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30. September 2011, 16:03 Uhr

Achilles' Ferse

Laufen statt Rauchen

Lieber qualmende Socken als qualmende Glimmstängel: Ausdauersport kann helfen, sich das Rauchen abzugewöhnen. Im Achilles-Interview erklärt der Lungenarzt Christian Grah, wie Laufen auf den Körper wirkt und die Sucht nach einer Kippe senken kann.

Frage: Herr Grah, kann man sich durch Laufen das Rauchen abgewöhnen?

Grah: Ja, das ist sogar eine gute Methode, weil man sich einen anderen Lebensinhalt gibt, der auch Erfolg und ein gutes Gefühl wie beim Rauchen nach sich zieht. Denn eine Zigarette verschafft auch erstmal Entspannung und ein gutes Gefühl.

Frage: Aber dieses gute Gefühl hält nicht an.

Grah: Genau. Das ist bei jeder Droge so: Sie erzeugt einen positiven Effekt - aber eben nur kurzfristig, auf Kosten einer langfristigen Schädigung. Um dieser Spirale zu entkommen, hilft es, wenn man sich Alternativen schafft, wie das Laufen.

Frage: Ist Laufen dann eine Art Ersatzdroge?

Grah: Nein, genau das ist es nicht. Nach dem Laufen empfinden sie ein Wohlbefinden. Sie fühlen sich körperlich und psychisch besser und haben etwas geleistet. Aber im Unterschied zum Rauchen schädigen sie ihren Körper nicht. Im Gegenteil: Sie stabilisieren Ihre Gesundheit. Laufen ist langfristig gesundend. Es sei denn, sie machen groben Unfug und übertreiben es.

Frage: Kann Laufen die negativen Effekte des Rauchens vollständig kompensieren?

Grah: Nein, das kann es definitiv nicht, weil es unterschiedliche Prozesse sind. Das Laufen kann der Schädigung durch das Rauchen zwar etwas entgegensetzen, es aber nicht vollständig kompensieren.

Frage: Starke Raucher haben meist das Problem, dass ihnen schon beim Treppensteigen die Puste wegbleibt. Können die gleich losjoggen?

Grah: Generell kann man sagen: Egal, auf welchem Leistungsstand man ist, sollte die Anstrengung nur langsam gesteigert werden. Man muss sich als Anfänger sozusagen ans Laufen heranschleichen. Die Knochen, Muskeln, Sehnen und Gelenke wurden lange zu wenig belastet und müssen sich erst an die neuen Umstände gewöhnen.

Frage: Und wie oft sollte man trainieren?

Grah: Wir wissen, dass Bewegung dann die Gesundheit stärkt, wenn man sich zwei Mal pro Woche mehr als 30 Minuten anstrengt. Egal auf welchem Niveau und mit welcher Geschwindigkeit. Hauptsache man hält die halbe Stunde durch.

Frage: Sinkt mit gesteigertem Training auch die Lust auf eine Zigarette?

Grah: Nein, nicht unbedingt. Das hängt mehr von der jeweiligen Lebenssituation zusammen. Direkt nach dem Training haben sie vielleicht keine Lust zu rauchen, aber zwei Stunden später in der Kneipe sieht es schon wieder anders aus. Es gibt aber viele Raucher, die durch das Laufen diesen Suchtdruck nicht mehr verspüren, weil sie ihn anders abarbeiten können.

Das Interview führte Frank Joung

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