35. America's Cup Warum der Oracle-Milliardär unbedingt in Bermuda segeln will

Erstmals in der Geschichte des America's Cup wird die Regatta nicht im Land des Titelverteidigers ausgetragen: Das US-Team entschied sich für Bermuda - warum eigentlich?

AmericasCup

Es gibt Menschen, die dieses Rennen für das größte Comeback in der Sportgeschichte halten: Im September 2013 lag das US-Segelteam Oracle beim prestigeträchtigen America's Cup in der Bucht von San Francisco 1:8 gegen Neuseeland zurück. Am Ende, nach 15 nervenaufreibenden und spektakulären Renntagen, gewann der Herausforderer doch noch 9:8. Zuschauer auf der ganzen Welt fieberten mit, nie zuvor hatte der Segelsport so viel Aufmerksamkeit bekommen.

Der knappe Sieg des von US-Milliardär Larry Ellison gesponserten Teams sorgte dafür, dass der 70-Jährige Ort, Zeit und Modalitäten der kommenden Regatta um die älteste Sporttrophäe der Welt festlegen durfte. Schnell war klar: Im Sommer 2017 soll mit dem AC62, einer um zehn Fuß verkürzten, aber ebenso schnellen Version der fliegenden Katamarane des jüngsten Rennens, gesegelt werden. Fünf ernsthafte Herausforderer aus England, Schweden, Italien, Frankreich und Neuseeland haben sich angemeldet - mehr als erwartet, denn das Budget für eine konkurrenzfähige Herausforderung wird auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Es folgte ein zäher Bieter-Wettstreit der möglichen Austragungsorte, dabei war San Francisco schnell aus dem Rennen. Das Starkwindrevier war extrem wichtig für den Erfolg des Cups, aber die finanziellen Zugeständnisse reichten nicht aus. Auch Chicago und San Diego blieben auf der Strecke. Die Verteidiger entschieden sich für das britische Überseegebiet Bermuda.

Bislang war es unvorstellbar gewesen, dass ein US-Team die Trophäe nicht im eigenen Land verteidigt. Doch seit Ellison als zweifacher Sieger die Regeln bestimmt, sind die Traditionen der 163 Jahre alten Regatta nicht mehr so wichtig. Wenngleich der Multimilliardär es abstreitet: Der Standort als Steueroase und ein 77Millionen-Dollar-Paket für Investitionen rund um das Rennen dürften dabei eine nicht ganz untergeordnete Rolle gespielt haben.

Das sind die wichtigsten Eckdaten zum Segelrevier in Bermuda:

Segelrevier Bermuda: Durchschnittliche Windstärke von 12 Knoten
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Segelrevier Bermuda: Durchschnittliche Windstärke von 12 Knoten

  • Zeitzone: Das britische Überseegebiet Bermuda liegt im Sommer vier Stunden hinter Europa zurück, das funktioniert für die Mehrzahl der wichtigen TV-Anstalten besser als die neun Stunden von San Diego oder San Francisco.

  • Windstatistik: In Bermuda sollen keine Rennen ausfallen wie 2007 in Valencia. Auch im vergangenen Jahr gab es Verschiebungen, weil das nach dem tödlichen Kenterunfall eingeführte obere Windlimit Probleme machte. Bermuda dagegen weist im relevanten Zeitraum vom 20. Juni bis 23. Juli eine durchschnittliche Windstärke von zwölf Knoten (vier Windstärken) auf. Das liegt an der Insellage: Über dem Wasser wird die Luftbewegung wegen der geringeren Reibung weniger abgebremst als über großen Landflächen. Oracle-Skipper James Spithill hebt zudem die Variabilität der Windrichtung hervor, das erzeuge "viele Überholspuren" und viel Spannung.

  • Erfahrungswerte: Viel ist über die Rennstrecke nicht bekannt, obwohl dort alljährlich der Bermuda Gold Cup, das renommierteste Match-Race der Welt, stattfindet. Die Wetterstrategen der Teams werden sich ab sofort intensiv mit dem Kurs beschäftigen, um die Konstrukteure der Teams mit Details zu füttern. Diese tüfteln längst an den neuen Designs der Katamarane.

  • Unterbringung: Anders als in San Francisco gibt es Platz für eine zentrale Basis, in der alle Teams nebeneinander residieren können, ähnlich wie in einer Boxengasse der Formel 1.

  • Vorbereitung: Die 65.000 Einwohner Bermudas feierten den Zuschlag mit einem Triumphzug durch die Straßen der Hauptstadt Hamilton, doch sie müssen sich noch bis kommenden Oktober gedulden, ehe der America's Cup ihre Insel ansteuert. Dann werden zunächst die kleineren, einheitlichen AC45-Flug-Katamarane zum Einsatz kommen. Insgesamt sind 2015 vier Vorregatten in England, Schweden, Bermuda und einem noch nicht benannten Ort geplant. Erst 2017 werden die großen Sportgeräte im Wettkampf rund um die Insel getestet.



insgesamt 15 Beiträge
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happy2010 31.12.2014
1.
Ekelhaft, schon wieder eine Steueroase, die dankt Abzocke die Industriestaaten näher an Staatsbankrott bringt. Wieviele Millirden Gelder wandern nur deswegen aus den Industriestaaten ab, deren Bürger das ganze finanzieren, und deren Staaten nichts davon erhalten
powerranger 31.12.2014
2. wirklich
ein hochqualifizierter Beitrag, happy 2010. Bist wohl ein Neidhammel. Es ist doch völlig wurst, wo das Rennen ausgetragen wird. Hauptsache der Wind stimmt.
Stäffelesrutscher 31.12.2014
3.
Zitat von happy2010Ekelhaft, schon wieder eine Steueroase, die dankt Abzocke die Industriestaaten näher an Staatsbankrott bringt. Wieviele Millirden Gelder wandern nur deswegen aus den Industriestaaten ab, deren Bürger das ganze finanzieren, und deren Staaten nichts davon erhalten
Herzlichen Dank dafür an Mrs. Thatcher und Mr. Blair.
goedeking1 31.12.2014
4. 51 qm
("rund um die 51 Quadratmeter große Atlantik-Insel") sind vielleicht doch zu klein, da sind schon die Boote größer!
grayman 31.12.2014
5. Der Herausforderer gewann ?
Das wäre doch Neuseeland gewesen... Oracle Racing war Verteidiger, deswegen ja auch SFO als Ort und gewann dann auch ...
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