Umstrittenes Sponsoring Werbung für Brustimplantate erzürnt Schachspielerinnen

Der Weltverband Fide hat 2022 als das »Jahr der Frauen« im Schach ausgerufen – und die Zusammenarbeit mit einer Firma verkündet, die ihr Geld vor allem mit Brustvergrößerungen macht. Dafür gab es scharfe Kritik.
Schach-Symbolbild: »Entwürdigend und erniedrigend«

Schach-Symbolbild: »Entwürdigend und erniedrigend«

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imago images/Cavan Images

Der Verband machte sich keine Mühe, den Stolz über diesen Deal zu verbergen. Eine »bahnbrechende Partnerschaft« habe man zu verkünden, hieß es vergangene Woche auf der Website des internationalen Schachverbands Fide . Der neue Sponsor, um den es da ging, war Establishment Labs, ein Unternehmen, das vor allem für die Motiva-Reihe bekannt ist. Brustimplantate.

Bei Frauen-Schachturnieren wird also künftig für Brustvergrößerungen geworben. Dafür hat es nun teils scharfe Kritik aus den Reihen der Spielerinnen gegeben.

»Entwürdigend und erniedrigend«

»Ich finde es entwürdigend und erniedrigend, dass etwas so kognitives wie Schach von einem Unternehmen gesponsert wird, das hauptsächlich von der Unsicherheit der Frauen profitiert. Ich bezweifle stark, dass die Fide ein Unternehmen für Penisvergrößerung als Sponsor für die Weltmeisterschaft der Männer gewinnen würde«, wird im britischen »Guardian«  eine Schachspielerin zitiert.

Die Website chess.com schrieb , dass sich nur wenige aktive Spielerinnen offen kritisch zu diesem Sponsoring geäußert hätten. Die Mehrheit der Frauen, die man um ihre anonyme Einschätzung gebeten hätte, habe das Sponsoring als negativ empfunden. »Die Antworten reichten von verärgert bis empört.« Bei der Fachwebsite lichess.org  werden mehrere Spielerinnen anonym zitiert. Offen sprechen möchte offenbar kaum jemand. Die Fide zu kritisieren mag vielen Spielerinnen riskant erscheinen. Sie sind oft vom Weltverband abhängig, wenn es darum geht, Einladungen zu Turnieren zu erhalten.

»Sollte sich das Schachspiel – ein Spiel, bei dem es auf den Verstand und nicht auf die Brüste ankommt – nicht von dieser Art von reduzierender und frauenfeindlicher Denkweise distanzieren?«

Anonyme Schachspielerin

»Wir Frauen im Schach sind bereits endlosen Kommentaren über unser Aussehen ausgesetzt«, schreibt eine anonyme Spielerin auf lichess.org. Der Schachverband fördere dies nun sogar und rege damit Frauen an, »kritisch über ihren Körper nachzudenken – dem gesellschaftlichen Druck nachzugeben, auf eine bestimmte Art und Weise auszusehen – [und so] Weiblichkeit auf eine teure und körperliche Art zu zeigen«, schreibt sie, und schließt: »Sollte sich das Schachspiel – ein Spiel, bei dem es auf den Verstand und nicht auf die Brüste ankommt – nicht von dieser Art von reduzierender und frauenfeindlicher Denkweise distanzieren?«

Es gibt allerdings nicht ausschließlich kritische Stimmen. Sheila Barth Stanford, Internationale Meisterin aus Norwegen, sagte etwa dem norwegischen »Dagbladet« , das Frauen-Schach »benötige händeringend einen Sponsor«. Die Frauen spielten ohnehin für weniger Geld als die Männer, sagt sie weiter: »Ich hoffe, dass es dadurch für Frauen einfacher wird, professionell zu spielen.«

Und der Schachverband? Kann die Aufregung offenbar nicht ganz nachvollziehen. Dem »Guardian« teilte die Fide mit, der Deal sei das größte Unternehmenssponsoring, das jemals speziell für Frauen im Schach unterzeichnet wurde. Der Vertrag sei intern in zwei Gremien diskutiert worden, in denen Frauen stärker vertreten seien als in der Schachgemeinschaft insgesamt. »Die Fide ermutigt nicht zu Schönheitsoperationen, aber wenn ein Erwachsener diese Entscheidung aus freien Stücken trifft, unterstützt unsere Organisation Motiva, ein Unternehmen, das sein starkes Engagement für Frauen unter Beweis gestellt hat.«

mon

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