73. Golf-Masters in Augusta Deutsche putten sich ins Aus

Aus und vorbei für die deutschen Teilnehmer: Martin Kaymer und Bernhard Langer sind beim 73. Golf-Masters in Augusta ausgeschieden. Turnierfavorit Tiger Woods konnte bislang nicht überzeugen - gibt sich aber noch nicht geschlagen.

Von Petra Himmel, Augusta


Martin Kaymer ist ins Grübeln geraten. Er sucht nach Fehlerquellen, Änderungsmöglichkeiten. Die Antwort auf sein Problem hat er noch nicht gefunden. Das Problem ist am Donnerstag und Freitag bei der 73. Masters im Augusta National Golf Club in Georgia sehr deutlich geworden: Sein Putten war verglichen mit der Konkurrenz unterdurchschnittlich. "Ich weiß nicht wie viele Putts ich gemacht habe, aber es waren auf jeden Fall zu viele", klagte der 23-Jährige nach seiner 76er Runde und einem Gesamtergebnis von vier über Par. Addiert ergaben sich für Kaymer 64 Putts über zwei Runden, zwölf mehr als beim Führenden Chad Campell. Der US-Amerikaner liegt wie sein Landsmann Kenny Perry mit 135 Schlägen bei neun unter Par. Titelverteidiger Trevor Immelman aus Südafrika ist mit 145 Schlägen 42.

Tiger Woods belegt mit 142 (70+72) Schlägen zur Halbzeit des ersten Major-Turniers 2009 den geteilten 19. Platz. "Ich muss einfach etwas besser spielen als ich es heute getan habe", sagte Woods, der nach einer Knieoperation lange pausiert hatte und erst Ende Februar wieder auf die Tour zurückgekehrt war. Woods, der um 19.05 Uhr MESZ zusammen mit dem Briten Graeme McDowell zur dritten Runde starten wird, war vor allem mit seinem Putten unzufrieden. "Ich brauche mehr Treffer", so Woods.

Putten, so meint man, kann so entscheidend gar nicht sein. Diese winzigen, kleinen Schläge, die den Ball manchmal nur über zwanzig Zentimeter bewegen, machen optisch nicht viel her, werden vom Beobachter verglichen mit dem Abschlag meist als zweitrangig bewertet.

Keine Frage: Wer Kaymer am Abschlag beobachtet, kommt um Bewunderung nicht herum. Der Deutsche nimmt der Konkurrenz an jedem Loch ein paar Meter Länge ab, trifft die Spielbahn sauber in der Mitte, leistet sich trotz böigen Windes kaum einen Fehler. Driven ist schon immer seine Stärke gewesen.

Fügt sich sein exzellentes langes Spiel an einem glücklichen Tag mit guten Putts zusammen, ist Kaymer immer ein Kandidat für den Sieg. Dann kann er problemlos ganz tiefe Runden schießen, Platzrekorde aufstellen, Turniersiege wie im vergangenen Jahr in Abu Dhabi und München erzielen.

Solche Turniere sind es gewesen, die den Deutschen innerhalb kurzer Zeit 2007 auf die PGA European Tour aufsteigen ließen, ihn ein Jahr später zum besten Tourneuling machten, ihn in der Weltrangliste auf einen Rang unter den Top 50 katapultierten. Nach all diesen Karrieresprüngen ist Kaymer jetzt in einer Phase der kleinen Schritte angelangt.

Auf der PGA European Tour ist er etabliert, in der Weltrangliste wird er auf Rang 20 geführt, immerhin hat er auch in dieser Saison bereits einen Top-3-Rang in Dubai geholt. Im Vergleich mit der Weltelite aber, die er entweder bei den Turnieren der World Tour oder bei einem Major wie in Augusta National trifft, bleibt Kaymer erst einmal Durchschnitt, auch wenn ihm sein Management stets Weltstar-Qualitäten attestiert.

Erfreulicherweise ist der ruhige Kaymer ohnehin kein Mensch, der schnell Starallüren entwickelt. Und so fällt seine Bilanz nach dem verpatzten Cut in Augusta denn auch sehr realistisch aus. "Ich habe im vergangenen Jahr hier schon sehr schlecht geputtet und jetzt wieder, da werde ich wohl etwas ändern müssen", so Kaymer, dem es zumindest etwas besser erging als dem zweiten deutschen Teilnehmer. Bernhard Langer verpasste den Cut sogar um fünf Schläge: Der zweimalige Masters-Sieger (1985 und 1993) hatte seiner 70er-Auftaktrunde eine 80 am Freitag folgen lassen.

Ein Allheilmittel tut sich aber gerade beim Putten nur schwer auf. Die kürzesten Schläge beim Golfspiel erfordern eine gänzlich andere Technik als die langen Varianten, sie kitzeln das Gefühl für einen Putt aus einem Spieler heraus und belohnen in der Regel auch eine positive mentale Herangehensweise an einen Putt.

Kaymer hat es inzwischen aufgegeben, sich bei der Suche nach der Optimierung seines kurzen Spiels ganz auf das eigene Gefühl zu verlassen und hat stattdessen Phil Kenyon als Putttrainer verpflichtet. Das erste Treffen hat Änderungen an Stand und Haltung gebracht - doch das dabei entwickelte gute Gefühl für den Putt war in Augusta eben wieder dahin. Das ärgert Kaymer schon deshalb, weil er seine Winterpause ganz stark auf das Training des kurzen Spiels ausgerichtet hatte. "Man fragt sich dann schon, wofür man das dann die ganze Zeit gemacht hat", resümiert er am Freitag. Andere Spieler verpflichten in solchen Situationen gerne einen Mentaltrainer, um das Problem weniger von der technischen denn von der psychologischen Seite anzugreifen.

Kaymer aber, geradlinig, direkt, strukturiert, ist ein Mensch, der gut mit klaren Trainingsprogrammen und Übungsinhalten umgehen kann, der Psychoansatz sagt ihm wenig. "Ein mentales Problem ist das nun wirklich nicht", wiegelt er die Diskussion um einen Mentaltrainer denn auch schnell ab.

Angekommen in den Top 20 der Welt, etabliert unter den Besten der Welt, hat sich Deutschlands bester Golfspieler inzwischen an den Umgang mit Spitzenspielern wie Phil Mickelson oder Tiger Woods gewöhnt, den Medienzirkus um seine Person kennengelernt, die größten Turniere der Welt zumindest einmal bestritten.

Jetzt, wo die äußeren Einflüsse auf sein Golfspiel anfangen, etwas normaler zu werden, kommt Kaymer verstärkt auf sein eigenes Spiel zurück. Er muss feststellen, dass die Unterschiede zwischen seinem langen Spiel und seinem Putten zu groß sind. Mit 2+ benotet er seine Drives, mit 3- bis 4+ sein Putten. Dass diese Differenz zu groß ist, um auch Majorsiege möglich zu machen, ist ihm wohl bewusst. In zwei Wochen wird er seinen Puttrainer wieder treffen. Irgendetwas muss anders werden. Wenn Kaymer nur schon wüsste, was.



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.