Ronnie O'Sullivan feiert sechsten WM-Titel Mister Snooker

Ronnie O'Sullivan ist erneut Snooker-Weltmeister. Der Brite hat 27 Jahre nach seinem ersten großen Titel wieder Geschichte geschrieben. Abseits des Tisches ist er aber ein streitbarer Charakter geblieben.
Ronnie O'Sullivan hat sich zum sechsten Mal den Weltmeistertitel im Snooker gesichert

Ronnie O'Sullivan hat sich zum sechsten Mal den Weltmeistertitel im Snooker gesichert

Foto: - / dpa

In Deutschland ist es in Corona-Zeiten immer noch unwahrscheinlich, dass Fußballspiele in naher Zukunft wieder vor Zuschauern stattfinden werden, in den USA müssen sich Basketball-Anhänger bereits damit zufriedengeben, ihren Lieblingssport vor dem Fernseher verfolgen zu dürfen.

Snooker-Star Ronnie O'Sullivan hat es da besser. Er hatte sein Publikum.

Der 44-Jährige, der am Sonntag im legendären Crucible Theatre in Sheffield seinen ersten WM-Titel seit 2013 gewann, ließ sich von insgesamt 300 Fans feiern, die für das Finalduell von den Behörden zugelassen waren. Stolz stemmte er den Pokal in die Höhe, zum sechsten Mal in seiner ruhmreichen Karriere. Seinen Gegner im Finale - der 16 Jahre jüngere Landsmann Kyren Wilson - führte er beim 18:8-Erfolg phasenweise regelrecht vor. Im Grunde war also alles wie immer, nur die Haare des Briten sind im Laufe der Zeit etwas ergraut.

Erster großer Titel liegt 27 Jahre zurück

"Ich habe nie über Titel nachgedacht. Ich wollte hier Spaß haben. Es ist schön, wenn man seinen Traum leben kann", sagte O'Sullivan im Anschluss an das Endspiel. Dennoch, so O'Sullivan weiter, sei jeder WM-Erfolg "etwas Besonderes". Gleichzeitig durfte sich die Snooker-Ikone über einen weiteren Meilenstein freuen: Mit dem 37. Sieg bei einem Weltranglistenturnier ist er nun alleiniger Rekordhalter. Bei den sogenannten Triple Crown Events (Weltmeisterschaft, Masters, UK Championship) steht er nun bei 20 Titeln, niemand ist erfolgreicher.

O'Sullivan zählt auch 19 Jahre nach seinem ersten WM-Titel noch zu den großen Stars seines Sports. Nach einer mehrjährigen Schwächephase (zwischen 2015 und 2019 erreichte er nie das WM-Halbfinale) hat er nun wieder zu alter Stärke zurückgefunden. Im Laufe des Turniers machte er auch seinem Spitznamen "The Rocket" alle Ehre: Für das 10:1 gegen den Thailänder Thepchaiya Un-Nooh in der ersten Runde benötigte er nur 108 Minuten, es war der schnellste Sieg der Turniergeschichte.

O'Sullivan nach seinem WM-Triumph 2013: "Durchs Turnier geflogen"

O'Sullivan nach seinem WM-Triumph 2013: "Durchs Turnier geflogen"

Foto: Warren Little/ Getty Images

Es ist vor allem die Langlebigkeit, die O'Sullivan seine Ausnahmestellung verschafft. 1993 gewann er als 17-Jähriger bei den UK Championship seinen ersten großen Titel. Seither begeistert er Snooker-Fans mit seiner speziellen Spielweise. O'Sullivan spielt extrem schnell, führt das Queue sowohl mit der rechten als auch der linken Hand, hinzu kommen seine teils spektakulären Manöver. Doch auch abseits des Tisches sorgte er immer wieder für Schlagzeilen. Er gilt als "Enfant terrible". Dass er kein Interesse daran hat, an diesem Image etwas zu ändern, zeigte sich vor wenigen Tagen.

In einem Interview mit der BBC verriet O'Sullivan, dass er in den jungen Profis seiner Branche "keine Konkurrenz" sehe. "Die jüngeren Spieler, die da nachkommen, sind schon nicht so gut. Sie würden vielleicht als Amateure gut aussehen. Oder nicht mal als Amateure. Viele von ihnen sind so schlecht", sagte der Engländer. Doch damit nicht genug: "Wenn man einigen von ihnen zuschaut, denkt man sich: Ich müsste einen Arm und ein Bein verlieren, um aus den Top 50 herauszufallen."

Depressionen, Panikattacken und Angstzustände

Auch an der Turnierplanung übte O'Sullivan offen Kritik. Er warf den Organisatoren vor, die Spieler wie "Laborratten" zu behandeln. Eigentlich sollte zunächst das gesamte Turnier vor Fans ausgetragen werden, allerdings war dieses Vorhaben wegen steigender Corona-Neuinfektionen in Großbritannien kurzfristig aufgegeben worden.

O'Sullivan, der schon in der frühen Phase seiner Karriere mit Depressionen, Panikattacken und Angstzuständen zu kämpfen hatte, gilt als passionierter Läufer. Zwischenzeitlich zählte er über die 10-Kilometer-Distanz zu den 1500 besten Athleten Großbritanniens. Die täglichen Einheiten halfen ihm, seine psychischen Probleme unter Kontrolle zu bekommen. Im Anschluss an den Finalsieg gab der Snooker-Profi an, erstmals seit langer Zeit wieder regelmäßig laufen gewesen zu sein. Vermutlich war auch das ein Schlüssel zum Erfolg.

Doch trotz seines jüngsten Titels in Sheffield dürfte O'Sullivan festgestellt haben, dass die Zeit im Queue-Sport nicht stehen geblieben ist. Während er bei seinen letzten WM-Titeln in den Jahren 2012 und 2013 nach eigener Aussage "durch das Turnier geflogen" sei, musste er in diesem Jahr mehrere kritische Momente überstehen.

Im Halbfinale stand O'Sullivan gegen Ex-Weltmeister Mark Selby beim Stand von 14:16 schon vor dem Aus. Letztlich drehte der spätere Weltmeister die Partie und gewann 17:16.

Durch den Sieg im Endspiel sicherte sich O'Sullivan ein Preisgeld in Höhe von 500.000 Pfund. Insgesamt hat der Superstar damit bereits mehr als 11 Millionen Pfund eingespielt . Zur Ruhe setzen wolle er sich allerdings noch lange nicht. Warum sollte er auch? Ein paar Rekorde sind ja noch übrig.