Achilles' Ferse "Barfußlaufen macht schneller"

Wer öfter mal die Schuhe auslässt, beugt Verletzungen vor und wird leistungsstärker - sagt Dr. Matthias Marquardt. Im Interview mit Achim-Achilles.de erklärt der Sportmediziner, warum Unten-ohne-Laufen zu jeder Wettkampfvorbereitung dazu gehören sollte.
Training ohne Schuhe: Kräftigt die Muskulatur in den Füßen

Training ohne Schuhe: Kräftigt die Muskulatur in den Füßen

Foto: Jeff Brass/ Getty Images

Frage: Herr Marquardt, Sie empfehlen Läufern, die Schuhe im Training ab und an auszuziehen. Warum?

Marquardt: Viele Läufer beschränken sich darauf, Oberschenkel, Gesäß und Waden zu trainieren. Doch wer richtig schnell werden will, braucht kräftige Füße und muss diese entsprechend trainieren, etwa durch Barfußlaufen.

Frage: Barfußlaufen hilft also zur Wettkampfvorbereitung?

Marquardt: Unbedingt. Wir haben vier Muskeln, die uns abdrücken beim Laufen: Gesäßmuskel, Oberschenkel-Strecker, die Waden-Muskulatur sowie die Strecker im Fuß, die bis in die Zehenspitzen reichen. Die sportliche Leistung wird durch das schwächste Glied in der Kette bestimmt und nicht durch die drei stärksten Glieder - daher sollte man keine Muskelgruppe vernachlässigen. Außerdem gilt die alte Regel: Ein Läufer, den man unverletzt durch die Saison gebracht hat, wird von alleine schneller.

Frage: Wer die Schuhe mal weglässt, läuft also auch verletzungsfreier?

Marquardt: Vorausgesetzt, dass man das Barfußlaufen sorgfältig und langsam beginnt, ist ein gut gekräftigter Fuß die beste Versicherung gegen Fersensporn und Achillessehnenentzündungen. Das Barfußlaufen setze ich auch gerne als letzten Therapieversuch bei Patienten ein, die unter Schienbeinkantensyndrom leiden. Chronisch verletzte Athleten wurden so über monatelanges, strukturiertes Training wieder fit.

Frage: Wie beginnt man am besten mit dem Barfußtraining?

Marquardt: Läufer sollten sich wenigstens zwölf Wochen Zeit nehmen, um ganz behutsam ins Training einzusteigen. Dazu habe ich Trainingspläne  entwickelt. Wenn man es übertreibt, holt man sich schnell eine Achillessehnen-Entzündung.

Frage: Ist Barfußlaufen für jeden geeignet?

Marquardt: Wenn man wenig verletzungsanfällig ist und klein anfängt, gehen keinerlei Gefahren vom Barfußlaufen aus - schließlich ist es die natürlichste Art, sich zu bewegen. Es gibt aber eine große Gruppe von Läufern, die durch jahrelanges Laufen in Schuhen mit dicker Dämpfung und hohen Absätzen verkürzte Waden und extrem schwache Fußmuskeln haben. Damit denen beim Barfußlaufen nicht die Achillessehne um die Ohren fliegt, ist Wadentraining und Stretching ganz wichtig.

Frage: Wem raten Sie vom Barfußlaufen eher ab?

Marquardt: Bei massiven Fußfehlstellungen oder akuten Achillessehnen- und Fersensporn-Beschwerden kann ich es nicht empfehlen. Und Diabetiker, die Gefühlsstörungen an den Füßen haben, sollten auch nicht barfuß laufen.

Frage: Was ist ein geeigneter Ort für das Barfußtraining?

Marquardt: Am besten ist ein weicher, natürlicher Untergrund. Meine Favoriten sind Fußballplatz, Golfplatz oder Sandstrand. Aber bitte nicht anfangen, auf Asphalt barfuß zu laufen oder auf der Schotterbahn - das tut weh, macht keinen Spaß und ist ungesund.

Frage: Wie lange sollte so eine Barfuß-Einheit dauern?

Marquardt: Kein Mensch muss das länger als eine halbe Stunde machen. Es sei denn, er ist ein Freak.

Das Interview führte Wendelin Hübner. Lesen Sie die ungekürzte Fassung auf achim-achilles.de .

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