Achilles' Ferse Fang an, steh auf!

Abends vor dem Fernseher meldet sich des Öfteren das schlechte Gewissen. "Los, geh laufen", flüstert es. Wie aber damit anfangen, wenn man noch nie auf der Piste war? Und was, wenn plötzlich Schmerzen auftreten? Achims Experten haben auf jede Frage eine Antwort.


Lieber Achim,

ich (26) betreibe wettkampfmäßig einen Hallenmannschaftssport. Laufen gehörte bislang eher zur leidigen Pflicht, um im trainingsfreien Sommer die Form zu halten. Sei es durch die weihnachtliche Vanillekipferlvergiftung oder durch fortschreitende Feiertagsdemenz, jedenfalls hab ich mich nun für Mai zu einem Halbmarathon angemeldet. Den würde ich wohl auch ohne großartiges Training durchstehen, aber wenn, dann möchte ich das richtig angehen und eine ordentliche Zeit laufen, also so um die 1:30 Stunden (im Sommer bin ich 12 Kilometer in einer Stunde gelaufen). Ist das realistisch neben dem Mannschaftssport (zweimal Training pro Woche, jedes zweite Wochenende Meisterschaft)? Komm ich mit zwei Lauftrainings pro Woche auf diese Zeit? Wenn ja, wie? Franz aus Wien

Mann auf Sofa: Langeweile, Streit und Unausgeglichenheit
DPA

Mann auf Sofa: Langeweile, Streit und Unausgeglichenheit

Servus Franzl,
Du bist ein Siegertyp, keine Frage. Im Prinzip toll, die Idee mit dem Halbmarathon. Aber gut, dass Du uns vorher nochmal fragst, denn sonst würde es vielleicht Dein letzter sein. Weil es eben nicht so einfach ist wie mit einem Auto, also einfach mal einen Gang höher schalten. Wenn Du Dir gleich beim ersten Halbmarathon so eine ambitionierte Zeit setzt (und 90 Minuten für 21 Kilometer sind definitiv ambitioniert), ist die Möglichkeit der Niederlage sehr groß. Wenn Du dann auch noch mit abgespecktem Trainingsaufwand daran gehst, dann kommt auch noch die Verletzungsgefahr dazu. Was ich aus der Ferne als perfektes Ziel für Dich sehe, wenn Du so trainierst wie angegeben, ist 1:45 Stunden. Auch eine tolle Zeit - wenn Du die schaffst und Deine "Weihnachtsdemenz" anhält, dann im nächsten Jahr auf zur 1:30-Stunde! Alles Gute, Jens Karraß

Lieber Achim,
ich bin Anfang 40, laufe seit annähernd 30 Jahren und habe bereits etliche Marathon- sowie längere Bergläufe (Davos, etc.) absolviert. Vor etwa zwei Jahren, nachdem ich mein Laufpensum von einer auf zwei Stunden pro Tag erhöht hatte, da ich für den Athen-Sparta-Lauf trainierte - habe ich zum ersten Mal in meiner Läuferkarriere Achillessehnenprobleme bekommen. Ein Sportorthopäde sagte mir damals, dass man pro Tag grundsätzlich nicht länger als eine Stunde laufen sollte. Alles darüber hinaus würde letztendlich mehr schaden als nutzen. Ich frage mich deshalb, ob Ihre Ratschläge, auch mal zwei oder zweieinhalb Stunden zu laufen, sinnvoll sind. Gruß, Günther

Lieber Günther,
Sie stellen eine Grundsatzfrage. Die Begriffe Leistungs- und Gesundheitssport sind keine Synonyme. Aus gesundheitlicher Sicht ist ein Lauftraining von insgesamt 3 bis 4 Stunden pro Woche, verteilt auf 3 bis 5 Einheiten ideal. Dadurch erreicht man all die positiven Effekte des Laufens bei einem sehr geringen Risiko von Überbelastungen und Verletzungen. Eine Stunde Laufen am Tag wäre für die meisten gesundheitsorientierten LäuferInnen schon zu viel. Viele Menschen, die an Wettkämpfen teilnehmen, trainieren sogar deutlich weniger. Alles, was über dieses Pensum hinaus geht, ist definitiv nur für Leistungssportler notwendig. Lange Läufe, die wir empfehlen, sind nur für die Marathonvorbereitung unabdingbar. Wenn Sie nicht vorhaben, an einem Marathonlauf teilzunehmen, erreichen Sie durch solche ausgedehnten Belastungen keinen zusätzlichen Benefit und riskieren nur Verletzungen. Besten Gruß Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ein Freund von mir fing vor ein paar Jahren einfach so an zu laufen, lief eine Zeit lang, bekam Probleme in Füßen und Knien und muss nun Sporteinlagen tragen und Medizin schlucken, um die Schmerzen zu kompensieren. Jetzt frage ich mich, ist Laufen doch ein so komplexer Sport, dass man nicht mal eben einfach so damit beginnen kann oder soll? Wie gehe ich das Laufen am besten an? Luis aus Bad Tölz

Hi Luis,
Laufen ist das Beste, was mir in meinem Leben passiert ist. Es ist mein Ruhepol - meine Attacke, meine Gesundheit. Und dabei gut für Körper und Seele. Sesselpupsen ist der Sport Nummer eins - was dabei passiert, ist offensichtlich. Fettleibigkeit, Langeweile, Streit und Unausgeglichenheit. Also denke nicht lange drüber nach, fang' an. Erst walken, dann vorsichtig laufen. Baue regelmäßige Kräftigungsübungen für Bauch und Rücken ein und vernachlässige das Barfußlaufen nicht. Jens Karraß

Der Lesertipp der Woche:
Lieber Achim, zum Laufen ist aus meiner Sicht nur die Eifel geeignet. Außer ihr käme höchstens noch die Schönholzer Heide in Frage. Getestet am Pfingstsonntag 2004 und nur alte Männer mit Hunden getroffen. Falls Sie es auch finden wollen: Diagonal durch Berlin, dem Schlachtensee also genau entgegengesetzt im Nordosten. Früher sagten wir Zone dazu. Stimmt heute auch noch. Nur dürfen Sie nur nicht jedem erzählen. Grüße aus (von) der Eifel, Holger

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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