Reaktionen auf Shutdown im Sport "Bei drei Grad draußen frieren mir die Hände an der Hantelstange fest"

Bund und Länder lassen den Profisport im November nur noch ohne Zuschauer zu, auch Amateure sind von den Kontaktbeschränkungen massiv betroffen. Ein Überblick über Reaktionen quer durch die Sportarten.
Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler

Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler

Foto: Sven Hoppe/ dpa

Frank Bohmann (Geschäftsführer Handball Bundesliga): "Das zerstört natürlich völlig die Geschäftsmodelle der Sportarten hinter dem Fußball. Sportarten wie Handball, Basketball und Eishockey wird jede Geschäftsgrundlage geraubt. Damit müssen wir jetzt erst mal zurechtkommen, noch mal nachrechnen, wie lange können wir das überhaupt aushalten. Wir spielen erst mal bis Weihnachten weiter, zur Not auch ohne Zuschauer. Ob es auch alle Vereine durchhalten, steht auf einem anderen Blatt Papier."

Stefan Holz (Geschäftsführer Basketball Bundesliga): "Ich sehe es nach wie vor etwas ambivalent. Auf der einen Seite finde ich es ernüchternd, dass man uns Konzepte aufträgt, die wir uns höchst aufwendig erarbeiten, dann macht man einen Testbetrieb. Den macht man üblicherweise, um zu sehen, ob es funktioniert. Der Testbetrieb hat funktioniert, und trotzdem dreht man die Zuschauer ab. Es sind einfach keine fachlichen Gründe, sondern es sind übergeordnete politische Gründe. Auf der anderen Seite haben wir natürlich auch Verständnis für die Gesamtsituation, wir sind Teil des Gesamtsystems."

Dagmar Freitag (Vorsitzende Bundestagssportausschuss): "Die Auswirkungen auf den Breitensport ärgern mich besonders, da es hier vor allem diejenigen trifft, die in den letzten Wochen mit sehr großem Engagement und innovativen Konzepten das Vereinsleben aufrecht gehalten haben. Denn eines ist ja bislang unbestritten: Sportveranstaltungen unter Einhaltung stringenter Hygienekonzepte sind weder im Profi- noch im Breitensport als Superspreader aufgefallen. Das zeigt: Wenn wir bereit sind, Disziplin und Verantwortungsbewusstsein zu zeigen, kann vieles auch in Corona-Zeiten funktionieren."

Fritz Keller (Präsident Deutscher Fußball-Bund): "Die beschlossenen Maßnahmen wirken sich auf viele Bereiche des täglichen Lebens aus. Bei aller angebrachten Vorsicht wird es auch in den kommenden Wochen und Monaten von großer Bedeutung sein, den Menschen, vor allem auch Kindern und Jugendlichen, Orte der Gemeinschaft und Ablenkung zu bieten, ohne damit das gesundheitliche Risiko zu erhöhen. Unsere Vereine bieten ihren Mitgliedern, die sich in den vergangenen Monaten vorbildlich verhalten haben, in herausfordernden Zeiten Unterstützung und Zusammenhalt. Diesen sozialen Kitt benötigen wir zur Bewältigung dieser Pandemie ebenso wie Schutz- und Präventionsmaßnahmen."

Fechter Max Hartung

Fechter Max Hartung

Foto:

Federico Gambarini DPA

Jürgen Kessing: (Präsident Deutscher Leichtathletik-Verband): "Für alle Sportvereine in Deutschland insbesondere im Amateursportbereich ist dies eine harte Entscheidung. Gerade der Sport in Deutschland hat bewiesen, dass es aufgrund guter Hygienekonzepte im Spitzen- und Breitensport möglich ist, auch in Coronazeiten Sport zu treiben und einen Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu leisten."

Max Hartung (Präsident Athleten Deutschland): "Ich würde mir wünschen, dass Bundeskader-Athleten einheitlich als Profis behandelt werden und weiter ihrem Beruf nachgehen und sich auf ihren Saisonhöhepunkt vorbereiten können. Wir werden für die Athletinnen schnell in den Dialog mit der Politik gehen und fragen parallel bei unseren Mitgliedern nach den Besonderheiten ihrer Disziplinen. Jetzt ist eigentlich die Zeit, in der bei uns das Training anziehen müsste, damit wir im Frühjahr zu den Qualifikationsturnieren in Topform sind. Es ist aber im Moment schwer vorstellbar, dass wir angesichts der Einschränkungen, beispielsweise bei den Kontakten, so arbeiten können wie in den vergangenen Jahren."

"Wir haben momentan keine Alternativen"

Thomas Röhler (Olympiasieger Speerwurf): "Im Worst Case sitze ich Montag wieder zu Hause. Aber bei drei Grad draußen frieren mir beim Krafttraining auf der Auffahrt die Hände an der Hantelstange fest."

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Prof. Dr. Wilhelm Bloch (Leiter der Abteilung für molekulare und zelluläre Sportmedizin an der Deutschen Sporthochschule Köln): "Ich glaube, wir werden den ganzen Winter damit zu tun haben. Bis ins Frühjahr und den Sommer hinein. Ich glaube, es ist nicht realistisch, im Laufe des Winters Sport mit großen Zuschauermengen zu machen. Es wird das wohl draußen wie drinnen nicht geben. Ganz klar: Im Sport sind die Vereine die Leidtragenden. Aber auf der anderen Seite ist es so: Wir haben momentan keine Alternativen. Der Appell sollte sein, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst wird."

Deutscher Tennis Bund (DTB): "Der Deutsche Tennis Bund (DTB) befürwortet die beschlossenen Maßnahmen der Bundesregierung ausdrücklich. Nichtsdestotrotz geht der DTB davon aus, dass das Ausüben des Tennissports als Individualsportart nicht vollends eingestellt werden muss. Vielmehr sollte ein Spiel zu zweit oder ein Doppel mit vier Personen aus maximal zwei Haushalten weiterhin möglich sein."

ara/sid
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