Nach Schach-Eklat Carlsen wirft Niemann erstmals konkret Betrug vor

Nach einem Zug beendete er eine Onlinepartie gegen den Amerikaner Hans Niemann. Jetzt sagte Schachweltmeister Magnus Carlsen auf Twitter, warum: weil sein Gegner – wie schon in der Vergangenheit – betrogen habe.
Schachweltmeister Magnus Carlsen

Schachweltmeister Magnus Carlsen

Foto: Carina Johansen / NTB / IMAGO

Schachweltmeister Magnus Carlsen hat erstmals nach der aufsehenerregenden nächsten Runde im Streit mit dem US-Teenager Hans Niemann konkrete Betrugsvorwürfe geäußert. »Ich glaube, dass Niemann mehr – auch in letzter Zeit – betrogen hat, als er öffentlich zugegeben hat«, schrieb der Norweger in einem offenen Brief auf Twitter.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Twitter, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Seine Fortschritte seien »ungewöhnlich«, schrieb Carlsen weiter. Bei einem der letzten Duelle habe er den Eindruck gehabt, Niemann sei »nicht angespannt und noch nicht einmal voll konzentriert auf das Spiel in kritischen Positionen« gewesen, »während er mich mit Schwarz auf eine Weise ausspielte, wie es meiner Meinung nach nur eine Handvoll Spieler können«.

Man müsse etwas gegen Betrug im Schach unternehmen, schrieb Carlsen, »ich möchte nicht gegen Leute spielen, die in der Vergangenheit wiederholt betrogen haben, weil ich nicht weiß, wozu sie in Zukunft in der Lage sind«. Mehr könne er im Moment nicht sagen, »ich hoffe aber, dass die Wahrheit in dieser Sache herauskommt, was immer sie sein mag«.

Vor einer Woche war Carlsen im Rahmen eines hochkarätig besetzten Onlineturniers auf den 19-jährigen Niemann getroffen – und beendete die Partie nach einem Zug kommentarlos.

Niemann hatte mit den weißen Figuren seinen Bauern zu Beginn der Schnellschachpartie auf d4 gezogen. Carlsen machte einen Springerzug, Niemann antwortete mit der nächsten Bauernbewegung – und Carlsen gab einfach auf und kappte dann offenbar auch seine Videoverbindung.

Magnus Carlsen (l.) und Hans Niemann Anfang September beim Schachturnier Sinquefield Cup in Saint Louis

Magnus Carlsen (l.) und Hans Niemann Anfang September beim Schachturnier Sinquefield Cup in Saint Louis

Foto: Crystal Fuller / dpa

Schon Anfang September hatte sich Carlsen, der seit 2013 Schachweltmeister ist, nach einer überraschenden Niederlage gegen den Amerikaner aus einem Präsenz-Turnier zurückgezogen – das hatte er in seiner Karriere noch nie gemacht.

Der 31-jährige Carlsen wird 2023 wegen fehlender Motivation nicht zur erneuten Titelverteidigung antreten. »Ich habe das Gefühl, dass ich nicht viel zu gewinnen habe. Ich mag (die WM-Kämpfe) nicht besonders und obwohl ich sicher bin, dass ein Match aus historischen Gründen und all dem interessant wäre, habe ich einfach keine Lust zu spielen. Ich werde das Match einfach nicht antreten«, sagte er in einem von seinem Sponsor veröffentlichten Video-Podcast .

Niemann selbst bestreitet, jemals bei einem Spiel am Brett betrogen zu haben. Er beschuldigte Carlsen und andere Topstars, seine Karriere zerstören zu wollen. Niemann gab jedoch zu, früher geschummelt zu haben. Als Zwölfjähriger bei Onlineturnieren und auch im Alter von 16 Jahren, ebenfalls im Internet. »Ich habe bei zufälligen Partien auf Chess.com betrogen. Ich wurde damit konfrontiert. Ich habe gestanden. Und das ist der größte Fehler meines Lebens.« Er schäme sich zutiefst und habe Freundschaften dadurch verloren.

Er habe sich jedoch entschlossen, seine Fehler wiedergutzumachen, sagte Niemann, indem er hart trainiert und beweist, dass er bei Live-Events gewinnen könne.

oka/sid
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.