Achilles' Ferse Hintern aus den Federn

Es wird immer abenteuerlicher: Jetzt wird unser Laufguru Achim schon dazu aufgefordert, den Morgenmuffeln ein wasserdichtes Alibi für ihre Frühfaulheit zu liefern. Doch da wollte der Faulpelz ausgerechnet einen Pakt mit dem Kürschner schließen.


Lieber Achim,

ich bin 61 Jahre alt, sportgesund und habe vor einem Jahr angefangen, dreimal wöchentlich zu laufen. Die zehn Kilometer schaffe ich fast in einer Stunde. Spricht etwas dagegen, dass ich einen Halbmarathon oder gar einen Marathon anstrebe? Natürlich nicht auf Zeit und erst in ein bis zwei Jahren. Und was sollte ich bei einem Training besonders beachten?
Andreas

Das Bett: Alibi für morgenmuffelige Läufer
DDP

Das Bett: Alibi für morgenmuffelige Läufer

Lieber Andreas,
Ja, das kannst Du. Denn Du bist gesund (Arzt gefragt?) und hast jetzt schon ein Trainingstempo von 10 Kilometer pro Stunde. Im Frühjahr Halbmarathon, der ist kein Problem für Dich. Und mit Disziplin, also mindestens viermal Laufen in der Woche, sehe ich auch keinen Grund, warum Du keinen Marathon laufen solltest. Auch Zeiten kannst Du Dir vornehmen. Wir sind doch alle immer im lockeren Wettbewerb. Beachte bitte, dass Du einmal in der Woche mit längeren Läufen beginnst. Zuerst 1:30 Stunden, später bis zu 2:30 Stunden. Zusätzlich einmal in der Woche am Tempo arbeiten. Leichte Intervall-Läufe empfehle ich Dir. Damit verbesserst Du Deine Laufzeit.
Alles Gute, Jens Karraß


Lieber Achim,
bei extremer Kälte tut das Einatmen der Eisluft ausgesprochen in den Bronchien weh. Gibt es einen Trick, die Luft anzuwärmen? Macht es Sinn, sich eine Gesichtsmaske zuzulegen? Oder macht die kalte Luft vielleicht gar nichts aus und ist am Ende sehr gesund?
Dank und Gruß, Elise

Liebe Elise,
die Empfindlichkeit gegenüber kalter Luft ist sehr unterschiedlich. Einige Sportler können bei Temperaturen um die Null Grad und hoher Luftfeuchtigkeit ihr Trainingsprogramm ohne weiteres absolvieren. Bei sehr niedrigen Temperaturen und intensiven Belastungen bekommen jedoch die meisten Leute Beschwerden. Dagegen gibt es kaum einen Trick: Eine Gesichtsmaske oder einen hohen Halskragen, der den Mund abdeckt, erschweren die Atmung und werden sehr rasch feucht und unangenehm zu tragen. Die kalte Luft ist nicht gerade gesund, aber solange man keine Beschwerden dabei hat, ist nichts gegen das Training einzuwenden. Ich habe selber mehrmals bei Temperaturen unter minus 20 Grad trainiert, wohl gemerkt bei niedriger Intensität, und dabei keine Atembeschwerden gehabt.
Besten Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Lieber Achim,
in einem auch von mir gern aufgesuchten Internet-Forum tobt seit längerer Zeit und jetzt zum Jahreswechsel, wenn sich alle wieder einen Marathon vornehmen, eine Grundsatzdiskussion: Darf sich ein Läufer, der in einer Zeit von fünf Stunden oder mehr ins Ziel kommt, noch zu Recht als Marathonläufer bezeichnen? Einige fordern einen Zielschluss spätestens nach fünf Stunden, um die Leistung der sozusagen richtigen Läufer nicht zu entwerten. Mich würde interessieren, ob es eine Übereinkunft gibt, ab welcher Zielzeit man sich als echter Marathonläufer sehen darf.
Michael

