Achilles' Ferse Barfuß gegen Übermüdung

Diese Meldung ließ die Läufer weltweit aufhorchen. Extrem intensives, aber kurzes Training bringt genauso viel wie lange Ausdauerübungen. Doch was sagen unsere Experten? Achim Achilles & Co. haben keine guten Nachrichten für alle Schmalspur-Athleten. Immerhin entwickelt sich der Schuhmarkt positiv.


Langstreckenläufer (in Düsseldorf): Alles für die Katz?
DPA

Langstreckenläufer (in Düsseldorf): Alles für die Katz?

Lieber Achim, lieber Doc Dimeo, lieber Jens Karraß,

vor kurzem war bei SPIEGEL ONLINE folgendes zu lesen: Kanadische Forscher haben festgestellt, dass sechs Minuten knallhartes Training für Kraft und Ausdauer effektiver seien als eine Stunde normales Joggen. Was ist davon zu halten? Müssen wir alle unser Training umstellen?
Verunsichert, Norbert

Lieber Norbert,
ich persönlich bekäme Probleme mit dem Knochenapparat, mit Sehnen, Knöcheln und Knien, wenn ich dreimal die Woche volle Kante bolzen sollte. Vermutlich würden sich bei mir auch Übermüdungserscheinungen zeigen. Aber spannend ist das Ergebnis schon. Doc Dimeo hat sich die Studie besorgt und kommentiert sie hier, ebenso Jens Karraß. Am Ende der Saison werde ich das aus Spaß einfach mal ein paar Wochen versuchen. Sollte ich einen Ermüdungsbruch kriegen, kann ich mich immer noch in die Polar-Gebrauchsanweisung versenken.
Gruß, Achim

Hallo Norbert,
die Leute haben 14 Tage an der Studie teilgenommen und dreimal die Woche exakt das trainiert, was am Ende rauskommen sollte: eine erhöhte Leistungsfähigkeit auf dem Rad. Die Wahrheit würde in zwei weiteren Wochen folgen, wenn sie so weiter trainieren. Die Ausdauerfähigkeit würde mehr und mehr abnehmen, und nach sechs Wochen wären die anderen wieder vorne. Bei allem Respekt vor der Wissenschaft: Vergiss den Scheiß!
Besten Gruß, Jens Karraß

Lieber Norbert,
ich habe die Studie im Original gelesen. Die Befunde sind unglaubwürdig. Nach sechs Sitzungen, insgesamt 15 Minuten Training verteilt über zwei Wochen, war die Ausdauer verdoppelt. Das ist Wissenschaft nach Erich von Däniken. Für die Ergebnisse gibt es zwei mögliche Antworten. Erstens: die schwindeln, zweitens: Die Befunde haben andere Erklärungen. Die Studie zeigt keinesfalls, dass dieses kleine Programm besser als ein richtiges Ausdauertraining ist. Der wichtigste Indikator für Ausdauer (die maximale Sauerstoffaufnahme) blieb bei beiden Gruppen unverändert. So gesehen, brachte das Training für die Ausdauer nichts. Die Autoren behaupten, die Trainingsgruppe konnte eine submaximale Belastung eine längere Zeit aushalten. Aber dies bedeutet nicht unbedingt eine bessere Ausdauer. Sie haben viele wichtige Parameter nicht gemessen (etwa Puls, Grad der Anstrengung oder Laktatkonzentration). Vielleicht hörten die Probanden beim ersten Test bei einem Puls von 160 pro Minute und beim zweiten Test erst bei einem Puls von 190 pro Minute auf. Vielleicht haben die Menschen in der Trainingsgruppe nach zwei Wochen nur gelernt, dass es auch weiter geht, wenn sie sich sehr müde fühlen. Die Befunde sind interessant, weil sie zeigen, dass bereits durch ein kleines intensives Programm Verbesserungen entstehen. Sie haben aber keine praktische Relevanz für die Trainingslehre. Bleib beim Joggen.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
eine namhafte US-amerikanische Firma bietet Schuhe an, die angeblich ein Gefühl wie Barfußlaufen vermitteln. Hast du die schon ausprobiert? Kann man damit ganz normal eine Stunde oder länger laufen wie ein Kenianer?
Herzlichen Gruß, Dieter

Lieber Dieter,
ich habe die Treter im Laden mal für ein paar Minuten am Fuß gehabt und muss sagen: wirklich ein völlig anderes Gefühl. Ich brauche zum Glück keinerlei Stützen oder Stabilisierungen im Schuh und dennoch ist da erstmal diese Unsicherheit und Wackeligkeit. Fairerweise sagen die Verkäufer, man soll sich langsam an den Schuh gewöhnen, erstmal nur ein paar Minuten darin gehen und langsam immer mehr. Selbst dann ist Muskelkater in Fuß und Wade garantiert. Grundsätzlich ist jede Abwechslung ja sehr gut für das komplizierte Kunstwerk namens Fuß. Ich habe mir im Internet jetzt mal ein Modell zusammengebaut und werde beizeiten berichten. Ein Rennen würde ich damit allerdings (noch) nicht laufen.
Gruß, Achim


Hallo Achim,
mich würde interessieren, ob ich an meinem Training noch Optimierungen vornehmen kann? Zyklus: drei- bis viermal wöchentlich (1 Tag Training, 1 Tag Pause, abwechselnd) 30 Minuten Body-Workout zu Hause (Klimmzüge, Bauch, Rücken, Schulter, Brust, Armtraining und Oberschenkel), danach sieben Kilometer Laufen (etwa 36 Minuten). Bei gutem Wetter tausche ich das Joggen ab und zu auch mal gegen 45 Minuten Radfahren. Nach diesem Programm bin ich erschossen. Von der Puste her habe ich keine Probleme beim Laufen, aber ab der Hälfte der Strecke machen meine Muskeln schlapp. Ich würde mich sehr über eine Antwort freuen.
Mit freundlichen Grüßen, Ren

Lieber Ren,
behalte bitte deine Routine bei. Regelmäßige Kräftigungsübungen sind das I-Tüpfelchen für einen tollen Körper und eine gute Haltung. Das beeinflusst auch das Laufen sehr positiv. Der Trick ist nur folgender: Trainiere genau umgekehrt: erst laufen und dann nach kurzer Dehnung an die Übungen. Du wirst sehen, so läuft es viel besser.
Gruß, Jens Karraß



insgesamt 1475 Beiträge
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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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