3. Runde Augusta vom Winde verweht

Bei Regen und tückischen Sturmböen musste nicht nur Bernhard Langer wertvolle Schläge in der dritten Runde bei den Masters lassen. Einzig der wiedererstarkte Tiger Woods und der in Führung liegende Vijay Singh konnten den Naturgewalten trotzen.


Bernhard Langer: "Eine Murmel mit dem Hammer"
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Bernhard Langer: "Eine Murmel mit dem Hammer"

Augusta - Golfprofi Bernhard Langer hat in der unbarmherzigen Windlotterie von Augusta die Niete gezogen. "Ich spiele hier seit 18 Jahren, aber das waren die schwierigsten Bedingungen, unter denen ich jemals angetreten bin", stöhnte der Anhausener, der nach Abschluss der dritten Runde mit 217 Schlägen (71+71+75=217) Elfter war. Langer lag mit acht Schlägen Rückstand fast aussichtslos hinter den führenden Vijay Singh (Fidschi/209) und David Duval (USA/212) zurück.

Unterdessen zeigte der früher gestartete Tiger Woods erstmals im Turnierverlauf seine Krallen. Nach zwei schwachen Auftaktrunden etablierte sich der Weltranglistenerste mit einer 68er-Runde und dem vorläufigen sechsten Platz wieder in der Spitzengruppe und könnte am Sonntag mit dem größten Comeback in den Annalen des Turniers ein weiteres Mal Geschichte schreiben.

Es war nicht der Tag des Bernhard Langer, der schon vor seinem ersten Abschlag im Regen stand. Als sich der Himmel öffnete, trotzte der Deutsche noch mit stoischer Ruhe den Naturgewalten, bereitete sich in aller Ruhe auf der Driving Range auf seinen Arbeitstag vor. "Hoffentlich stürmt es ordentlich, da bin ich am besten drauf. Bei schönem Wetter können alle gut spielen", hatte er geunkt, doch sein gut gemeinter Wunsch sollte ihm bald im Halse steckenbleiben.

Bis zu 80 km/h starke Sturmböen und ein Temperaturabfall von knapp 20 Grad sorgten dafür, dass nicht nur Langers Bälle in schöner Regelmäßigkeit meterweit vom Ziel entfernt landeten. "So etwas habe ich nicht einmal bei den British Open erlebt", wunderte sich der Südafrikaner Ernie Els. Golf-Legende Jack Nicklaus begründete die mit 81 Schlägen schlechteste seiner 155 Masters-Runden mit "dem Gefühl, als ob ich eine Murmel mit dem Hammer geschlagen hätte."

Für Langer resultierten die widrigen Bedingungen im vorläufigen Ende seiner Masters-Träume. Schon zur Hälfte seiner Runde hatte er sich mit einem Doppel-Bogey am achten Loch sowie drei weiteren Bogeys am zweiten, fünften und siebten Loch ins sportliche Abseits manövriert, das innerhalb von drei Tagen zweite Eagle am 13. Loch war da bestenfalls Ergebniskosmetik. "Man darf aber nicht alles auf die Bedingungen schieben," übte sich der Schwabe in Selbstkritik, "ich habe einige strategische Fehler gemacht. So etwas sollte mir eigentlich nicht passieren." Dennoch hob sich der zweimalige Masters-Gewinner mit einem Anflug von Kampfgeist für den Schlusstag einen Funken Hoffnung auf: "Dann sind wieder Stürme angesagt. Wer weiß, was noch alles passiert.

"Alle redeten vom Wetter, Vijay Singh meisterte es. "Für einen Masters-Sieg würde ich selbst im Schnee spielen," sagte der ehemalige German-Open-Gewinner, der beste Chancen hat, am Sonntag vom am Cut gescheiterten Vorjahressieger Jose Maria Olazabal (Spanien) das grüne Siegerjackett übergestreift zu bekommen.

Dass er dabei einen furiosen Endspurt von Tiger Woods wird abwehren müssen, scheint nach dessen Gala vom Samstag mehr als wahrscheinlich. "Alle hatten mich abgeschrieben, doch ich bin noch nicht tot", sagte der 24-Jährige, der am berühmten "Amen Corner" ein "Attentat" der besonderen Art überstand. Als er dort zu einem Chip ansetzte, landete ein verunglückter Schlag vom nebenan gelegenen "Augusta Country Club" direkt vor seinen Füßen. Woods nahms mit Humor, ließ den Ball aber unberührt. "Es war nicht meine Marke."



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