Achilles' Ferse Bestechungsversuch beim Abendbrot

Man will, darf aber nicht. Private Verpflichtungen können für den Läufer ein Elend sein - und eine teure Angelegenheit. Es hat seinen Preis, die Familie mit Geschenken ruhig zu stellen. Achim Achilles und seine Vermögensberater sagen, wie man sich Freiheit erkaufen kann.


Hallo Achim!

nach drei Jahren ohne Sport (ich habe vorher Fußball gespielt) wiege ich mit 23 Jahren fast 100 Kilogramm. Nun will ich das Laufen anfangen. Ich komme auch gerade vom ersten Lauf nach Hause. Mein Problem: Wenn es nach Luft oder Ausdauer geht, könnte ich auch noch weiter laufen als nur ein paar hundert Meter. Allerdings zieht es jeweils an den Außen- bzw. Vorderseiten des Unterschenkels, fühlt sich an wie "Krampf im Schienbein". Liegt dass daran, dass ich schon so lange nichts mehr gemacht habe? Oder könnte es von meinem O-Beinen und der falschen Fußstellung kommen? Helfen Einlagen?
Danke & Gruß Matthias

Lieber Matthias,
die Schienbeinschmerzen könnten von einem zu übertriebenen Anheben des Fußes herrühren. Beobachte mal deinen Schritt: Kommst du komplett mit der Ferse auf und bleibt dein Fuß die gesamte Zeit extrem hochgezogen? Das könnte die Überlastung der vorderen Muskulatur ausgelöst haben. Zu Beginn deiner Laufkarriere ist es nicht verkehrt, wenn du dich bei einem Orthopäden vorstellst und dich hinsichtlich Beinstellung, Fußstellung und Einlagen beraten lässt. Aber Vorsicht! Nicht das Laufen ausreden lassen, nur weil der Doc selber mal wieder was für sich machen müsste und immer neidisch auf die anderen ist.
Besten Gruß, Jens Karraß


Erfrischender Lauf: Grüne Lunge, feuchte Stirn
DPA

Erfrischender Lauf: Grüne Lunge, feuchte Stirn

Hallo Achim,
ich trainiere jetzt seit gut sechs Monaten auf einen kleinen, feinen lokalen Lauf und befinde mich in Bestform. Jetzt hat mir meine Frau, natürlich betont beiläufig, am Wochenende eröffnet, dass just an diesem Tag irgendeines meiner Kinder Sommerfest im Kindergarten hätte, und ich natürlich unbedingt anwesend sein müsse. Die Veranstaltungen beginnen gleichzeitig (auch bei neuer Rekordzeit nicht sequentiell machbar) und sind etwa 70 Kilometer voneinander entfernt. Also wird auch kein "Ich such mal die Toilette" funktionieren. Was tun?
Ciao, Stefan

Lieber Stefan,
mein Beileid. Immer das gleiche Problem: Natürlich wollen wir vorbildliche Väter sein. Aber Laufen geht nun mal vor. Erst recht, wenn es sich um Bier- und Bauchfleischorgien handelt. Mein Tipp ist zwar teuer, aber er funktioniert. Von nahezu jeder Verpflichtung kann man sich freikaufen. Also erstens ein Wellness-Wochenende für die Gattin als Entschädigung für ihren selbstlosen Einsatz im Kindergarten, je ein iPod für die Bälger und noch einen total lustigen Clown fürs Kinderfest. Macht knapp 1000 Euro. Viele Familien sind, gerade im Wiederholungsfall, auch billiger zu korrumpieren. Das muss dir dein Sport schon wert sein.
Grüße Achim


Lieber Achim,
ich trainiere von null an seit Ende Februar auf einen Marathon - den in München am 9. Oktober. Angefangen habe ich mit einem Gewicht von 80 Kilogramm (bei 1,67 Meter und 37 Jahren), jetzt bin ich bei 70 Kilogramm. Ich kämpfe mit hohem Puls. Meine anaerobe Schwelle liegt etwa bei 155, und ich schaffe es kaum, auch langsam nicht, unter 148 Durchschnittspuls (bei einem Ein-zwei-Stunden-Lauf) zu laufen. Ich habe von einem Triathleten folgendes gehört: Wenn man 45 Minuten mit recht niedrigem Puls läuft, ist der Körper danach nicht mehr fähig, Laktat auszuschütten. Danach kann man ruhig schneller werden, ohne zu übersäuern. Ist da was dran?
Herzlichen Gruß, Antje

Liebe Antje,
es war sicher ein mäßig erfolgreicher Triathlet, der solchen Unfug erzählt. Laktat oder Milchsäure ist ein Abfallprodukt des Traubenzuckerstoffwechsels. Laktat wird immer produziert, wenn die Belastungsintensität zunimmt, egal ob am Anfang oder Ende eines Laufes. Wenn Sie solange gelaufen sind, dass die Traubenzuckervorräte im Körper ausgeschöpft sind, werden Sie kein Laktat mehr produzieren. Aber Sie werden auch so müde sein, dass keine Beschleunigung möglich ist.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
ich laufe regelmäßig, habe keinen zu hohen Puls und keuche nur noch bei extremen Steigungen. Trotzdem empfinde ich das Laufen als absolute Knochenarbeit, weil mir alles wehtut: der Rücken (teilweise musste ich mich schon einrenken lassen), die Hüften oder die Sprunggelenke. Dabei bin ich mit nicht mal 50 Kilogramm ein Leichtgewicht. Was mache ich falsch?
Gruß und Dank, Tine

Hallo Tine,
vielleicht kannst du dich aus privaten Gründen beim Laufen nicht entspannen und verkrampfst im Schulterbereich? Wenn du die Arme nicht locker mitführst, kann es sehr schnell zu argen Verspannungen kommen. Was deine Hüfte und Sprunggelenke angeht, kann ich dir leider auch nichts Genaues raten. Höchstens, dass du ein- bis zweimal pro Woche Kräftigungsübungen für Bauch und Rücken einbauen könntest. Das wird die Belastungen auf Hüfte und Füße verringern. Und was ich da noch sehe: Dosiere deine Bergläufe.
Liebe Grüße, Jens Karraß

insgesamt 1475 Beiträge
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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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