Schach-WM gegen Magnus Carlsen Ein schwerer Fehler – dann verschwindet Nepomnjaschtschi für 18 Minuten

Zum zweiten Mal schon hat Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi wegen einer frappierenden Fehlentscheidung gegen Magnus Carlsen verloren. Nach seinem fatalen Zug nahm sich der Russe eine Auszeit.
Jan Nepomnjaschtschi: »Ich glaube, es gibt keinen Schachspieler, dem Jan jetzt nicht leid tut«

Jan Nepomnjaschtschi: »Ich glaube, es gibt keinen Schachspieler, dem Jan jetzt nicht leid tut«

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GIUSEPPE CACACE / AFP

Schach-Weltmeister Magnus Carlsen steht nach einem weiteren Sieg kurz vor der erfolgreichen Verteidigung seines Titels. Der 31 Jahre alte Norweger gewann in Dubai die neunte Partie gegen seinen russischen Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi und führt das auf 14 Partien angesetzte Duell 6:3 an.

Nepomnjaschtschi hatte vor zwei Tagen bereits die achte Partie durch einen auf WM-Niveau ungewöhnlichen Patzer verloren, und diesmal nahm das Duell einen ähnlichen Verlauf. Der Herausforderer ließ sich seinen Läufer aussperren. Sein 27. Zug war ein Fehler, wie man ihn auf Topniveau selten erlebt. Carlsen brauchte nur einen Bauern vorzuziehen und danach die Figur abzuholen, die weder entkommen, noch verteidigt werden konnte.

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Die neunte Partie begann der Russe nicht mit dem Königsbauern, sondern mit einer Englischen Eröffnung. Im Mittelspiel eroberte er zwar einen Bauern, behielt aber mehrere Schwächen. Der vielleicht einzige Weg, den Bauern nicht zurückzugeben, kostete ihn stattdessen den Läufer. Nachdem Carlsen ihn eingeschlossen hatte, blieb Nepomnjaschtschi noch 18 Minuten in seinem Ruheraum hinter der Bühne, bevor er ans Brett zurückkam.

Carlsen sah man in der Zwischenzeit mit verschränkten Armen auf seinem Stuhl sitzen, darauf wartend, dass Nepomnjaschtschi zurückkehrt und aufgibt – ein anderer Ausgang der Partie war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr wahrscheinlich.

»Ich glaube, es gibt keinen Schachspieler, dem Jan jetzt nicht leid tut«

Der polnische Großmeister Grzegorz Gajewski kommentierte auf Twitter: »Ich glaube, es gibt keinen Schachspieler, dem Jan jetzt nicht leid tut.« Nepomnjaschtschi schleppte die Partie noch bis zum 39. Zug, bevor er sich geschlagen gab.

Am Mittwoch (13.30 Uhr) geht es mit Runde zehn weiter, es kann noch keine Entscheidung geben. Es gibt maximal 14 Partien, wer zuerst 7,5 Punkte erreicht, ist Weltmeister. Das Anfangsrecht wechselt nach jedem Match.

Für einen Sieg gibt es einen Punkt, für ein Remis einen halben. Carlsen hatte seinen Titel bereits 2014, 2016 und 2018 erfolgreich verteidigt.

mon/dpa/sid