Achilles' Ferse Alles Banane

Guter Rat ist teuer. Schön, dass unser Expertenteam neuerdings sogar schon Ratschläge von Lesern bekommt. So muss unser Bananenfetischist Achim demnächst vielleicht umdenken, was die Ernährung vor Wettkämpfen betrifft.


Lieber Achim,

im Prinzip habe ich nichts dagegen, im Winter zu laufen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass gerade die Nieren auf längeren Strecken ziemlich auskühlen, weil sich auch der Schweiß hinten unten am Rücken sammelt. Ist das gefährlich, und was kann ich dagegen machen?
Besten Dank für die Hilfe, Ben

Bananenfetischist: Lutschen, Laufen, Labern
DDP

Bananenfetischist: Lutschen, Laufen, Labern

Lieber Ben,
Ihr Gefühl täuscht Sie. Die Nieren sind nach dem Gehirn die am Besten durchbluteten Organe im Körper, so dass ihre Temperatur auch unter Belastung an kalten Tagen konstant bleibt. Was allerdings bei langen Trainingseinheiten im Winter auskühlen kann, ist die Rückenmuskulatur. Dies erklärt die Beschwerden, die einige Sportler nach langen Läufen bei sehr niedrigen Temperaturen haben. Um die Auswirkung der Kälte zu reduzieren, gibt es mehrere Möglichkeiten: Ziehen Sie sich nicht allzu warm an, um eine übermäßige Schweißproduktion zu vermeiden. Achten Sie auf die richtige Kleidung (am besten sind Funktionstextilien, die den Schweiß rasch abtransportieren und eine Unterkühlung der Haut und der Muskulatur vermeiden). Planen Sie auch an windigen Tagen die Laufstrecke so, dass Sie am Anfang Rückenwind und am Ende des Trainings Gegenwind haben. Dadurch reduzieren Sie die Abkühlung durch den kombinierten Effekt von Schweiß und Wind. Und nach dem Training sofort abtrocknen und Ihr Dehnungsprogramm in einem warmen Raum durchführen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Ben,
mein Vater hatte früher im Winter einen Nierengurt aus Angorawolle, den er immer über dem Unterhemd trug. Das war weit entfernt davon, Reizwäsche zu sein, hielt aber warm. So etwas ähnliches gibt es im Fachhandel, natürlich zu halsabschneiderischen Preisen. Entweder dünn zum diskreten Druntertragen oder ziemlich dick. Radfahrer tragen diese schwarzen Klettverschlussgurte im Winter, Motorradfahrer sogar im Sommer. Es sieht furchtbar aus, fühlt sich komisch an, hält aber warm.
Ästhetisch verloren, Achim


Lieber Achim,
ich (24) laufe seit einem Jahr regelmäßig und habe jetzt meinen ersten Halbmarathon in Leipzig bestritten. Ich habe jedoch ständig Probleme mit der Achillessehne. Es zieht und ist sehr unangenehm. Ich war schon bei drei Ärzten und immer das gleiche: Entzündet, ich soll gut dehnen und Salbe vor und nach dem Sport verwenden. Das mache ich, doch das Ergebnis ist gleich Null. Ich war bereits in Spezialläden, hab mir empfohlene Schuhe gekauft und eine Laufbandanalyse gemacht. Mein Laufstil scheint recht gut zu sein. Was kann ich noch tun, damit es besser wird?
Dajan

Hi Dajan,
Salbe ist gut. Aber Du musst leider pausieren. Eine entzündete Achillessehne wird sonst chronisch krank. Leider darfst Du jetzt nur so wenig wie möglich Bewegung im Fuß haben. Erst wenn Du schmerzfrei bist, kannst Du wieder ans Laufen denken. Beginne dann auch unbedingt mit einem Kräftigungsprogramm der Füße und Waden, damit kannst Du eventuell die Achillessehne etwas entlasten.
Viel Erfolg, Jens Karraß


Hallo Achim,
ich habe erst 2005 mit 52 Jahren den Marathonlauf in Hamburg begonnen. Vor elf Tagen habe ich den zweiten Marathon in meinem Leben mit 4:02 Stunden beendet. Vorher habe ich den Frühstück-Tipp eines lauferfahrenen Mediziners zum Start angewandt: Zehn Stunden vor dem Start Nudeln mit Gemüse und Tomatensoße essen! Aber anstatt einer Frühstücks-Milch-Müslischale wie beim Erstlauf, habe ich diesmal eine mit Butter und Honig bestrichene große Vollkornbrotscheibe zum Frühstück zwei bis drei Stunden vor dem Start zu mir genommen. Und eine Viertelstunde vor Rennbeginn eine Banane gegessen. Das war bis Kilometer 30 ausreichend, dann habe ich die angebotenen Bananenstücke der Versorgungsstationen beim Laufen aufgelutscht.
Mit freundlichen Grüßen, Manfred

Lieber Manfred,
das ist wirklich total superinteressant. Aber was ist die Frage?
Ratlos eine Banane lutschend, Achim


Lieber Achim,
gibt es eine allgemein gültige Regel, wie oft man im Jahr einen Halb- beziehungsweise einen Vollmarathon laufen darf?
Stefan

Lieber Stefan,
die Topleute schaffen zwei, allerhöchstens drei Marathonläufe im Jahr. Die Vorbereitungen sind das Zeitraubende daran. Und die Marathons selbst so Kräfte zehrend, dass auch für die Erholung einige Wochen draufgehen - und schon ist das Jahr rum. Auch Volksläufern empfehle ich, nicht mehr als drei Marathons im Jahr zu laufen. Alles andere ist eine Verlagerung eines langen Trainingslaufs in einen City-Marathon. Also eher Training als Wettkampf.
Viele Grüße, Jens Karraß


Lieber Achim,
ich laufe vier Mal in der Woche, davon eine Langdistanz von ca. 25 Kilometern. Nun habe ich unterschiedliche Meinungen über den Sinn von Läufen über 15 Kilometern gehört: Mal heißt es, da würde stärker Substanz abgebaut, als Kompensation gefördert, ein anderes Mal, das wäre extrem wichtig für den Fettstoffwechsel. Mich würde nun interessieren, wie häufig man über längere Strecken trainieren darf, um immer noch eine positive Wirkung für seine allgemeine Fitness zu haben. Wie lang sollte die Distanz maximal sein?
Sven

Lieber Sven,
Bei einem richtigen Training wird nie Substanz abgebaut, egal wie lange die Läufe sind. Aber eine Strecke von mehr als 15 Kilometern ist nur sinnvoll, wenn man vorhat, an Wettkämpfen teilzunehmen. Bei längeren Distanzen bis hin zum Marathon sind die langen Trainingsläufe unentbehrlich.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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