhand von Partieanalysen  davon aus, dass Niemann keine Computerhilfe hatte.

Carlsen schwieg in der Öffentlichkeit zu den Beweggründen für sein Ausscheiden. Deswegen war auch unklar, wie Carlsen nun in die Online-Partie gegen Niemann gehen würde. Dass er die Partie nun so schnell aufgab, treibt die Spekulationen erneut an. Warum will der Weltmeister nicht gegen den 19 Jahre alten US-Amerikaner spielen?

Die Internationale Meisterin Jovanka Houska kritisierte Carlsen dafür, dass er nicht öffentlich Stellung beziehe. Er könne sich nicht so verhalten, sagte sie bei »chess24« : »Er kann nicht einfach sagen: ›Ja, ich glaube, du hast betrogen‹ und eine Hexenjagd beginnen. Er muss sagen: ›Das ist mein Beweis‹.«

Der Präsident des Berliner Schachverbands Paul Meyer-Dunker twitterte: »Anstatt sich zu äußern, beschließt Magnus Carlsen, Hans Niemann auf eine Art und Weise unter den Bus des Internetmobs zu werfen, die es ihm unmöglich macht, sich fair dagegen zu wehren. Aus großer Macht folgt große Verantwortung. So sollte Carlsen nicht damit umgehen.«

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Auch Großmeister Alejandro Ramírez, der Niemann in St. Louis zu seiner Reaktion auf Carlsens Ausscheiden interviewt hatte, äußerte sich bei »chess24« ähnlich. Carlsens Aufgabe bei dem Online-Turnier sei »ein klares Indiz dafür, dass Magnus denkt, dass mit Hans etwas nicht in Ordnung ist.« Carlsen müsse sich öffentlich dazu äußern.

In den kommenden Tagen ist aber wohl nicht damit zu rechnen. Dem Schach-Journalisten Tarjei J. Svensen zufolge hat Carlsen erklärt, während des Turniers keine Interviews geben zu wollen.

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Der Julius Baer Generation Cup, bei dem die eingeladenen Spieler online von überall auf der Welt teilnehmen können, läuft noch bis zum 25. September. Bei den Partien schalten die Spieler ihre Webcams ein und werden während der Spiele gefilmt.

So ging das Turnier nach dem Eklat am Montagabend auch weiter. Carlsen und Niemann traten zu ihren folgenden Partien gegen andere Gegner an. Beide Spieler haben derzeit Chancen auf den Turniersieg.

ptz
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