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06. Oktober 2005, 13:34 Uhr

Achilles' Ferse

"Der will doch nur spielen"

Wer kennt diese Leitausrede leinenfauler Hundebesitzer nicht? Auch Achim hat in seiner Laufkarriere den einen oder anderen Vierbeiner passiert. Da sind ihm Jogging-Junkies schon lieber. Sein Rat an gestresste Läufer-Frauen: Stand by your man!

Hallo Achim,

meine Holde greift am kommenden Sonntag beim Medienmarathon in München an und will ihren ersten "42er" schaffen - diverse Stadtläufe und Halbmarathons liegen bereits erfolgreich hinter ihr. Ich bin sicher, sie schafft das auch, zumal ich ihr im Training nicht im Wege stehe. Nun zu meiner Frage als mitleidender Mann: Was schenkt man seiner Liebsten, wenn sie so eine Tortur hinter sich gebracht hat (abgesehen von einer Massage und einer Handvoll echtem Mitleid)? Ich hoffe, Sie können mir da weiterhelfen.
Dr. Roland

Tja, Doc Roland,
das ist doch wohl klar: den Marathon in New York. Startgeld, Flug (Retour eventuell Liegendtransport), drei, vier Nächte im Four Seasons, ein bisschen shoppen und hinterher noch eine Woche Wellness in den Hamptons. Mit zehn großen Scheinen sind Sie locker dabei. So viel sollte Ihnen die Liebe schon wert sein.
Viel Spaß, McAchim

Hallo Achim,
ich habe zwei Fragen: 1. Ich laufe seit einigen Jahren mit einem Pensum von 40 bis 50 Kilometer pro Woche und möchte wissen, ob es sinnvoll ist, mit zwei Paar Schuhen unterschiedlicher Hersteller abwechselnd zu trainieren? 2. Was hältst Du davon, mit Gewichten in den Händen zu laufen? Belastet das vielleicht die Rückenmuskulatur zu sehr? Gewichte, die ich bisher genommen habe, liegen bei 1,5 Kilogramm pro Hand.
Grüße aus Freiburg, Philipp

Hi Philipp,
grundsätzlich ist Abwechslung immer gut, auch für die Füße. Außerdem halten die Schuhe länger und haben die Chance, auch mal auszulüften. Aber Vorsicht: Für jeden Läufer kommt irgendwann der Zeitpunkt, dass ein Paar Schuhe einfach nicht mehr genug ist. Man wird laufschuhabhängig. Diese real existierende Krankheit ist bisher noch nicht beschrieben worden. Sie beginnt damit, sich die besten Schuhe zulegen zu wollen, die es auf dem Markt gibt, allein schon um jede erdenkliche Zehntelsekunde gutzumachen. Diverse Konsultationen in Schuhgeschäften erzeugen sofort weitere Gelüste: Schuhe für die Bahn, den Wald, Asphalt, für Training, Wettkampf und Regen, immer noch ein paar Gramm weniger, schärferes Design und natürlich die allerneueste Belüftungstechnologie. Ganz schlimm sind die daraus zwangsläufig resultierenden Laufschuhfriedhöfe, die zuweilen ganze Räume einnehmen und Ehen ruinieren können. Wer wirft schon den Air weg, mit dem er zum ersten Mal die drei Stunden geknackt hat? In schlimmen Fällen ist das Tragen von jungfräulichen Laufschuhen beim Schlafen beobachtet worden. Also Philipp, denk dran, zwei Paar. Zwei!
Mitfühlend, Jens Karrass

Lieber Philipp,
Ich bin auch eine Weile mit Gewichten gelaufen, ein Kilo als Manschette. Um die Handgelenke stärkt es eher deine Arme als die Beine, um die Fußgelenke fühlen sich die Dinger nach 300 Metern an wie Bärenfangeisen. Drei Pfund pro Seite finde ich ganz schön viel, aber wenn deine Form einigermaßen stimmt, dürfte das zusätzliche Gewicht immerhin nicht schaden. Ein paar flotte Sprints sind aber sicherlich sinnvoller. Und wenn Du wirklich was drauf hättest, liefest du mit einem vollen Bierkasten in jeder Hand.
Prost, Achim

Schäferhund: Spieltrieb angeboren
DDP

Schäferhund: Spieltrieb angeboren

Lieber Achim,
heute Morgen rannte wieder mal ein etwa shetlandponygroßes Tier mit langen Eckzähnen auf mich zu. Es war wohl ein Deutscher Schäferhund. Als ich mich wild fluchend in Abwehrhaltung begab, entgegnete mir die Besitzerin der Bestie (oder "Frauchen", wie es in der Köter-Fachsprache heißt) leicht höhnisch: "Der will doch bloß spielen" (hier den fränkischen Dialekt bitte dazu denken). Ich habe ehrlich gesagt keine Lust herauszufinden, ob die Töle wirklich spielen will. Die Laufpresse schweigt sich tot zu diesem Thema, aber vielleicht weißt Du Rat, da das Problem in Berlin sicher auch virulent ist.
Viele Grüße, Reimar aus Nürnberg

Lieber Reimar,
da Hundebesitzer durchweg stalinistische Charaktermerkmale aufweisen, habe ich mich für folgende Lösung entschieden: Der letzte meiner Verse wird sich genau diesem Thema widmen. Dann muss ich leider auswandern, weil ich sonst mit getrocknetem Hundekot gesteinigt werde.
Mit Pfefferspray im Halfter, Achim

Lieber Achim,
ich möchte anonym bleiben, aber ich glaube, mein Problem betrifft viele, die einen Partner haben, der ausdauersportsüchtig ist. So schön es ist, einen fitten Freund zu haben, so ärgerlich sind die stinkenden Klamotten, die ewigen Wehwechen, die Pillenschachteln überall, die kaputten Wochenenden, das ewige Gequatsche über Zeiten und Wettkämpfe und Bestleistungen, obwohl er ja doch nie unter die ersten Fünfzig kommt. Manchmal sehne ich mich nach einem fetten faulen Kerl, mit dem ich vor dem Fernseher liegen und Dosenbier trinken kann.
Was rätst Du einer verzweifelten Frau A.

Liebe A.,
den idealen Partner gibt es nicht. Fette faule Schweine werden dich nach einer Weile auch nerven. Was würde dein Partner in seiner Freizeit machen, wenn er nicht trainiert? Spoiler anschrauben? Heimwerken? Golfen? Modellbau? Das sind alles grottige Beschäftigungen. Mein Tipp: Du forderst einen Abend in der Woche für dich und einen (oder erstmal einen halben) Tag am Wochenende für gemeinsame Aktivitäten. Du wirst sehen, das reicht dir allemal. Wenn er sich nicht darauf einlässt, schieß ihn in den Wind. Du siehst ihn ja eh nicht. Hardcore-Lösung: Fang auch an zu laufen. Dann seid ihr synchronbekloppt, das funktioniert auch.
Achim Westheimer

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