Lieber Michael,
auf Grund des Marathon-Tourismus' und dem Willen der Veranstalter, auch noch vom lahmsten Läufer die Startgebühr mitzunehmen, haben sich die Zielschluss-Zeiten immer weiter nach hinten verschoben. Was ja auch gut so ist. Lassen wir doch großzügig allen den Spaß, sich Marathonläufer zu nennen. Uns doch egal. Es gab mal ein Land, dort fand der Karl-Marx-Stadt-Marathon statt. Zielschlusszeit, Achtung: drei Stunden. Unglaublich, oder? So muss es ja nun auch nicht sein. Aber jeder sollte doch selbst überlegen, ab wann es ein Marathon-Walk ist. Ich finde, bei unter vier Stunden fängt das Laufen erst wirklich an. Aber alle, die unter fünf Stunden bleiben, haben doch damit ein schönes Ziel.
Marathonläufer Karraß


Hallo Achim,
zuerst: Ich lese mit Begeisterung die Kolumne, ein Highlight jeden Dienstag. Mein Problem: Ein Freund hat sich zum City Marathon von Mexiko-Stadt eingeschrieben und mich gebeten ihn zu coachen. Sicherlich kein Problem, wenn man weiß, was die Arbeit eines Coaches ist, und wie man dem Aktiven unterstützen und helfen soll. Ich persönlich laufe oder jogge nicht und kann somit nicht aus eigenen Erfahrungen schöpfen. Kannst Du oder Dein Team mir Tipps und Ideen geben, was meine Aufgabe wäre, damit ich mich a) darauf vorbereiten kann und b) wirklich helfe und nicht als Dekoration am Straßenrand stehe.
Gruß, Martin

Lieber Martin,
trotz des durchsichtigen Versuchs, Dich einzuschleimen mit Deiner vordergründigen Lobhudelei, werde ich Dir trotzdem nicht raten, Deinen Kumpel zu coachen. Was für ein Irrsinn: Der Bäcker braucht eine mehrjährige Ausbildung, um Brot zu backen, der Doktor muss studieren, um Spritzen zu geben, aber Du willst mal eben so coachen, auch wenn Du das noch nie gemacht hast und nicht mal selber läufst. Wobei der Vorwurf weniger an Dich geht als an Deinen Lauffreund, der offenbar an verschärfter Trainingsdemenz leidet. Sollte Dein Mexiko-Marathon-Mann von Dir lediglich erwarten, dass Du ihm bei Kilometer 32 eine Pulle anreichst, dann kannst Du das getrost machen. Sollte er von Dir allerdings Trainingstipps wollen, dann Gute Nacht. Die holt er sich besser bei www.jkrunning.de oder in einem schlauen Buch.
Besten Gruß, Achim


Lieber Achim,
ich möchte gern wissen, wann die richtige Tageszeit für sportliche Höchstleistungen ist. Theoretisch immer dann, wenn man Zeit und ein schlechtes Gewissen hat. Aber ich trage mich mit dem waghalsigen Gedanken, vor der Arbeit joggen zu gehen und hoffe nun, dass Ihr mich vom Gegenteil überzeugen könnt, allein schon um meines kostbaren Schlafes Willen.
Stefan

Vorsicht Stefan,
morgens Laufen ist für die Entwicklung von wahrer Ausdauer das Allerbeste! Sorry. Vor 11 Uhr sollte das geschehen. Die Leistungskurve im Tagesverlauf geht ab dann sachte immer weiter runter, bis sie um 14 Uhr den Tiefpunkt erreicht. Um 16 Uhr wäre wieder ein guter Zeitpunkt. Aber da arbeiten wir alle noch mindestens drei Stunden. Dilemma! Also? Wecker stellen und Hintern aus den Federn.
Viele Grüße, Jens Karraß

