Neuer Weltmeister Gerwyn Price Vom Rugbyprofi zur Nummer eins im Darts

2014 beendete Gerwyn Price seine Rugbykarriere, um Dartsprofis »das Geld aus der Tasche zu ziehen«, wie er sagte. Sieben Jahre später ist der Waliser der beste Spieler der Welt.
Gerwyn Price küsst die Sid Waddell Trophy

Gerwyn Price küsst die Sid Waddell Trophy

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Adam Davy / dpa

Am Ende zeigte »The Iceman« dann doch Nerven. Elf Versuche, elf Matchdarts ließ Gerwyn Price über zwei Sätze hinweg aus, bevor der zwölfte Pfeil dann endlich in der Doppel-5 saß und der 7:3-Erfolg gegen Gary Anderson im Londoner Alexandra Palace feststand. Die Sid Waddell Trophy, 500.000 britische Pfund Preisgeld und die Position als neue Nummer eins der Weltrangliste brachte ihm dieser Dart im Doppelfeld ein, mit denen man jedes Leg von 501 auf null beenden muss. »Ich habe noch nie in meinem Leben so einen Druck verspürt«, sagte der Waliser im TV-Interview nach dem Spiel. »Schon vor dem Spiel war ich so nervös wie nie zuvor.«

Bis zur komfortablen 5:1-Führung ließ Price sich davon nichts anmerken. In seinem ersten WM-Finale dominierte er die Partie ab dem dritten Satz nach Belieben, lag nach sechs Sätzen bei einer Trefferquote von 73 Prozent auf die Doppelfelder; alles um die 50 Prozent gilt als Weltklasse. Sein Lieblingsdoppel »Tops« (Doppel-20) traf er bei den ersten 13 Versuchen jedes Mal.

Im sechsten Satz verpasste Price dann auch das perfekte Spiel, einen Neundarter, nur ganz knapp. Es wurde mit einem Punkteschnitt von 136,64 pro drei Darts dennoch der beste Satz in der Geschichte der Weltmeisterschaft.

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Anderson hingegen spielte ordentlich, konnte aber nicht an seine vorigen Leistungen anknüpfen. Besonders auf die äußeren Ringe lief es für den Weltmeister von 2015 und 2016 bei dessen fünftem WM-Finale nicht. Am Ende saß nur knapp jeder vierte Dart im Doppel.

Chancen im Darts besser als beim Rugby

Für Price ist der WM-Titel die Krönung seiner zweiten Karriere als Profisportler. »Ich denke jeden Tag daran, dass ich als Weltmeister die Nummer eins der Welt werden kann«, hatte Price nach seinem Achtelfinalsieg gegen Mervyn King gesagt.

Vor sieben Jahren riet der walisische Dartsspieler Barrie Bates seinem Landsmann Price, es doch mal als Profi zu versuchen. Er glaubte an das Potenzial des heute 35-Jährigen. Price erspielte sich im Januar 2014 die Tourkarte der Professional Darts Corporation (PDC) und gab seine Karriere als Rugbyprofi auf, um Dartsprofis »das Geld aus der Tasche zu ziehen«, wie Price gern sagt.

Damals, im Januar 2014, war Michael van Gerwen nach seinem ersten WM-Titel gerade die neue Nummer eins der Welt geworden – und blieb es bis zum Titel von Price. Sieben Jahre war der Niederländer die Nummer eins, galt mindestens sechs davon unangefochten als der beste Spieler der Welt.

Ein wichtiger Faktor des Erfolgs: keine Eklats mehr

Schon in der Saison 2020 gewann Price mehr Turniere auf der Profitour als jeder andere. Und auch bei der vergangenen WM war er über weite Strecken der beste Spieler. Doch in einem emotionsgeladenen Halbfinale gegen den späteren Weltmeister Peter Wright – das ohne Handschlag endete – konnte Price das Niveau der vorigen Spiele nicht halten.

Ein Jahr später waren es vor allem die engen Situationen, in denen Price seine ganze Klasse zeigte. Drei seiner sechs Spiele gewann er im Entscheidungssatz, zwei davon sogar im entscheidenden Leg. Von den Wacklern gegen Ende seines ersten WM-Finals abgesehen, hatte Price eine beeindruckende Nervenstärke gezeigt.

»So wie ich das ganze Jahr gespielt habe, glaube ich, dass ich es verdiene, diese Trophäe zu haben und die Nummer eins zu sein«, sagte Price nach seinem Sieg.

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Ein wichtiger Faktor des Erfolgs: Price hat sich mittlerweile im Griff. Vor zwei Jahren kam es beim Finale des World Grand Prix zwischen Price und Anderson noch zum Eklat. Price feierte gute Würfe immer wieder demonstrativ in Richtung seines Gegners, anstatt – wie üblich – die Darts direkt nach dem Wurf aus dem Board zu holen. Anderson ließ sich sogar zu einem kleinen Schubser gegen Price hinreißen. Zwar gewann Price die Partie, bekam von der PDC aber eine Rekordgeldstrafe plus eine dreimonatige Spielsperre auf Bewährung als Sanktion für sein Verhalten.

»Ich werde ruhig sein, er laut«, hatte Anderson vor dem WM-Finale auf die Frage geantwortet, was für ein Spiel er gegen Price erwartet.

So kam es aber nicht. Price wirkte über weite Strecken der Partie ruhig und hoch konzentriert, nur selten brachen Jubelschreie aus ihm heraus. Hatten seine Ausbrüche früher möglicherweise auch den Zweck, auf den Gegner einzuwirken, scheint er mit jetzt nur noch überschüssige Energie herauszuschreien, um wieder die nötige Ruhe am Board zu haben.

In seinen sieben Jahren in der PDC wurden die Ergebnisse von Jahr zu Jahr besser. Falls Price diese stete Weiterentwicklung beibehalten kann, könnte er die Dartswelt ähnlich dominieren wie van Gerwen oder Phil Taylor vor ihm.

Ganz so lange wie Taylor allerdings will er nicht spielen. Spätestens mit 50 soll Schluss für ihn sein, wie er immer wieder sagte. Dann wolle er sein Leben irgendwo in der Sonne genießen.

Und vielleicht wird seine Zeit als Dartsprofi auch wesentlich kürzer. In einem Interview mit der »Welt«  sagte Price, er glaube, auch gut genug Snooker zu spielen, um es dort als Profi zu schaffen. Es wäre dann seine dritte Karriere im Profisport.

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