Abgesagter Boxkampf "Walujew ist der größte Feigling"

Kampf abseits des Rings: Ruslan Tschagajews Promoter Klaus-Peter Kohl hat nach der Absage des WBA-Titelkampfs Boxer Nikolai Walujew verhöhnt und mit rechtlichen Schritten gedroht. Walujews Promoter Don King will seinen Schützling dagegen kampflos zum Weltmeister erklären lassen.

Hamburg - "Nikolai Walujew ist nicht nur der größte Boxer, er ist auch der größte Feigling", sagte Universum-Promoter Klaus-Peter Kohl auf einer Pressekonferenz am Montag nach dem abgesagten Kampf um die WBA-WM im Schwergewicht zwischen Ruslan Tschagajew und Nikolai Walujew aus dem Stall von Promoter Wilfried Sauerland. "Walujew jagt Wildschweine, aber er hat Angst vor einem Piks", so Kohl, "mit einer Impfung hätte der Kampf auf jeden Fall stattfinden können."

Universum-Chef Kohl: Schwere Vorwürfe gegenüber Nikolai Walujew

Universum-Chef Kohl: Schwere Vorwürfe gegenüber Nikolai Walujew

Foto: DPA

Tschagajew ist seit Jahren als "Hepatitis-B-Anti-Gen-Träger" bekannt. Vor dem Kampf hatten die Mediziner des finnischen Profibox-Verbandes, der als Ausrichter fungierte, Tschagajew verboten zu boxen, weil sie der Meinung waren, der Usbeke könne seinen russischen Gegner Nikolai Walujew mit Hepatitis B infizieren.

"Tschagajew ist dennoch gesund und seine Krankheit nicht ansteckend. Es besteht und bestand nie eine Gefahr für Dritte", sagte Heiner Wedemeyer, Generalsekretär Deutsche Lebergesellschaft, der als Experte auf dem Gebiet von Lebererkrankungen in Deutschland gilt. Michael Ehnert, der Arzt von Universum Box-Promotion sagte: "Als Ruslan vor zwei Jahren zum ersten Mal gegen Nikolai gekämpft hat, waren die Werte identisch."

Mit einer Impfung hätte hundertprozentige Sicherheit für Walujew hergestellt werden können. Dem 2,13 Meter langen Russen wurde eine Bedenkzeit eingeräumt, ob er sich impfen lassen wolle. Eine Entscheidung des 35-Jährigen wurde aber in Helsinki nicht mehr mitgeteilt, so erfolgte in der Nacht vor dem am Samstag geplanten Kampf die Absage.

Auch der deutsche Ringarzt Walter Wagner, der bei Sauerland-Veranstaltungen immer zugegen ist, hatte erklärt, Tschagajew könne boxen. Die Intervention des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB) nützte ebenfalls nichts. "Dieser Kampf hätte stattfinden müssen", sagte BDB-Präsident Bodo Eckmann, "wir haben seit Mittwoch gebetsmühlenartig mit dem finnischen Verband gesprochen, aber der hat versäumt, sich kundig zu machen."

Sauerland wies den Verdacht, er habe eine Absage billigend in Kauf genommen, von sich: "Das ist absurd. Ich wäre doch verrückt, wenn ich freiwillig eine Kampfabsage riskieren würde. Wir haben durch die Absage eine halbe Million Euro verloren, weil die Versicherung bei Hepatitis B nicht zahlt." Don King, an Walujew zu 50 Prozent beteiligt, will die Absage zu seinen Gunsten nutzen: "Die WBA muss Walujew schleunigst und eindeutig zum alleinigen Champion erklären", so King.

Tschagajew war enttäuscht, als er die Nachricht von der Absage erfuhr. "Ich bin gesund und fit und verstehe nicht, warum ich nicht boxen darf", sagte der 30-Jährige: "Ich hoffe, dass die WBA so schnell wie möglich einen neuen Termin für den Kampf findet." Die WBA will nun innerhalb von sieben Tagen entscheiden, wie es weitergehen soll. Kohl hofft auf eine Neuansetzung.

Universum hat gleichzeitig bereits rechtliche Schritte gegen den finnischen Verband und Sauerland angedroht. "Der finnische Verband hätte laut WBA-Regeln vor einer Absage ein dreiköpfiges Ärztepanel hinzuziehen müssen", sagte Kohl, "das war ein klarer Regelbruch."

jar/sid
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