18. Tour-Etappe Contador baut Vorsprung durch Zeitfahrsieg aus

Vorentscheidung durch den Mann im Gelben Trikot: Beim Einzelzeitfahren rund um den Lac d'Annecy hat Alberto Contador alle Kontrahenten distanziert - und seine Führung im Gesamtklassement ausgebaut. Andy Schleck und Lance Armstrong büßten viel Zeit auf den Spanier ein.


Hamburg - Contador ist sein zweiter Tour-de-France-Sieg nach 2007 wohl kaum noch zu nehmen: Der 26-Jährige vom Team Astana gewann am Donnerstag erstmals bei der Frankreich-Rundfahrt ein Zeitfahren. "Erster im Zeitfahren der Tour de France zu werden ist für mich überragend. Ich hatte einen sehr starken Tag", sagte Contador. Er habe jedoch nicht an den Tagessieg, sondern an das Gesamtklassement gedacht: "Ich bin sehr froh, dass ich meinen Vorsprung ausbauen konnte."

Der Spanier lag auf dem 18. Teilstück über 40,5 Kilometer um den Lac d'Annecy bei fast allen Zwischenzeiten vorn und verwies in 48:30 Minuten den Schweizer Zeitfahr-Olympiasieger Fabian Cancellara (Saxo Bank) um drei Sekunden auf den zweiten Platz. Dritter wurde der russische Radprofi Michail Ignatiew (Katjuscha), der 15 Sekunden auf Contador verlor.

Der siebenfache Tour-Sieger Lance Armstrong aus den USA gehörte als 16. (1:30 Minuten zurück) ebenso zu den Geschlagenen wie Andreas Klöden, der mit 54 Sekunden als bester deutscher Fahrer Neunter wurde. Eigentlich hatte Armstrong einen überragenden Klöden erwartet: "Ich sehe Klöden heute fliegen", hatte er kurz vor dem Rennen via Twitter prognostiziert. Nach der Etappe teilte Armstrong mit, dass das US-Elektronik-Kaufhaus RadioShack der Hauptsponsor seines neuen Teams sein wird.

In der Gesamtwertung hat der Zweite Andy Schleck (Saxo Bank) aus Luxemburg einen Rückstand von 4:11 Minuten - dies dürfte er beim Showdown am Mont Ventoux am Samstag kaum aufholen können. Armstrong zog trotz seiner mäßigen Leistung an Fränk Schleck vorbei, liegt als Dritter aber bereits 5:25 Minuten hinter seinem Teamkollegen Contador. Weitere elf Sekunden zurück ist der Brite Bradley Wiggins (Garmin).

Der dreifache Toursieger Greg LeMond aus den USA wunderte sich im französischen Fernsehen über Contadors erstaunliche Leistung. Der Spanier sei, der "schnellste Kletterer der Tourgeschichte" und nun auch der schnellste Zeitfahrer: "Wie kann man das erklären?" Diese Frage wurde von Journalisten aufgenommen und in der Pressekonferenz mehrmals gestellt. Contador antwortete jedes Mal: "Nächste Frage."

Die in Linus Gerdemann (Milram) und vor allem Tony Martin (Columbia) gesetzten deutschen Hoffnungen bestätigten sich im Kampf gegen die Uhr nicht. Martin, in der Schlussphase seiner ersten Tour mit schwindenden Kräften unterwegs, belegte mit 1:04 Minuten Rückstand auf Contador Platz elf. "Für mich ist das kein optimales Ergebnis. Das war eines meiner schlechtesten Zeitfahren. Ich hatte mir ausgerechnet, unter die Top Ten zu fahren", sagte Martin. Gerdemann, 2:11 Minuten zurück, fuhr auf Platz 27.

Bevor es am Samstag zur endgültigen Tour-Entscheidung am Mont Ventoux kommt, müssen die Fahrer am Freitag (ab 12.55 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) die 178 Kilometer lange Übergangsetappe von Bourgaion-Jallieu nach Aubenas meistern. Auf dem Abschnitt bietet sich die letzte Chance für Ausreißer, 16 Kilometer vor dem Ziel muss mit dem Col d'Escrinet ein Anstieg der zweiten Kategorie bewältigt werden.

wit/sid/dpa

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Seite 1
Brieli 02.07.2009
1.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Wie üblich. Beides. Ist doch egal, ob ein Doper mehr oder weniger mitfährt.
Parisienne, 02.07.2009
2.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Ach ja, es ist wieder so weit, die Tour de Farce! Allein die Schlamperei der WADA mit dem Sinkewitz-Protokoll zeigt doch, in welch katastrophalem Zustand sich der Radsport noch immer befindet. Dann wurde auch gleich noch Thomas Dekker positiv auf EPO getestet, wunderbar. Wer noch immer daran glaubt, der Radsport könnte in absehbarer Zeit wieder sauber sein, tut mir einfach nur leid. Und Lance Armstrong? Was hat eigentlich Jan Ulrich die nächsten Wochen so vor?
DickBush, 02.07.2009
3. Lance setzt ein gutes Signal an
Auch andere Sportarten sind von der Drogenplagge nicht frei gewesen, im Radsport hat man aber ganz hart und konsequent gehandelt. Die Tour war und ist eine in jedem Bezug tolle Veranstaltung, es ist ein Glücksfall daß sich der große Lance wieder zum Wort gemeldet hat!
a.narchist, 02.07.2009
4. Als Kind die Friedensfahrt, später die Tour der Leiden ...
heute totale Radsport-Abstinenz. Allerdings gucke ich mir auch keine Leichtathletik-Wettbewerbe mehr an und keine ... Der ganze versiffte Kommerz-Sport kann mir gestohlen bleiben. Kälbermast-Mittel für Menschen und für Menschen gedachte Arzeneien den Pferden verabreicht. Olympiasieger - zwei Jahre Sperre - Weltmeister und wieder gedopt, die Karriere von Kugelstoßern. Hammerwerferinnen, die echt "der Hammer" sind und nun der König des Doping wieder auf dem Rad. Wer da noch mitfiebert, sollte einen Arzt aufsuchen oder die eigenen Medikamente absetzen.
Shiraz, 02.07.2009
5.
Zitat von sysopJubelnde Massen an der Strecke, packende Duelle in den Bergen und Millimeter-Entscheidungen im Sprintfinale - so könnte die Tour '09 aussehen. Oder versinkt die Frankreich-Rundfahrt einmal mehr im Doping-Chaos? Wie ist das Comeback von Lance Armstrong zu bewerten?
Hihi, alle Jahre wieder:-) Verseucht, verlogen, versaut. Schau ich mir nicht mehr an.
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