Achilles' Ferse Alles Banane

Wer beim Hamburg-Marathon in gut vier Wochen etwas reißen will, muss einiges dafür tun. Nur was? Achim Achilles und dessen Mitstreiter verraten, wie der Lauf zwischen Reeperbahn und City Nord zu einem Erfolg wird.


Hallo Achim,

es heißt, dass man in der Marathon-Vorbereitung lange Läufe nicht umgehen kann. Wieso ist es notwendig, so extrem lange Läufe zu machen? Ich hab die Erfahrung gemacht, problemlos einen Marathon zu beenden, ohne vorher Läufe über 20 Kilometer zu absolvieren.
Martin aus Rüsselsheim

Hallo Martin,
problemlos ins Ziel zu laufen ist auch mit Walking-Stöcken möglich. Die Zielschlusszeiten sind gnädig hoch, so dass man die Strecke auch im Walkingschritt schafft (was allerdings auch geübt sein will). Wer aber den Marathon in vier Stunden schaffen will, der muss im Vorfeld auch ein ähnliches Lauftempo (sechs Minuten pro Kilometer) über drei Stunden trainieren. Das ist einfach so, daran führt kein Weg vorbei. Alles andere sind Ammenmärchen, Flunkereien, U-Bahnfahrten oder sehr, sehr ungesunde Experimente!
Besten Gruß, Jens Karraß

Marathon-Helden: Der Asphalt ruft
AP

Marathon-Helden: Der Asphalt ruft


Sehr geehrter Achim Achilles,
als engagierter Marathon-Amateur (Bestzeit unter 2:45 Stunden) habe ich bislang bei Wettkämpfen unterwegs Wasser und gegen Ende Cola (wegen der Kohlenhydrate) getrunken. Früh im Rennen beiße ich in ein paar Bananenstücken, später nicht mehr, um den Körper damit nicht zu sehr zu beschäftigen. Nun las ich in diversen Medien, dass reines Wasser beim Rennen nicht nur nicht zuträglich, sondern sogar schädlich sei, weil es Mineralien ausschwemmt. Auch ist mir aufgefallen, dass die richtig schnellen Damen und Herren während eines Rennens nie Bananen zu essen scheinen. Nun die Frage: Soll man zusätzlich Salze statt Zucker zu sich nehmen? Wie viele Bananen, soll man, wenn überhaupt, wann essen?
Danke, Dirk

Lieber Dirk,
wie so oft im Leben, kommt es mit den Getränken beim Marathon auf die Menge an. Beim Schwitzen verlieren Sie nicht nur Wasser, sondern auch Mineralien. Wasser in großen Mengen kann deswegen zu einer Art "Blutverdünnung" führen, wobei die Konzentration der Salze verändert wird. Dieses Problem ist besonders relevant bei großer Hitze, wenn die Teilnehmer mehrere Liter Flüssigkeit zu sich nehmen und an der Strecke nur Wasser angeboten wird. Die zu geringe Natrium-Menge im Blut kann zu Beschwerden führen. Eine zu hohe Menge an Mineralien oder Traubenzucker kann andererseits Magenkrämpfe und Übelkeit bewirken. Deswegen muss man im Training alles testen, auch Lebensmittel. Eine Banane ist ja nicht anders als die Urform des Müsliriegels. Um an die Kohlenhydrate zu kommen, muss die Banane zuerst zerlegt, verdaut und aufgenommen werden. Dieser Prozess nimmt beim Laufen eine längere Zeit im Anspruch, denn der Magen-Darm-Trakt wird weniger durchblutet und ist deswegen unteraktiv. Deswegen machen Bananen und andere komplexe Kohlenhydratenquellen für schnellere Läufer, die drei Stunden oder weniger benötigen, wenig Sinn: Die Kohlenhydrate werden erst im Ziel in die Muskel gelangen. Deswegen greifen sie, wenn überhaupt, zu konzentrierten Kohlenhydrate-Lösungen oder Gels zurück.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ich laufe seit Jahren regelmäßig und habe auch schon einige wenige Marathonläufe erfolgreich hinter mich gebracht. Beruflich bin ich leider sehr eingebunden, so dass ich oft nur auf 40 bis 60 Kilometer in der Woche komme. Gerne würde ich in diesem Jahr auch mal längere Läufe ausprobieren (50 oder 65 Kilometer). Wie sollte ich das Training gestalten um diese Läufe solide zu absolvieren?
Grüße, Jochen

Hallo Jochen,
das sind ja Sachen, die Du da vorhast. Brauchst Du den Superkick? Spaß und Runner's High kommt doch auch schon bei 20 Kilometern. Aber wenn es Deine Passion ist, Ultraläufe zu machen, dann steigere langsam. Und nimm Dir an Wochenenden ein zweimaliges Training pro Tag vor. Morgens 20 und abends noch mal 15 Kilometer. Daran siehst Du schon, wie schwer das Training wird. Irgendwann schaffst Du Deine 65 Kilometer an einem Tag – bei zwei Trainingseinheiten. Und dann bist Du, nach einer Unmenge von Kohlenhydrat-Zufuhr bereit, diese 65.000 Meter anzugehen. Das muss man wirklich lieben!
Viel Spaß, Jens Karraß

Lieber Achim,
als ehemaliger Leichtathlet, der nach fünf Jahren Job einen Bürobauch bei sich feststellte, laufe ich seit einem Jahr wieder regelmäßiger. Ich bin im Juni 2005 einen Halbmarathon in 1:53 Stunde und den Berlin-Marathon mit zehn Wochen Training in 4:05 Stunden gelaufen. Der Bauch ist wieder ganz okay. Im April will ich einen Halbmarathon unter 1:50 laufen, im Juni noch mal in Hamburg etwas schneller und dann im September den Berlin-Marathon unter vier Stunden. Wegen meines Jobs schaffe ich es aber nur, drei Mal pro Woche zu trainieren. Ist das zu schaffen? Oder sind meine Ziele zu heftig?
Viele Grüße, Volker

Hi Volker,
so wie bei vielen anderen nimmt die Leistungsfähigkeit auch bei geringem Training von drei Mal Laufen in der Woche zu. Deshalb denke ich, dass Du Dich auch mit dem gleichen Training weiterhin steigern wirst. Nur für den Berlin-Marathon musst Du Dir schon etwas mehr Zeit nehmen. Die drei bis vier Monate davor sollten schon im Zeichen des langen Ritts in Berlin stehen. Nur so macht der Marathon richtig Spaß, und nur so wirst Du unter vier Stunden bleiben. Vier bis fünf Mal pro Woche solltest Du wirklich laufen, um Dein Ziel zu erreichen.
Viel Glück, Jens Karraß

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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