24-Stunden-Klassiker Audi gewinnt Chaos-Rennen von Le Mans

Erleichterung statt Freude: Mit Tränen in den Augen hat Audi-Pilot Benoit Treluyer den Triumph seines Teams beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans kommentiert. Zuvor hatten seine Kollegen Mike Rockenfeller und Allan McNish schwere Unfälle überlebt.


Hamburg - "Die Atmosphäre ist großartig. Das war ein Sieg der mannschaftlichen Geschlossenheit", sagte Treluyer, den Tränen nahe. "Aber wir denken natürlich alle auch an Mike Rockenfeller und hoffen, dass er das gut übersteht, was ihm da passiert ist."

Audi hatte am Nachmittag auf dem 13,629 Kilometer langen Circuit de la Sarthe erneut das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewonnen. Angesichts der schweren Crashs der Audi-Piloten Rockenfeller und Allan McNish war jedoch kaum jemandem zum Feiern zumute.

Die beiden fürchterlichen Unfälle überschatteten den insgesamt zehnten Audi-Erfolg im Nordwesten Frankreichs, bei dem Peugeot die Plätze zwei bis vier belegte. Am Samstagabend, rund sieben Stunden nachdem McNish in die Reifenstapel gekracht war und die Teile seines Autos Streckenposten und Zuschauer nur knapp verfehlt hatten, verunglückte auch Rockenfeller schwer.

Bei der Anfahrt zur Indianapolis-Kurve kollidierte er mit dem Ferrari des Italieners Robert Kauffman, der die Lichtsignale des heranrasenden Rockenfeller offensichtlich übersehen hatte und die Spur wechselte.

Mit mehr als 300 Stundenkilometern krachte Vorjahressieger Rockenfeller in die Streckenbegrenzung, sein Rennwagen zerschellte. Nach bangen Minuten gaben die Veranstalter dann per Durchsage erste Entwarnung: Rockenfeller schaffte es aus eigener Kraft aus dem zerstörten Boliden. Wie Audi am Sonntagmorgen mitteilte, befand sich der 27-Jährige gegen Rennende bereits auf dem Weg der Besserung.

Den ersten Unfall hatte es gleich zu Beginn der 24 Stunden von Le Mans gegeben. Beim Versuch, die Führung zu übernehmen, kollidierte der Schotte McNish am Samstagnachmittag in der 15. Runde mit einem langsameren Ferrari. Dabei flog der Audi des 41-Jährigen zunächst in eine durch Reifenstapel geschützte Leitplanke.

Danach stieg der Rennwagen meterhoch in die Luft auf und überschlug sich mehrfach. Fotografen und Streckenposten brachten sich duckend in Sicherheit, als etliche Wrackteile durch die Gegend flogen. Fast wäre McNishs Auto über die Reifenstapel geflogen.

McNish stieg selbstständig aus dem Fahrzeug. Wie dessen Rennstall mitteilte, konnten bei einer ersten Untersuchung durch den Teamarzt keine schweren Verletzungen festgestellt werden. Das bestätigte sich auch bei weiteren Untersuchungen in einem Krankenhaus, in das der frühere Formel-1-Fahrer (2002, Toyota) anschließend eingeliefert worden war. McNish erlitt nur eine leichte Gehirnerschütterung.

"Da hast du keine Gefühle. Du weißt im ersten Moment nicht mal, dass es ein Unfall ist. Du wartest nur, dass es endlich aufhört", sagte McNish am Sonntag. Der in den Unfall verwickelte Ferrari-Pilot Anthony Beltoise (Frankreich) blieb seinem Team zufolge unverletzt. Das Siegertrio von 2008, McNish, Dindo Capello (Italien) und Tom Kristensen (Dänemark), war jedoch aus dem Rennen.

"Es ist schwer zu verdauen, dass wir so früh ausgeschieden sind. Aber das Wichtigste ist, dass niemandem etwas passiert ist", sagte Capello.

"Ich habe mir echte Sorgen um Allan und die Zuschauer gemacht", so Capello, "man denkt, dass die Auslaufzonen groß genug sind, aber selbst dieses riesige Kiesbett hat hier nicht gereicht."

In Le Mans gibt es regelmäßig Unfälle. Dort hatte sich unter anderem der schwerste im Motorsport überhaupt ereignet. Am 11. Juni 1955 hatte es einen Crash zwischen dem Engländer Mike Hawthorn und Pierre Levegh gegeben. Daraufhin waren Teile des Fahrzeugs des Franzosen auf die Haupttribüne geflogen. 84 Menschen starben damals, auch Levegh war unter den Opfern.

chp/ach/dpa/sid



insgesamt 7 Beiträge
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guylux 12.06.2011
1. Erleichterung
Zitat von sysopErleichterung statt Freude: Mit Tränen in den Augen hat Audi-Schlussfahrer Benoit Treluyer den Triumph seines Teams beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans kommentiert. Zuvor hatten seine Kollegen Mike Rockenfeller und Allan McNish schwere Unfälle überlebt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,768120,00.html
gab es als bekannt wurde , dass keiner der beiden verunfallten Audi Fahrer verletzt war , 10 Stunden danach gab es über den Sieg nur Freude , auch bei Benoit Tréluyer der überhaupt nicht Schlussfahrer war !
modulaire 12.06.2011
2. Titel
Da wollte ich gerade loslegen und mich über den Titel dieses Artikels beschweren - kann ich mir aber teilweise sparen, weil meine Vorredner das bereits erledigt haben. Es ist nicht das Erste mal, dass Titel und Einleitungen auf SpiegelOnline einen Sachverhalt andeuten, der dann im Artikel (und der Realität) nicht wieder zu finden ist. Etwas weniger Sensationalismus und mehr Sachlichtkeit würde den Redakteuren gut tun... wir sind hier nicht bei BILD.de, oder?!?!
heinz4444 12.06.2011
3. xy
Liebe SPON Zensoren, wenn ihr schon die Reaktionen auf falsche Fakten in eurer Gechichte löscht,dann solltet ihr wenigsten endlich einmal auch den Grund dieser Reaktionen richtigstellen. Der Schlußfahrer heißt LOTTER! So viel Ehre sollte schon sein!
brille007 12.06.2011
4. .
Zitat von heinz4444Liebe SPON Zensoren, wenn ihr schon die Reaktionen auf falsche Fakten in eurer Gechichte löscht,dann solltet ihr wenigsten endlich einmal auch den Grund dieser Reaktionen richtigstellen. Der Schlußfahrer heißt LOTTER! So viel Ehre sollte schon sein!
auch das ist nicht ganz richtig: Er heisst André *Lotterer*
max.flügelschmied 12.06.2011
5. Schade
Zitat von sysopErleichterung statt Freude: Mit Tränen in den Augen hat Audi-Schlussfahrer Benoit Treluyer den Triumph seines Teams beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans kommentiert. Zuvor hatten seine Kollegen Mike Rockenfeller und Allan McNish schwere Unfälle überlebt. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,768120,00.html
Also es ist nicht richtig, dass in Le Mans nicht gefreiert wurde. Wer die Übertragung auf Eurosport gesehen hat konnte dies sehen. Weiter ist dies auch von der Sicherheit für Audi ein großer Triumph. Ich verstehe nicht warum man das bei SPON nicht wahr nimmt. Audi hat mit 13 Sekunden Vorsprung gewonnen. Das Rennen war packend. Ein Formel 1 Rennen ist dagegen nichts. Würde es bei dem Rennen keine Unfälle geben würde überhaupt nicht berichtet. Ich finde das schade.
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