16. Etappe Voigt-Sturz überschattet Astarloza-Sieg

Schock auf der 16. Etappe der Tour de France: Jens Voigt ist schwer gestürzt und war mehrere Minuten bewusstlos. Noch ist unklar, wie schwer seine Verletzungen sind, hauptsächlich ist sein Gesicht betroffen. Es siegte Mikel Astarloza, Alberto Contador fährt weiterhin in Gelb.


Hamburg - Für Jens Voigt ist die Tour vorzeitig beendet: Der 38-Jährige stürzte auf dem zweiten Alpen-Abschnitt über 159 Kilometer von Martigny nach Bourg-Saint-Maurice schwer. Der Saxo-Bank-Fahrer kam in der Abfahrt vom Kleinen Sankt Bernhard etwa 25 Kilometer vor dem Ziel nach einer Bodenwelle zu Fall. Voigt, der sich zum Zeitpunkt des Sturzes in der Verfolgergruppe um Tour-Spitzenreiter Alberto Contador befand, prallte bei Tempo 80 und rutschte regungslos die Straße hinunter. Beinahe wäre er noch von einem Begleitmotorrad überrollt worden. "Da graut's einem. Ich bin regelrecht zusammengezuckt. Ich wünsche ihm nur das Beste", sagte Jungprofi Tony Martin, der an dem 37-Jährigen vorbei fuhr, als dieser gerade auf einer Trage in einen Krankenwagen geschoben wurde.

Voigt blutete aus dem Kopf und hatte die Augen geschlossen. Minuten später raste der Krankenwagen mit dem Berliner in den Zielort, von wo aus Voigt per Helikopter in ein Krankenhaus nach Grenoble zum Röntgen geflogen wurde. Nach Aussagen des behandelnden Arztes Dr. Gerard Porte habe er hauptsächlich Gesichtsverletzungen erlitten. Außerdem bestätigte Porte erste Meldungen, dass Voigt nach dem Sturz das Bewusstsein verloren habe. "Er war drei bis vier Minuten bewusstlos", sagte Porte der Nachrichtenagentur AFP.

Milram-Kapitän Linus Gerdemann war in Gedanken ebenfalls bei Voigt: "Wenn man solche Stürze sieht, dann ist alles andere nebensächlich." Columbia-Sportchef Rolf Aldag sagte: "Das war kein schöner Anblick, Jens dort regungslos liegen zu sehen. Da schießen einem Gedanken durch den Kopf, wenn man seine Familie kennt und weiß, dass die Kinder vor dem Fernseher sitzen."

Die Etappe gewann Mikel Astarloza vom Team Euskaltel-Euskadi vor dem Franzosen Sandy Casar. An der Spitze blieb alles beim Alten: Der Spanier Alberto Contador konnte auch beim zweiten Schlagabtausch in den Alpen die Attacken der Konkurrenz abwehren und trotz einer kleinen Schwäche seines neuen Edelhelfers Lance Armstrong sein am Sonntag erobertes Gelbes Trikot souverän verteidigen.

Armstrong verlor zwischenzeitlich über 30 Sekunden, kämpfte sich jedoch in beeindruckender Manier zurück. Die Szene erinnerte an seine Glanzzeit. "Ich bin mein eigenes Tempo gefahren und wieder rangekommen. Ich habe mich besser gefühlt als am Sonntag", sagte Armstrong.

Gleich vom Start im Wallis an führte der Weg steil hinauf zum Großen Sankt Bernhard, mit 2473 Metern Höhe das Dach der diesjährigen Tour. Bergtrikotträger Franco Pellizotti und der Russe Wladimir Karpez setzten sich ab, eine große Gruppe um Jens Voigt und Milram-Fahrer Peter Velits nahm die Verfolgung auf.

Im Feld kontrollierte Astana das Tempo. Der siebenmalige Toursieger Armstrong hielt sich an sein Versprechen und agierte als Schattenmann für Contador. Pellizotti und Karpez wurden am Ende der fast 40 Kilometer langen Abfahrt von den 16 Verfolgern eingeholt, zusammen nahm die Gruppe den 2188 Meter hohen Kleinen Sankt Bernhard in Angriff. Erstmals seit 1963 standen die beiden Berge wieder zusammen auf dem Streckenplan der Tour. Lediglich Andy Schleck (Saxo Bank) wagte am letzten Berg eine Attacke, die Contador souverän mitging.

Die Franzosen Sandy Casar (FdJeux) und Pierrick Fedrigo (Bouygues) fuhren auf die Plätze zwei und drei. In der liegt Astana-Profi Contador weiterhin 1:37 Minuten vor seinem US-Teamkollegen Armstrong. Dritter ist der überraschend starke Brite Bradley Wiggins (Garmin/1:46 Minuten zurück). Die deutschen Hoffnungen Tony Martin (Columbia) und Linus Gerdemann (Milram) verloren dagegen viel Zeit. Am Mittwoch erwartet die Fahrer der nächste schwere Tag. Auf der Etappe von Bourg-Saint-Maurice nach Le Grand-Bornand sind auf den 169,5 Kilometer gleich vier Berge der ersten Kategorie zu bewältigen. Milram-Kapitän Linus Gerdemann hat an Le Grand-Bornand besonders gute Erinnerungen. Vor zwei Jahren siegte er in dem Wintersportort und eroberte das Gelbe Trikot.

jar/dpa/sid

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Seite 1
Brieli 02.07.2009
1.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Wie üblich. Beides. Ist doch egal, ob ein Doper mehr oder weniger mitfährt.
Parisienne, 02.07.2009
2.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Ach ja, es ist wieder so weit, die Tour de Farce! Allein die Schlamperei der WADA mit dem Sinkewitz-Protokoll zeigt doch, in welch katastrophalem Zustand sich der Radsport noch immer befindet. Dann wurde auch gleich noch Thomas Dekker positiv auf EPO getestet, wunderbar. Wer noch immer daran glaubt, der Radsport könnte in absehbarer Zeit wieder sauber sein, tut mir einfach nur leid. Und Lance Armstrong? Was hat eigentlich Jan Ulrich die nächsten Wochen so vor?
DickBush, 02.07.2009
3. Lance setzt ein gutes Signal an
Auch andere Sportarten sind von der Drogenplagge nicht frei gewesen, im Radsport hat man aber ganz hart und konsequent gehandelt. Die Tour war und ist eine in jedem Bezug tolle Veranstaltung, es ist ein Glücksfall daß sich der große Lance wieder zum Wort gemeldet hat!
a.narchist, 02.07.2009
4. Als Kind die Friedensfahrt, später die Tour der Leiden ...
heute totale Radsport-Abstinenz. Allerdings gucke ich mir auch keine Leichtathletik-Wettbewerbe mehr an und keine ... Der ganze versiffte Kommerz-Sport kann mir gestohlen bleiben. Kälbermast-Mittel für Menschen und für Menschen gedachte Arzeneien den Pferden verabreicht. Olympiasieger - zwei Jahre Sperre - Weltmeister und wieder gedopt, die Karriere von Kugelstoßern. Hammerwerferinnen, die echt "der Hammer" sind und nun der König des Doping wieder auf dem Rad. Wer da noch mitfiebert, sollte einen Arzt aufsuchen oder die eigenen Medikamente absetzen.
Shiraz, 02.07.2009
5.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Hihi, alle Jahre wieder:-) Verseucht, verlogen, versaut. Schau ich mir nicht mehr an.
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