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Paulizei, 11.04.2005
1. Thema gestorben?
Hallo liebe Laufsportfanatiker, Walker-Hasser oder -Anwälte, Spiegelleser oder sonstige Ehrgeizlinge! Hat diese herrliche Thema den Umzug ins neue Forum nicht überlebt oder seid Ihr in Woche 2 vor dem Olympus Marathon alle so intensiv im Lauftraining, dass keine Zeit mehr für weltliche Angelegenheiten wie das Internet bliebt? Es grüsst Euch Eure Startnummer 16781
seductive, 12.04.2005
2. Pillen-Anleitung
also, ich find ja den Beitrag von Achilles sehr lustig. Leider glauben echt viele Leute dran, dass das Zeug was hilft. Ich muss gestehen, einige Sachen muss ich auch nehmen, allerdings nach Anraten des Arztes. Dass Eisen stopft, hab ich selbst noch nie bemerkt. Magnesium gegen die Krämpfe - wenn ich das mal einige Wochen nicht nehme, weiß ich genau, dass ich beim Spitzentanz nach einigen Minuten wieder fiese Krämpfe in den Fußsohlen kriege, die mir schwerelose Drehungen und minutenlange Balance unmöglich machen. Vitamine etc. nehme ich mit der Nahrung genug auf, nur an Magnesium und Eisen fehlt es mir oft. dass die sich gegenseitig aufheben, ist klar. Zink gegen die Erkältung, das ist doch auch selbstverständlich. Man sollte nicht jedes Mittelchen verteufeln. Aber wahre Sportler greifen sowieso lieber zur altbekannten ACE-Mischung (Kenner wissen, was ich meine). Ob man dann evtl. weit vor der Zeit einen Herzkasperl kriegt und vielleicht mit 25 tot umfällt, ist ja egal - denn man trainiert ja effektiver...
Carmen Cienfuegos, 19.04.2005
3.
---Zitat von sysop--- Jogging, obwohl eine fast schon archaische Form des Fitnesstrainings, bleibt nach wie vor angesagt. Unser Kolumnist Achim Achilles ist ein Durchschnittssportler, aber einer mit Ambitionen. Er läuft, weil er will und muss. Er kämpft um Kondition und gegen die Bequemlichkeitsverfettung. Sind Sie auch ein "heimlicher Achim"? Wie halten Sie es mit dem Training? Joggen wie Achilles? Oder was ist Ihr Rezept gegen Bauch und Trägheit? ---Zitatende--- Dem Marathon Achim rate ich: Creme alle Koerperteile die wundlaufen oder heisslaufen koennen mit Calendula Babycreme ein. Lass die billige Vaseline weg. Keine Chemie oder Drogen schlucken. Doping ist fuer loser. Mental stark antreten. Hoer dir volle Lautstaerke per Headset die Musik: We are the Champions oder Like a rock oder Against the Wind etc. an. Harte Sohlen fressen (wie beim Auto) weniger Energie. Alles andere ist Gummizelleneffekt. Das Abrollen der Sohlen macht den Lauf weich, elegant und elastisch. Das kann man sich antrainieren. Viel Glueck und Willenstaerke.
robbatberlin 26.04.2005
4.
Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :)
Paulizei, 26.04.2005
5. Herzlichen Glückwunsch
---Zitat von robbatberlin--- Find ich ja doch ganz schön schade, daß Achim so gelitten hat bei seinem ersten Marathon, daß er jetzt nie wieder will... Aber vielleicht legt sich dieser Wunsch ja wieder. Denn 4.20 ist ja keine schlechte Zeit fürs erste Mal! Das ist ausbaufähig! :) ---Zitatende--- Ist doch normal, oder? Ich jedenfalls bin bisher zwar erst 2 Marathons gelaufen, falle danach aber offenbar immer in ein psychisches Loch. Spätestens bei Kilometer 30 kommt die Einsicht, wie schwachsinnig es ist, im dritten Jahrtausend noch 42km zu laufen. So schlimm sind die Benzinpreise nun auch wieder nicht. Nach Überschreiten der Ziellinie stand dann beide Male fest: Nie wieder! Wo ich letztes Mal noch in 48stündige Bewusstlosigkeit fiel, konnte ich diesmal nach einem langen heißen Bad wenigstens schon wieder ohne fremde Hilfe gehen, was mich zu dem Schluß wird, dass die körperlichen Konsequenzen von Mal zu Mal weniger schlimm ausfallen. Das psychische "Down" bleibt aber vermutlich. Sorgen würde ich mir an Achims Stelle nur machen, wenn er nicht von allein scharf drauf wird, seine eigene Bestzeit zu knacken, nachdem die Schmerzen erstmal verflogen sind... In dem Sinne :-)
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