Achilles' Ferse Flotte Sohle mit Nachspiel

Normalerweise sind Achim Achilles und seine Kollegen auf einer Wellenlänge. Heute jedoch gibt es Streit im Team. Es geht um den Nutzen von Hightech-Schuhen. Unser Wunderläufer ist sehr skeptisch und fordert gar zu zivilem Ungehorsam auf.


Lieber Achim,

ich laufe seit Jahren 40 bis 50 Kilometer pro Woche und zwar mit zwei oder drei verschiedenen Laufschuhen. Die Teile benutze ich so lange, bis sie wirklich auseinanderfallen oder es irgendwo zwickt. Nun behauptet ein Freund, dass die Dämpfung bei Laufschuhen nach 500 Kilometern Laufleistung so katastrophal ist, dass man mit Spätfolgen rechnen muss, wenn man sie länger benutzt. Stimmt das?
Liebe Grüße, Gerald

Zielgruppe Läufer: Boykottiert die Trickser!
AFP

Zielgruppe Läufer: Boykottiert die Trickser!

Hallo Gerald,
Ihr Freund hat recht. Man muss nicht unbedingt mit Spätfolgen rechnen, geht aber ein deutlich erhöhtes Risiko ein, sich zu verletzen. Kontrollieren Sie auch die Bremsen Ihres Autos erst, wenn sie auseinanderfallen oder es irgendwo zwickt?
Dr. Fernando Dimeo

Lieber Gerald,
stimmt! Und sieht auch nicht gut aus. Ist so ähnlich wie ungekämmt zur Arbeit zu gehen!
Jens Karraß

Also, Gerald,
das ist totaler Unsinn. Die Sportartikel-Industrie verwendet Millionen von Forschungsgeldern darauf, um Sohlen zu konstruieren, die möglichst schnell abreiben. Ehrlich, vor Jahrzehnten hielt eine Laufschuhsohle für einmal um die Erde. Heute ist sie nach dreimal Laufen durch. Leute, das stinkt zum Himmel! Boykottiert die Trickser und schraubt die Bremsbeläge von Eurem Auto unter die Schuhe oder besser noch die von eurem Nachbarn.
Immer juxig, Achim


Lieber Achim,
ich bin 40 Jahre alt und laufe seit sechs Jahren regelmäßig zwei- bis dreimal die Woche, acht Kilometer, na gut, im Winter etwas weniger. Mein Problem: der richtige Puls, die richtige Dosierung, möglicherweise mein Herz. Ich neige offenbar dazu, mich permanent beim Joggen zu überfordern. Ich habe mir jetzt eine Pulsuhr gekauft und mit Schrecken gesehen, was passiert, wenn ich so laufe, wie es Gesundheitsberater empfehlen: 220 minus Alter, davon circa 70 Prozent. Macht bei mir: einen Laufpuls von rund 140. Wenn ich den laufe, bin ich kurz vorm Stehenbleiben. Wenn ich normal schnell laufe, bin ich bei 165, danach abends aber auch meistens seltsam überdreht. Wo liegt die Wahrheit?
Danke, Mark

Lieber Mark,
als Grund Ihrer Probleme kommen mehrere Möglichkeiten in Frage. Die Formel 220 minus Alter ist für die Berechnung des Maximalpulses nur bedingt geeignet. Es kann sein, dass Ihr Maximalpuls deutlich höher ist. Den Maximalpuls kann man durch eine Maximalbelastung über drei bis fünf Minuten (Treppen, Steigung, Sprint oder alles zusammen) ermitteln. Dazu ist 70 Prozent des Maximalpulses die untere Grenze für ein Ausdauertraining: Man kann ruhig bei einer Herzfrequenz von 80 bis 85 Prozent des Maximalpulses trainieren. 165 Herzschläge pro Minute ist jedoch für einen 40-jährigen Mann eine ziemlich hohe Herzfrequenz. Ein so hoher Puls beim Laufen könnte darauf hinweisen, dass Sie nicht so gut trainiert sind, wie Sie es gern möchten. Bei intensiven Belastungen setzt der Körper vermehrt Stresshormone frei. Sie können die Ursache Ihrer Missempfindungen nach dem Laufen sein.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Lieber Mark,
ein Rennradkollege, zehn Jahre jünger als ich, früher mal Amateurfahrer und am Berg ganz gut, also das komplette Gegenteil von mir, der hat oben auf unserem Trainingshügel einen Puls von fast 200: Ich bin froh, wenn ich über 150 komme. Das heißt: anderes Herz, andere Frequenz. Abweichungen können völlig normal sein, müssen aber nicht. Also: Ein Besuch beim Arzt bringt Klarheit.
Herzliche Grüße, Cardio-Achim


Lieber Achim,
ich bin 61 Jahre alt und treibe schon immer Sport: Fußball, Joggen, Skifahren usw. Seit circa vier Monaten habe ich nun Probleme mit der rechten Achillessehne. Bei der MRT (Magnet-Resonanz-Tomografie oder auch Kernspin-Tomografie; die Red.) wurde festgestellt, dass sie über einen Bereich von sechs Zentimetern oberhalb des Knöchels teilweise geschädigt ist. Der Arzt hat mir eine Operation empfohlen. Was meinen Sie dazu?
Grüße, Karl-Hans

Lieber Karl-Hans,
bei Verletzungen der Achillessehne ist manchmal eine Operation der einzige Ausweg, um die Beschwerden loszuwerden. Nach einem Eingriff ist jedoch eine Pause von mehreren Wochen oder sogar Monaten erforderlich. Besprechen Sie deswegen mit Ihrem Arzt, ob es eine Alternative zur Operation gibt. Die Meinung eines weiteren Arztes wird Ihnen die Entscheidung ebenfalls erleichtern. Wenn Sie ein Haus bauen, holen Sie ja auch ein paar verschiedene Angebote ein.
Gute Besserung, Dr. Fernando Dimeo

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Seite 1
Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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