Achilles' Ferse Keuchende Diesellok im Wald

Achim Achilles ist nicht nur ein begnadeter Läufer, er hat auch ein gutes Herz. Und darum steht er anderen mit Rat zur Seite. Heute erklären der Grölaz und seine Mitstreiter, wieso Pommes als Belohnung nach einem Waldlauf ungeeignet sind und man nicht spätabends durch die Botanik toben sollte.


Lieber Achim,

Sie wecken bei mir wieder die Lust aufs Laufen. Leider bin ich aufgrund meiner beruflichen Lage die vergangenen drei Jahre nicht dazu gekommen, habe daher einiges an Gewicht gewonnen und an Kondition verloren. Nun habe ich die Befürchtung, wenn ich wieder mit dem Laufen anfange, dass ich enttäuscht bin von mir selbst, wenn ich mich keuchen höre wie eine Diesellok und nicht wirklich weit komme. Haben Sie Erfahrung mit dieser Problematik? Wie fange ich am besten an?
Gruß, Fin

Lieber Fin,
den Schlüssel zum Erfolg halten Sie schon in der Hand: Sie haben Lust aufs Laufen! Bingo! Die Gedanken, die Sie sich jetzt machen, quälen fast alle Genussmenschen mit der Tendenz zu Übergewicht. Machen Sie sich zuerst klar, dass es am Anfang garantiert nicht leicht wird. Sie keuchen, sind langsam und kommen nicht weit? Das haben Sie mit der Hälfte aller Läufer gemeinsam. Jede Wette: Auf Ihrer Strecke gibt es welche, die noch langsamer sind. Na und? Es geht um Sie, um Ihr Leben und Ihre Gesundheit. Folgender Vorschlag: Gehen Sie ganz früh morgens laufen. Sie bekommen eine ungeheure Motivation dadurch: Sie sind viel zeitiger als die meisten anderen auf und tun etwas für sich. Sie werden sich wunderbar fühlen. Die wenigen Laufkollegen, die sie unterwegs treffen, wissen was Sie leisten. Aber bitte Vorsicht: Laufen Sie langsam! Machen Sie nach drei Minuten eine lockere Gehpause. Wenn die Diesellok zu arg keucht, schrauben Sie das Tempo zurück. Es soll Spaß machen und leise sein. Sobald Sie 30 Minuten am Stück schaffen, sind Sie kein Anfänger mehr. Wenn Sie sich dreimal die Woche aufraffen, kann es schon nach vier Wochen soweit sein: Denn die Anpassung des Körpers durch regelmäßiges Laufen geht rapide voran.
Gruß, Jens Karraß


Miss Fat Thanchanok Mekkeaw (l.): Die 25-Jährige läuft eher selten
REUTERS

Miss Fat Thanchanok Mekkeaw (l.): Die 25-Jährige läuft eher selten

Hallo Achim,
Wir fragen uns, was wohl geschieht, wenn der Lauf, für den wir trainieren, vorüber ist. Was dann? Fallen wir von einem Taumel des Glücks ins Nichts?
Gruß, Steffen

Lieber Steffen,
ein sehr interessanter Punkt. Viele Läufer kennen das große Loch, das nach dem Saisonhöhepunkt kommt. Ich persönlich lasse dieses Loch gar nicht erst entstehen, weil ich etwa ein Jahr im Voraus plane, was ich wann mitmachen will. Urlaubsplanung, absehbare Arbeitsbelastung, möglicher Familienzuwachs, all das sind Faktoren, die darüber entscheiden, ob es ein Jahr mit kurzen schnellen Wettbewerben oder langen Rennen gibt. Ich befinde mich also nie nach, sondern immer vor einem Lauf. Das braucht mein Kopf, sonst würde ich sofort aufhören zu trainieren. Im Herbst aber, da gönne ich den Knochen und mir eine Pause und viel Bier.
Prost, Achim


Lieber Achim,
ich habe mir zwar keinen Marathon vorgenommen, will mit Sport (Laufen und Badminton) aber etwas abnehmen. Aber: nix da, kein messbarer Erfolg, Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Nun habe ich keine Lust mehr. Wie oft pro Woche und wie lange muss man laufen, um sichtbar abzunehmen? Ich halte einen Puls von 115 bis 125 Schlägen pro Minute.
Danke und Gruß, Mischa

Lieber Mischa,
die Grundregel für die Gewichtsabnahme ist denkbar einfach: Man muss durch körperliche Aktivität mehr Kalorien verbrauchen, als man durch die Nahrung zu sich nimmt. Um abzunehmen genügt es nicht, viel Sport zu treiben: Sumo-Ringer trainieren häufig mehr als acht Stunden täglich. Aber den Rest des Tages essen sie. Zum Abnehmen empfiehlt sich eine Kombination von Diät und Sport und Geduld. Ein Gramm Fett beinhaltet neun Kilokalorien. Um 50 Gramm Körperfett, also 450 Kilokalorien, abzubauen, müssen Sie etwa 45 Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit joggen. Belohnen Sie sich danach aber mit einem Cheeseburger plus Pommes und Cola (800 Kilokalorien), bringen Sie 40 Gramm mehr als vor dem Sport auf die Waage. So kann man trotz Sport zunehmen. Bei dreimaligem Lauftraining pro Woche, etwa eine Stunde, und konstanter Energieaufnahme verlieren Sie etwa 200 Gramm pro Woche, was im Jahr rund zehn Kilogramm entspricht. Diese Methode hat jedoch einen klaren Vorteil: Man hungert nicht.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo


Verehrter Achim,
ich glaube Ihren Berichten entnehmen zu können, dass Sie nahezu jeden Tag laufen gehen. Ist das richtig? Es wird doch oft geraten, jeweils einen Tag Ruhe einkehren zu lassen. Zudem beschäftigt mich die Frage nach der geeigneten Tageszeit. Oder ist es unerheblich, ob man sich nun morgens oder abends auf den Asphalt schwingt?
Gruß, Patrick

Lieber Patrick,
Erholung ist genauso wichtig wie die Belastung. Training ohne Regeneration macht nur müde. Am Anfang ist es deswegen ratsam, nur jeden zweiten Tag zu laufen. Wenn man einen besseren Trainingszustand erreicht hat, spricht nichts dagegen, täglich zu laufen. Leistungssportler trainieren sogar mehrmals am Tag, weil sie durch langjähriges Training sehr starke und häufige Belastungen vertragen, ohne sich zu verletzen. Das wäre für einen Anfänger vollkommen ungeeignet. Biologisch gesehen gibt es zwei optimale Zeitpunkte, nämlich morgens zwischen 10 und 12 Uhr und nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr. Um diese Uhrzeiten befindet sich die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit auf ihrem Höhepunkt. Leider hat die Natur nicht bedacht, dass die meisten von uns just zu dieser Zeit arbeiten müssen. Für den Trainingseffekt ist die Uhrzeit aber auch nicht relevant. Nur vom Laufen am späten Abend ist abzuraten, das wirkt sich negativ auf die Nachtruhe aus.
Gruß, Dr. Fernando Dimeo



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