Achilles' Ferse Das zuckende Augenlid

Was beim Laufen alles passieren kann. Hunde, Konkurrenten, Regenwetter - überall lauert die Gefahr. Gott sei dank gibt es Achim Achilles und sein Team. Die Experten wissen Rat. Ganz wichtig: Den sportlichen Ehrgeiz nicht übertreiben.


Marathonläufer: The lonely one
DDP

Marathonläufer: The lonely one

Lieber Achim,

ich glaube, bei einem Marathon sind Probleme mit der eigenen Frau nicht nur programmiert, sondern auch nicht zu verhindern.
Läufergruß, Kai

Lieber Kai,
das muss nicht sein. Nach langen Ehejahren tut trainingsbedingte Trennung manchmal ganz gut. Oft betrachten Frauen Marathon-Männer als kleinstes aller denkbaren Übel: Sie sind fit, einigermaßen ansehnlich, gehen weder in die Kneipe noch fremd. Schlimmer wird es, wenn die Partnerin mitläuft. Dann kann man in der Laufgruppe keine Zoten reißen. Am allerschlimmsten aber ist, wenn die Frau schneller ist: Das belastet jede Beziehung, Emanzipation hin oder her.
Solidarischen Gruß, Achim

Hallo Achim,
in unserer Stadt findet im Mai zum zweiten Mal ein Marathon statt. Ich bin Jahrgang 1963 und laufe nun seit 18 Jahren das ganze Jahr über meine zehn Kilometer. Früher zweimal die Woche, heute einmal in zehn Tagen. Bekannte sagen, ich solle unbedingt an diesem Marathon teilnehmen: Ich würde das locker schaffen. Ich glaube das nicht, aber ich bin verunsichert. Für mich sind die 10 Kilometer schon extrem lang und weit; ich brauche heute 50 Minuten dafür, früher waren es nur 40. Mir schmerzen danach Knie und Beine, und ich verspüre auch keine Motivation mehr. Aber manchmal träume ich schon davon, nach 42 Kilometern stolz über die Ziellinie zu laufen. Würde ich es mit dem ganzen Drumherum eines Marathons vielleicht schaffen?
Danke für jeden Tipp, Sebastian

Lieber Sebastian,
sorry, aber Füße weg vom Marathon. Das würde in einem Desaster enden. Für deine unsportlichen Bekannten bist du ein Held, weil du mal eben zehn Kilometer abspulst. Für viele Menschen ist das eine unvorstellbare Leistung. Aber Marathon heißt nicht, einfach nur viermal zehn Kilometer zu laufen. Ohne dich näher zu kennen, würde ich stark anzweifeln, ob du es tatsächlich nach 42 Kilometern über die Ziellinie schaffst oder zu den vielen gehörst, die unterwegs aussteigen und hinterher oft frustriert sind. Ich glaube, dein Problem liegt woanders: Wenn dir nach zehn Kilometern regelmäßig die Beine wehtun und du, was ich ganz schlimm finde, keine Motivation verspürst, dann solltest du dich nicht länger quälen, sondern ehrlich fragen, ob du überhaupt Lust hast zu laufen. Falls du dich dafür entscheidest, dann solltest du dir vornehmen, den Sport ernster zu nehmen. Alle zehn Tage zu laufen bringt dir vom Trainingseffekt her null. Du fängst jede Woche von neuem wieder an, was für deinen Körper eher eine Belastung bedeutet. Zumindest alle drei Tage solltest du dich bewegen. Es reichen auch mal sechs Kilometer, aber die Regelmäßigkeit ist wichtig - und wird deine Beschwerden garantiert lindern. Versprochen!
Viel Spaß (hoffentlich), Jens Karraß

Lieber Achim,
klingt behämmert, ist aber wahr: Nach längeren Läufen habe ich keine größeren Zeichen von Erschöpfung, nur immer so ein Zucken im rechten Augenlid. Weist das auf irgendeinen Mangel hin?
Herzlichen Gruß, Herbert

Lieber Herbert,
bei langen Läufen gehen mit dem Schweiß Mineralien (Kalium, Natrium und Calcium) verloren. Deswegen ist der Schweiß salzig. Die veränderte Konzentration von Mineralien im Blut ist die Ursache von Muskelkrämpfen, Zucken und anderen Beschwerden, die nach langen Belastungen auftreten können. Wenn man nach dem Training ausreichend trinkt und isst, gleicht sich die Konzentration von Mineralien im Blut innerhalb einer kurzen Zeit wieder aus.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Hallo Achim,
ich habe gehört, das es besser ist, drei Tage nacheinander zu trainieren und dann zwei Tage zu pausieren als Training und Ruhe täglich abzuwechseln. Stimmt das?
Vielen Dank für eine Antwort, Norbert

Lieber Norbert,
ein sogenannter Mikrozyklus von drei Tagen ist schon die hohe Schule der Trainingslehre. Warum? Reiz und Entspannung wechseln sich perfekt ab. In den drei Tagen kannst du wunderbar Reize setzen, die zueinander passen:
1. Intensiver Tag (Tempo! Und nicht zu viele Kilometer)
2. Langer Tag (mittleres Tempo und relativ langer Lauf)
3. Lockerer Tag (zur Entspannung und zum "Herauslaufen" der beiden harten Vortage).
Dann zwei Tagen Ruhe, um mit einem intensiven Tag wieder einen neuen Trainingsreiz zu setzen, und der Fortschritt kommt garantiert.
Gruß und viel Erfolg, Jens Karraß



insgesamt 1475 Beiträge
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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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