Achilles' Ferse Ganz ohne Sauerstoff geht es nicht

Trotz aller Fortschritte in der Medizin gilt auch heute noch: Komplett anaerob schafft es selbst der beste Läufer nicht. Was aber tun, um mehr Power zu bekommen? Achim Achilles und Co. setzen auf ein bewährtes Prinzip: tief durchatmen.


Lieber Achim,

ich zähle zu den Läufern, die 90 Minuten für zehn Kilometer benötigen und denen Du vorschlägst, besser aufzuhören. Ich habe mir einen einfachen Herzklopfmesser geleistet und laufe jetzt damit stolz meine morgendlichen fünf bis sieben Kilometer. Ich bin 44 Jahre alt und habe laut Anleitung meine maximale Herzrate mit 176 (220 minus 44) festgelegt. Den maximalen Trainingserfolg soll man bei 80 Prozent der maximalen Herzrate erzielen. Zu meinem Erstaunen erreiche ich im letzten Drittel meines Laufes aber regelmäßig 90 bis sogar 95 Prozent - das nennt man wohl anaerob. Ich bin aber schon so langsam, dass ich dann eigentlich gehen müsste. Den Grad der Erschöpfung empfinde ich eigentlich als angenehm und erstrebenswert. Was meinst du, Achim, soll ich das Gerät wegschmeißen und wieder ohne Technik rumtrotten? Heißt anaerob: Dass man keinen Vorteil oder keine Verbesserung bekommt?
Danke, Matthias

Marathonläufer (in Phoenix): Pulsmesser als sehr hilfreiches Utensil
AP

Marathonläufer (in Phoenix): Pulsmesser als sehr hilfreiches Utensil

Lieber Matthias,
die Berechnung des Maximalpulses nach der Formel 220 minus Lebensalter liefert nur sehr ungefähre Werte. Es kann wohl sein, dass Ihr Maximalpuls nicht bei 176 sondern bei 185 oder 195 liegt. Damit läge Ihr Trainingspuls bei 155 bis 160. Anaerob bedeutet "ohne Sauerstoff" und bezieht sich auf die Art der Energiebereitstellung beim Training. Belastungen im anaeroben Bereich sind einfach viel zu intensiv für ein gesundheitsorientiertes Training. Dabei ist das Risiko von Verletzungen deutlich erhöht. Bei Männern im Alter von 44 Jahren wird von den Fachgesellschaften vor der Aufnahme eines Trainingsprogramms eine medizinische Untersuchung empfohlen. Dabei können Sie Ihren Maximalpuls durch ein Belastungs-EKG exakt bestimmen lassen. Erst dann werden Sie wissen, ob Ihr Training im richtigen oder zu intensiven Bereich liegt. Bis dahin behalten Sie Ihren Pulsmesser: Auf Dauer ist er ein sehr hilfreiches Utensil.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo

Matze, altes Walross,
selbst die billigen Pulsuhren sind inzwischen sehr präzise. Es gibt nur drei Erklärungen: Du überforderst Dich brutal, Dein geglaubter Maximalpuls ist nicht Dein wirklicher Maximalpuls, Du bist herzkrank. Also sei artig und gehe zum Doc. Und dann sieh zu, dass Du zehn Kilometer unter einer Stunde schaffst.
Das war ein Befehl, Achim


Lieber Achim,
es leuchtet mir wirklich ein, dass es für viele Läuferinnen und Läufer sehr sinnvoll wäre, mit einem Trainer das Lauftraining zu optimieren. Ich bin im vergangenen September meinen ersten Marathon in Berlin gelaufen und habe in der Woche sieben Stunden Zeit zu trainieren. Wer sagt mir, wie es geht?
Eure Anne

Hallo Anne,
bist Du die Anne aus der Nähe von Hamburg, die etwas verrückte Apothekerin, die nun schon fleißig mit mir per Online-Coaching trainiert? Wenn nein, dann suche Dir doch im Internet einen Trainer nach Deinem Geschmack oder eine nette Laufgruppe, dort gibt es immer einen Coach, der das Kommando hat. Kostet ein paar Euro, aber spart beim Marathon schon mal 30 Minuten Laufzeit ein. Wenn das nichts ist!
Viele Glück, Jens Karraß

Liebe Anne,
wenn Du die Anne bist, die Jens meint, dann hör mal gut zu: Du bist nicht trainierbar, weil Du renitent bist und Widerworte gibst und alles besser weißt und keine Lust zum Tempotraining hast und zu den langen Läufen auch nicht und immer irgendwelche Ausreden hast und nicht mal schneller wirst, obwohl Du eine Apotheke hast. In Wirklichkeit bist Du ein Supertalent und würdest jeden Marathon in 3:15 Stunden wegschrubben. Aber Du willst nicht. Das ist Talentvergeudung und gehört unter Strafe gestellt. So, das musste mal gesagt werden. Und jetzt will ich Dich rennen sehen. Nur einmal. Und halt die Klappe dabei. Bitte!
Ungehalten Achim


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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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