Verhaltenskodex für Sportler Schwitzen nur mit Abstand

Sportmediziner haben Leitlinien für Sportler in Zeiten von Corona entwickelt. Zu den Autoren zählt auch der Teamarzt der Fußballnationalmannschaft, der nun Maßgaben für Profikicker entwickeln soll.
VfL Wolfsburg: Profis beim Training mit Abstand

VfL Wolfsburg: Profis beim Training mit Abstand

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-/ VfL Wolfsburg/ dpa

Orientierung wird in unsicheren Zeiten zur heiß begehrten Ware. Deswegen haben führende Sportmediziner nun einen Verhaltenskatalog erstellt, wie Sportler, Betreuer und Sportorganisationen sich derzeit verhalten sollen. In den neuen Richtlinien, die am Mittwoch erschienen sind, geht es zunächst um die inzwischen bekannten Regeln: regelmäßiges Händewaschen, 30 Sekunden lang; Mindestabstand zwei Meter; und natürlich: Finger aus dem Gesicht.

Die Experten erläutern dann, wie die "Nutzung von Sportanlagen und Training" in der aktuellen Pandemiesituation aussehen könnte: Demnach sind Individualsportarten generell möglich - sofern der Mindestabstand zu anderen Sportlern eingehalten wird. Mannschafts-, Kontakt- und Kampfsportarten sind dagegen aktuell nicht möglich. Nur wenn Sportler etwa "in kleinen Gruppen (bis max. 5 Sportler*innen) im nicht-öffentlichen Raum trainieren, sind Ausnahmen möglich, soweit diese mit den behördlichen Anordnungen vereinbar sind". Das Duschen und Umziehen sollte zu Hause stattfinden. Erstellt wurde das zweiseitige Merkblatt  vom Wissenschaftsrat der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin.

"Sport muss sich derzeit eindeutig den behördlichen Auflagen unterordnen"

"Bewegung ist wichtig. Und gegen Training auf dem Ergometer zu Hause oder in der freien Natur gibt es nichts einzuwenden, ganz im Gegenteil", sagte Wilhelm Bloch, Leiter des Instituts für Kreislaufforschung und Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln und einer der Hauptautoren, dem SPIEGEL. "Jedoch muss der Sport derzeit eindeutig der öffentlichen Sicherheit und den behördlichen Auflagen untergeordnet werden."

Zu den Verfassern zählen auch Bernd Wohlfahrt, Leitender Olympiaarzt des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB), und Tim Meyer, Ärztlicher Direktor des Instituts für Sport- und Präventivmedizin an der Universität des Saarlandes. Das Besondere an Meyer in diesem Fall: Er ist zugleich der Teamarzt der deutschen Fußballnationalmannschaft und Vorsitzender der "Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb" der DFL.

Wie gestern verkündet wurde, soll diese unter anderem "spezielle Abläufe bei der Spiel- und Trainings-Organisation definieren und in einem Leitfaden einheitlich festschreiben". Es ist davon auszugehen, dass die DFL diesen Maßnahmenkatalog als ein zentrales Argument auffährt, damit die Behörden rasch bundesweit dem Spiel- und Trainingsbetrieb wieder zustimmen.

Was Letzteren betrifft, gibt es aktuell große Unterschiede im Land: In NRW dürfen die Profis wieder trainieren, in Zweiergruppen, mit Abstand, da ihre Sportplätze zum Betriebsgelände erklärt wurden. In Hamburg dagegen haben die beiden Profivereine freiwillig darauf verzichtet, eine Sondergenehmigung für das Mannschaftstraining zu bekommen.