Achilles' Ferse Das große Kribbeln

Regelmäßiges Training ist wichtig, man darf es aber auch nicht übertreiben. Doch was ist das rechte Maß? Wann sollte man aufhören? Achim Achilles und seine Kollegen raten zu Gelassenheit. Nichts überstürzen, das könnte böse enden. In manchen Fällen können aber einfach nur Mediziner helfen.


Hallo Achim,

manchmal fängt es bei mir während des Laufens im rechten Bein leicht an zu kribbeln, genau genommen in der Kniekehle und im Fuss. So als ob es einschläft. Woran kann das liegen? Durchblutungsstörungen? Dasselbe tritt auf, wenn ich Dehnübungen nach dem Laufen mache. Beuge ich mich zu lange nach vorne und berühre mit den Fingern den Boden, dann kribbelt es und fühlt sich komisch an. Muss ich mir ernsthaft Sorgen machen?
Gruß, Carsten

Lieber Achim,
wie kann ich alle Körperteile davon überzeugen, dass Laufen wirklich Spaß macht und kein Grund zum Einschlafen ist? Nach 35 Minuten lockeren Laufens nickt mir regelmäßig mein linker Fuß ein. Dieses Taubheitsgefühl ist nicht schmerzhaft, aber ausgesprochen unangenehm. Ich habe alle Varianten der Schnürsenkelbindetechnik ausgetestet, keine half. Einzige Möglichkeit: Schuh aus und Fuß bewegen. Das ist mitten im Wald eher lästig. Auf diese Form von Pause würde ich gern verzichten. Weißt du Rat?
Mit besten Grüssen, Stefanie

Tüchtige Läufer (in Stockholm): Waage als Motivationscoach
AFP

Tüchtige Läufer (in Stockholm): Waage als Motivationscoach

Liebe Stefanie,
lieber Carsten,

das Einschlafen ist meistens Folge der Kompression eines Nervs, so ähnlich, als ob ein Bein nach langem Sitzen einschläft. Dieses Problem hat unterschiedliche Ursachen. Einige von ihnen sind banal, etwa wenn die Schuhe an einer Stelle drücken oder zu eng geschnürt werden. Häufiger liegt den Beschwerden ein anatomisches Problem zu Grunde wie eine Fehlstellung des Fußes oder ein schlichter Plattfuß. In diesem Falle sind Einlagen oder spezielle Übungen für die Fußmuskulatur sinnvoll. Manchmal entstehen die Beschwerden wegen einer belastungsbedingten Zunahme des Drucks innerhalb der Muskulatur oder wegen komplexerer anatomischer Veränderungen. Diese Probleme lassen sich manchmal nur chirurgisch korrigieren. Ihr solltet einen Fachmann konsultieren.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
nach deinem Marathon in Hamburg hattest du offenbar keine große Lust mehr, zu laufen. Mir geht es genauso. Wie komme ich aus dem Motivationsloch wieder heraus?
Für Anschubhilfe dankbar, Viktor

Lieber Viktor,
da ich nach dem Marathon esse wie vor dem Marathon ist die Sache ziemlich einfach: Spätestens nach fünf Kilogramm plus stehst du vor der Entscheidung, ob du sofort wieder losläufst oder noch weitere fünf Kilogramm abwartest. Oder willst du noch mehr draufpacken? Oder etwa weniger essen? Mein Motivationscoach ist die Waage.
Dicken Gruß, Achim


Hallo Achim,
nach jahrelangem Laufen mehrmals pro Woche zwischen fünf und zehn Kilometern bin ich wegen Knieschmerzen umgestiegen aufs Walken, das ich genauso oft und intensiv betreibe. Vor zwei Monaten habe ich mir eine Entzündung im Obersprunggelenk zugezogen. Ein Orthopäde hat es mit Spritzen versucht, der andere mit Reizstrom - geholfen hat das nichts, auch nicht eine dreiwöchige Pause. Ich walke jetzt wieder, deutlich weniger, langsamer, aber mit mehr oder weniger starken Schmerzen. Was kann ich noch tun?
Liebe Grüße, Doris

Liebe Doris,
wenn Sie wegen Schmerzen auf das Laufen verzichten mussten, aber danach genau so intensiv mit dem Walken starteten, waren weitere Probleme natürlich programmiert. Nach einer Pause müssen Sie sich, auch wenn es schwer fällt, die Zeit für einen neuen Aufbau nehmen und nicht sofort wieder loskeilen. Kein sportlicher Mensch hört es gern, aber so lange die Entzündung aktiv ist, dürfen Sie absolut nichts betreiben, was Schmerzen verursacht. Dies bedeutet auf keinen Fall einen vollständigen Trainingsstop, aber Änderungen. Wenn Sie bei schnellem Training Beschwerden haben, trainieren Sie langsamer. Wenn Sie nach 40 Minuten Probleme bekommen, trainieren Sie nur 35 Minuten. Wenn es beim Walken weh tut, steigen Sie für einige Wochen auf das Fahrrad um. Sie werden die Grenze Ihrer Belastbarkeit finden und das Training entsprechend gestalten müssen. Alles andere führt auf die Dauer zu noch größerem Ärger.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Grüßgott Achim,
wie ich weiß, hast du einen zehnjährigen Sohn. Ich auch. Ein bisschen Ausdauer täte ihm gut, aber er hat keine Lust. Wie bewegst du deinen Karl zum Mitlaufen?
Viele Grüße, Anne

Liebe Anne,
die wenigsten Kinder haben von Anfang an Lust, länger zu laufen. Sie haben keine Erfahrung mit dem Atemrhythmus, bekommen schnell Seitenstiche und Durst. Und langweilig ist es auch. Ich würde mir da nicht allzu viele Hoffnungen machen. Unser Karl hat mich manchmal bei langen Läufen mit dem Fahrrad begleitet und wir haben einfach nur gequatscht, über Schule, Freunde, Familie. Ansonsten kommt er nur mit, wenn er Lust hat, also sehr selten; es sei denn, in der Schule stehen längere Läufe an. Dann will Karl mit einem Training seine 3000-Meter-Zeit mal eben halbieren. Solcherlei Ungeduld ist uns natürlich völlig unbekannt.
Gruß, Achim



insgesamt 1475 Beiträge
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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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