Achilles' Ferse Dem Reizmagen auf der Spur

Manche Dinge schlagen selbst dem härtesten Athleten auf den Magen. Was tun, wenn der Mitläufer schon auf der Felge unterwegs ist, sich aber keine neuen Schuhe leisten kann? Achim rät von Almosen ab - denn davon werden die Bauchschmerzen auch nicht besser.


Lieber Achim,

mein Problem ist vielleicht ungewöhnlich, aber es beschäftigt mich nun mal. Ich laufe öfter mit einem guten Bekannten, der keinen Job hat und auch nicht besonders viel Geld. Seine Klamotten sind wirklich schon ziemlich alt und mitgenommen, die Schuhe haben kein Profil mehr. Ich dagegen bin eher aus der Abteilung "shopping addict", ich kaufe immer den neuesten Kram. Mein Laufpartner macht öfter mal spöttische Bemerkungen, die aber nicht ganz frei von Neid sind. Ich würde ihm am liebsten ein paar neue Schuhe spendieren, aber das würde er vermutlich als Beleidigung auffassen. Wie soll ich damit umgehen?
Danke für Deinen Rat, Grüße Norbert

Lieber Norbert,
in der Tat: soziale Unterschiede gibt es auf dem kürzesten Trimm-Dich-Pfad, sie sagen aber nichts über Laufleistungen aus und schon gar nichts über den Menschen selbst. In mancher Schlabber-Jogging-Hose steckt ein netterer Kerl als ihm 600-Euro-Outfit. Also: Äußerlichkeiten betrachten wir einfach mal als nachrangig, auch wenn es "fashion victims" wie uns schwer fällt. Wenn ihr euch am Vergleichen eurer offenkundig derzeit unterschiedlichen Lebensbedingungen festbeißt, und sei es noch so spöttisch oder selbstironisch, dann gibt es früher oder später Zwist, würde ich vermuten. Mehr als mit Almosen würdest Du Deinem Kumpel allerdings helfen, wenn ihr auf euren Läufen gemeinsam herausfinden würdet, wie er wieder zu Arbeit, damit zu einem geordneten Leben und am Ende zu neuen Laufschuhe kommt, die er sich selbst verdient hat.
Alles Gute, Achim

Hallo liebe Laufberater,
ohne, dass ich die Ursachen erkennen und damit Abhilfe schaffen kann, kommt es bei mir (51) schon seit jungen Jahren in unregelmäßigen Abständen immer wieder zu Muskelfaserrissen in der linken Wade. Dann heißt es wieder einmal Trainingspause und die Halb-Marathon-Anmeldung kann ich in den Wind schreiben. Ich habe schon alle mir bekannten Tricks ausprobiert: mit/ohne Aufwärmen loslaufen, extrem langsam starten, verschiedene Schuhtypen, Einlagen und so weiter. Die einzige Regelmäßigkeit besteht darin, dass die Probleme meist nach drei bis fünf Kilometern auftauchen. Liegt es daran, dass ich Vorfuß-/Mittelfußläufer bin? Alle Versuche, meinen Laufstil umzustellen, sind bisher kläglich gescheitert.
Über Hilfe freut sich, J. Hambitzer

Lieber Hambitzer,
die Idee mit der Laufstil-Umstellung scheint der richtige Weg zu sein. Ihr Problem scheint mir aber so gravierend, dass ich mir aus der Ferne keine abschließende Beurteilung zutraue. Bitte suchen Sie sich einen Trainer oder einen Lauftreff mit professioneller Betreuung, dort wird Ihnen bestimmt schnell geholfen.
Alles Gute, Jens Karrass

Magenprobleme: Wenn Ernährungsumstellung nicht hilft, ist der Gang zum Arzt ratsam
DPA

Magenprobleme: Wenn Ernährungsumstellung nicht hilft, ist der Gang zum Arzt ratsam

Hey Achim,
von den üblichen kleineren Problemen abgesehen, habe ich leider zurzeit auch ein größeres: Ich trainiere für einen Halbmarathon. Dafür laufe ich drei Mal die Woche, mal kurz und schnell, mal lang (15 bis 20 Kilometer) und langsamer. Bei den langen Läufen wird mir regelmäßig schlecht, obwohl ich essenstechnisch einiges ausprobiert habe und dieses Problem früher nicht hatte. Das bremst natürlich immens und wirklich Spaß macht es so auch nicht mehr. Gibt es Tipps, was man wann essen kann/sollte, um so etwas zu vermeiden? Die Belastungsintensität schließe ich als Ursache mal aus, da es bei Kurzstrecken-Tempo nicht passiert.
Froh über jeden Hinweis, Chris

Lieber Chris,
einige Läufer/Innen verfügen über eine Eisenkonstitution und können sogar bis unmittelbar vor dem Training noch Pommes rotweiß essen, ohne dass dadurch ihre Leistung beeinträchtigt wird. Aber für die meisten von uns gilt: Die letzte Mahlzeit sollte spätestens zwei Stunden vor dem Training eingenommen werden und aus leicht verdaulicher Kost bestehen. Fleischprodukte, Fette und Hülsenfrüchte bleiben mehrere Stunden im Magen und vertragen sich deswegen schlecht mit einem intensiven Training. In der Regel muss man mit dem Essen ein wenig experimentieren, bis man die richtige Mischung gefunden hat. Bei langen Läufen hilft manchmal, unterwegs was leichtes (ein Stück Banane oder Brötchen) zu essen oder ein wenig Flüssigkeit zu sich zunehmen, um einen Reizzustand des Magens zu verringern. Aber mich macht stutzig, dass Sie dieses Problem vorher nicht hatten. Wenn Sie mit diesen Maßnahmen keine Erleichterung spüren, ist eine ärztliche Untersuchung angesagt, um ein Magenproblem auszuschließen.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo



insgesamt 1475 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.