Achilles' Ferse Feldwege zum Glück

Es ist kalt, Sie frieren. Dass es anderen genauso geht, kann kein Trost sein. Sie brauchen wirklichen Zuspruch. Wie gut, dass Achim und Co. wissen, was gegen solche Wehwehchen inklusive Frostbeulen und Schlaflosigkeit hilft.


Hallo Achim,

ich laufe seit einem Jahr intensiver und habe auch schon drei Halbmarathon-Läufe hinter mir. Mein Problem ist, dass mir im Winter das Training etwas schwer fällt. Morgens ist es dunkel, nachmittags, wenn ich von der Arbeit komme, ist es ebenfalls schon wieder dunkel. Ich wohne auf dem Land. Straßenlaternen sind also Mangelware. Ist es okay, wenn ich den Winter über nur am Wochenende trainiere? Welche Läufe sollte ich dann absolvieren? Sind ein kürzerer (fünf Kilometer) und ein längerer (15 Kilometer) okay?
Grüße, Jörg

Gesundheitsbewusster Läufer: Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht
DPA

Gesundheitsbewusster Läufer: Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht

Hi Jörg,
sicher hast Du für Deine ersten Halbmarathons mehr trainiert, als Du heute vorschlägst. Wenn Du nicht direkt nach Beginn der Sommerzeit Deinen Rekord brechen willst, kannst Du sicher mit gutem Wochenendtraining etwas Form aufbauen. Empfehlung: Am Sonntag ruhig länger laufen. Bis zu zwei und sogar zweieinhalb Stunden in richtig lockerem Tempo. Am Samstag als Einstieg kannst Du ebenso ruhig bis zu 60 Minuten laufen. Wenn es irgendwie geht, solltest Du wenigstens noch einen dritten Lauf über die dunklen Feldwege unterbringen.
Gut Lauf, Jens Karraß

Mensch Jörg,
alter Ausreden-König. Wenn hier 70-Jährige bei minus fünf Grad Celsius mit rotem Fahrradblinklicht am Ärmel ums Kanzleramt hechten, dann schaffst Du das doch wohl locker. Der dämlichste Spruch, den die Läuferbande je geprägt hat, lautet: Die Sieger des Sommers werden im Winter gemacht. Leider stimmt er. Heißt übersetzt: Die Kilometer, die Du bei Eis und Schnee, bei Nacht und Nebel nicht schrubbst, die bekommst Du im Frühjahr nie mehr auf den Tacho. Also, los jetzt.
Morsegruß aus der Stirnlampe, Achim


Hallo Achim,
ist es für den Körper schädlich, ein monatelanges Training abrupt zu beenden? Was passiert dann?
Danke, Wolfram

Lieber Wolfram,
ein plötzliches Ende des Trainings ist nicht unbedingt schädlich, es geht jedoch mit unangenehmen Erscheinungen einher. Der Körper ist auf die Bewegung, den Energieverbrauch und die Belastung eingestellt. Wenn sie plötzlich fehlen, fühlt man sich unwohl, unruhig und irritiert. Dadurch erklären sich Beschwerden wie Appetitmangel, Schlaflosigkeit und Erregbarkeit, die bei einer plötzlichen Trainingspause entstehen. Diese Erscheinungen halten relativ kurz, es entstehen dabei keine dauerhaften Schäden, sofern Du eine halbwegs stabile Beziehung führst.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Achim,
ich habe die Fettpolster an meinem 36 Jahre alten Körper durch Laufen ins Visier genommen und bereits neun eklige Kilogramm dem Asphalt übergeben. Leider wiege ich immer noch 98 Kilogramm. Ich laufe drei- bis fünfmal in der Woche 30 bis 45 Minuten. Worauf muss ich achten, damit ich mir nicht die Menisken zerbrösele? Welche anderen Körperteile bedürfen besonderer Beobachtung?
Grüße, Ulf

Hi Ulf,
Glückwunsch zu den neun Kilogramm. Wie viel von Deinen verbleibenden 98 noch verschwinden sollten, kannst Du mit den gängigen Rechenmethoden anhand Deiner Größe selbst ermitteln. Mein Rat an Dich: Laufe dreimal und gehe dazu zweimal aufs Fahrradergometer. Die Radeinheiten absolvierst Du mit gutem Widerstand, damit Dein Puls in Fahrt kommt. Die Beine bekommen so ebenfalls ein gutes Krafttraining. Gleichzeitig schonst Du Deine Gelenke und wirkst so überlastungsbedingten Verletzungen entgegen. Fahre dabei länger als 60 Minuten! Kein Jammern, da musst Du durch. Deine Läufe von 45 Minuten sollten dann ausreichen, damit Du gesund weitere neun Kilogramm abnimmst.
Viel Erfolg weiterhin, Jens Karraß


Lieber Achim,
ich laufe fünfmal die Woche für eine Stunde. Jedes Mal kurz nach dem Loslaufen habe ich eine Art Muskelschmerz in meiner linken Brusthälfte, fünf Zentimeter über dem Nabel. Was kann das sein?
Ratlos, Thomas

Lieber Thomas,
ich weiß nicht, wie klein Sie sind, aber bei mir liegt fünf Zentimeter über dem Nabel immer noch der Bauch. Und schon sehen wir die Weisheit des Gesetzgebers, uns Ärzten Ferndiagnosen zu verbieten. Wenn ich aus der Ferne nicht mal feststellen kann, wo Ihre Brust beginnt, kann ich umso weniger die Ursache Ihrer Beschwerden kennen. Eine generelle Erklärung für Schmerzen am Start könnte folgende sein: Am Anfang einer Belastung zieht sich die Milz zusammen, um rote Blutkörperchen in die Blutbahn frei zu setzen. Dieses Phänomen ist besonders stark bei kaltem Wetter. Dadurch können Schmerzen unterhalb des linken Rippenbogens entstehen, die aber nach wenigen Minuten nachlassen. Aber dies ist nur eine von vielen möglichen Erklärungen. Der Mensch ist leider randvoll mit Organen, die aus den verschiedensten gründen Schmerzen bereiten können. Während belastungsbedingte Bauchschmerzen sehr häufig eine harmlose Ursache haben, bedürfen neu auftretende Brustschmerzen einer medizinischen Untersuchung.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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